Renker Gustav

Biografie: 

Dr. Gustav Renker, der in der Schweiz lebende bekannte Romanschriftsteller und Erzähler, ist am 12. Oktober 1939 50 Jahre alt geworden. Der „Bergsteiger" darf den jugendlichen Fünfziger, der im Weltkrieg als alpiner Referent an der Alpenfront Dienst tat, zu seinen Mitarbeitern zählen.
Quelle: Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins, Deutscher Bergsteigerverband im NS. Reichsbund für Leibesübungen 1939-40, Heft 4, Seite 74

In memoriam Dr. Gustav Renker
Am 23. Juli 1967 ist der Schriftsteller Dr. Gustav Renker in Langnau im Emmentale in der Schweiz nach schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren gestorben. Renker war im Leben und Schaffen mit Kärnten eng verbunden. Sein Vater war der Juwelier Heinrich Renker in Wien, ein Schweizer Staatsbürger, seine Mutter war Wienerin, Tochter des Regierungsrates Gustav Adolf Schimmer. 1899 gab sein Vater das Juweliergeschäft in Wien auf und übersiedelte nach Bodensdorf am Ossiacher See, wo Gustav seine eigentliche Heimat fand. Das Gymnasium besuchte er in Villach und die Universität und das Konservatorium in Wien. In Leoben in der Steiermark studierte er ein Jahr an der Bergakademie. Bald aber schlug ihn die Musik Richard Wagners ganz in ihren Bann. Er promovierte in Wien zum Doktor der Musikgeschichte und wurde Kapellmeister an der Wiener Volksoper, später am Grazer Opernhaus und in Nürnberg. Hernach wurde er Schriftsteller und Redakteur der großen Schweizer Zeitung „Der Bund" in Bern.
Die Landschaft um den Ossiacher See, die Gerlitzen, die Hohen Tauern und die Julischen Alpen sind Schauplätze seiner Dichtungen geworden. Mit dem Land der Lieder, Seen und Burgen blieb er zeitlebens eng verbunden. Renker schrieb nahezu vierzig Romane, eine große Zahl von Novellen und Erzählungen, einige Bühnenstücke und viele alpine Aufsätze. Die Kärntner Romane nehmen eine hervorragende Stellung ein. Mehrere seiner Romane wurden ins Französische, Holländische, Englische, Spanische und Serbische übersetzt.
Im ersten Weltkrieg ging Renker freiwillig als alpiner Referent an die Front ins Gebiet des Wischberges (Monte Fuart 2.666m). In seinem Buch „Bergkrieg" schrieb er: „Um diese Berge wird jetzt gekämpft, über ihre Grate sausen die Granaten hin, zerschellen an ihren Wänden, in Löchern und winzigen Hütten hausen Soldaten, Menschen des Kärntner Bauernvolkes, dem du so verbunden bist. Da willst du einfach mit dabei sein."
Aus dieser Zeit stammt auch der Roman „Berg der Einsamen". Diesmal ist das romantische Bergmassiv des Wischberges (Monte Fuart) die Gegend der Handlung. In diesem Alpenroman berichtet der Dichter von Männern der Hochgebirgskompanien des Kärntner Gebirgsschützenregimentes Nr. 1, Klagenfurt, die trotz Lawinendonner, eisiger Schneestürme, Steinschlag und Feindeinwirkung an der Grenze ihres Heimatlandes treue Bergwacht hielten.
Sein tiefer Sinn für Geschichte ließ ihn im „Hexenvogt" ein Bild des dreißigjährigen Krieges zeichnen. „Der Mönch von Ossiach" enthält die Sage vom Mönch, der die Seenixe liebte und mit ihr den Bauernhof am Berg gründete. Das „Volk ohne Heimat", dessen geschichtlicher Hintergrund die Gegenreformation ist, führt uns in die Gegend des Ossiachei Sees. „Der teuflische Torwart" spielt in der Umgebung von Gmünd i. K., im Radlgraben, im Reißeckgebiet zur Zeit der Franzosenbesetzung 1809—1813. Im Roman „Der Kampf mit dem Gletscher" wird der ganze Zauber der Hochgebirgswelt der Hochalmspitze, der Königin der Hohen Tauern, lebendig.
Renker war ein unruhevoller Geist. Ihn trieb es auf die kühnsten Gipfel unserer Berge. Hoch über den Tälern wehte ihn die Ewigkeit an. Er hat uns sein Höhenglück in den Romanen verkündet. Schön und kraftvoll sind seine Naturschilderungen. Seine Lieblingsberge waren der Campanile di Val Montanaia, der Montasch, der Wischberg (Monte Fuart) and die Hochalmspitze in den Hohen Tauern.
Das Verhältnis des Menschen zu der mannigfaltaltigen und unergründlichen Gebirgswelt ist das immerwährende Leitmotiv seines Schaffens. Renker, Richter, Musiker, Bergsteiger und Jäger, war in seiner Jugend ein bekannter Alpinist der viele Erstbesteigungen in den Ostalpen zu verzeichnen hat. Sein Leben und Schaffen war durch Berge und Musik bestimmt. Immer wieder zog es Renker in die Julier: Meine stille Liebe gehört den Julischen Alpen, und meine Träume schweben über ihre Grate. Ich grüße sie aus der Ferne und grüße meine entschwundene Jugend in ihnen. „Renker war es auch, der die Bezeichnung: „Das Tal der stürzenden Wasser" für das wasserdurchbrauste Maltatal geprägt hatte. Aus diesem Grunde hat die Sektion Gmünd i. K. im Maltatal gegenüber dem Melnikfalle nächst des Hochsteges im Juli 1967 eine Tafel mit der Aufschrift: „Dr.-Gustav-Renker-Ruhe" anbringen lassen. Mögen die Bergwanderer, die da vorüberziehen, unseres Dichters Dr. Gustav Renker, dem die Bergwelt eine Herzensheimat war, gedenken.
Karl Lax
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1967, Heft 9/10, Seite 141

Gustav Renker (+)
Mit dem Tod Dr. Gustav Renkers, der in der Schweiz lebte, wurde wieder einer der Alten aus der Gilde der Bergschriftsteller abberufen. Renker war gebürtiger Kärntner, war als Bergsteiger und als Alpinreferent im ersten Weltkrieg in den Julischen Alpen tätig, was auch seinen Niederschlag in seinen Büchern fand.
Quelle: Mitteilungen des DAV 1967, Heft 6, Seite 172

Gustav Renker
*12. Oktober 1889 — (+) 23. Juli 1967
Am 23. Juli ist in seinem Haus am Dorfberg über Langnau (Kanton Bern, Schweiz) im Alter von 78 Jahren Dr. Gustav Renker gestorben. Im Herbst 1966 erlitt er in seiner geliebten Bergheimat am Ossiachersee einen Schlaganfall, von dem er sich nie mehr richtig erholt hat.
Geboren wurde Gustav Renker am 12. Oktober 1889 in Wien. Sein Vater war Schweizer, die Mutter Österreicherin. Seine Jugend verbrachte er in der melancholischen Landschaft des Ossiachersees im Kärntnerland, und im Herzen wie im Charakter war Gustav Renker eher der charmante Österreicher als der trockene Schweizer. Schalkhaft leuchteten seine Augen hinter den Brillengläsern, wenn man ihm in seinem gemütlichen Heim gegenüber saß und ins Plaudern kam.
Mit 13 Jahren bestieg Gustav in Begleitung von Wolf-Glanvell und Günther von Saar die Görlitze. Zum erstenmal konnte er die gewaltige Nordmauer der Julischen Alpen mit den Eckpfeilern Triglav und Montasch bewundern, die später seine Bergheimat wurden.
Gustavs musikalische Begabung stammte vom Vater. Doch stand nicht von Anfang an fest, daß er Musiker werden sollte. Zuerst zog es ihn zu einem technischen Beruf.
Er wollte Bergingenieur werden und verbrachte zwei Semester in der romantischen Bergmannstadt Leoben. Lachend berichtete er darüber, daß wilde Berg- und Schifahrten unternommen wurden, aber das Studium keine Fortschritte machte. Dann ging er zur Musik über und erwarb sich in Wien den Doktorhut der Musikwissenschaft, später das Diplom als Kapellmeister.
Doch die Freizeit verbrachte Renker immer in seinen geliebten Bergen: Julier, Karnische Alpen, Hohe Tauern, Gesäuse. Selbstverständlich fand man ihn auch in anderen, seiner Kärntner Heimat entfernteren Gebieten. Aber immer wieder zog es ihn, der Stille und Einsamkeit über alles liebte, auf unbegangene Pfade. So bestieg er erstmals den Villacher Turm, die Mittlere Kaltwasserspitze (Wischberggruppe), den Kaltwasserturm, bezwang die Nabois-Westwand, die Große Ponca über die Nordflanke, die Vordere Schwarze Schneid, Preimelköpfe (Hochalm), Bergseeturm (Reißeck) und die Kleine Leiterspitze, nur um einige der Taten aufzuzählen. Auf vielen Fahrten begleitete ihn sein Bruder Erich, der ihm im Tod zwei Jahre vorausgegangen und dessen Verlust ihm so naheging. Aber sehr oft kletterte er allein und war bis ins Alter ein begeisterter Alleingänger, was im Zusammenhang mit beschaulicher Einsamkeit und verinnerlichtem Erleben stand. Seine Lieblingsberge waren und blieben der Campanile di Val Montanaia, Montasch und Hochalmspitze.
Den Militärdienst leistete Gustav Renker unter der Schweizer Fahne, wurde jedoch 1916 im Ersten Weltkrieg längere Zeit beurlaubt und war als sogenannter Alpiner Referent mit Dr. Julius Kugy an der Front der Julischen Alpen. Seither verband die beiden eine feste Freundschaft, denn sie ritten dasselbe Steckenpferd: Berge, Musik und Literatur. Diese Fronterlebnisse hat er im Büchlein „Bergkrieg" (Verlag Styria, Graz-Leipzig-Wien) niedergeschrieben. Und dies war gleichsam der Anfang seiner Schriftstellerei. Weitere Bücher erschienen und fanden durch Form und Inhalt wie durch die meisterhaften Natur-schilderungen und fesselnde Gestaltung menschlicher Schicksale eine rasch wachsende Lesergemeinde. Über 40 Romane hat Gustav Renker geschrieben und Novellen, alpine Schilderungen, naturwissenschaftliche Arbeiten und Kurzgeschichten existieren hunderte. Den Stoff sammelte er vor allem in den Bergen, aber auch auf ausgedehnten Nordland-, Balkan- und Afrikareisen. Seine „Heiligen Berge" erlebten eine Auflage von 80 000 Exem¬plaren, sein „Verlorenes Tal" wurde verfilmt. Ebenso wichtig wie die Bergromane sind seine Jagd- und Tiergeschichten, denn aus ihnen spricht die große Liebe zur Kreatur. Auch in Jäger- und Fischerkreisen hat der Name Renker einen guten Klang, betreute er doch jahrelang deren Zeitschrift.
Seine Journalistenzeit brachte ihn nach Hamburg, Waldenburg in Preußisch-Schlesien, Graz und Wien. Als Redakteur war er lange Zeit beim „Berner Tagblatt", beim „Bund" und beim „Emmentaler Blatt" tätig. In Schlesien lernte er seine Frau kennen. Der glücklichen Ehe entsprossen zwei Söhne und eine Tochter.
Im Berner Musikleben war Renker ein geschätzter und gefürchteter Kritiker. Den Dirigentenstab hatte er endgültig abgelegt, denn das Herumbalgen mit Primadonnen und Tenören wurde ihm immer mehr zur Qual.
In jedem seiner Lebensabschnitte hatte Gustav eine Hütte. Es bedeutete für ihn eine Lebensnotwendigkeit. Aus jeder Klause gingen mehrere Romane in die Welt hinaus. Er hatte eine unerschöpfliche Phantasie und niemand konnte ihn trefflicher schildern als sein Redaktionsfreund Dr. Arnold H. Schwengeler im Nachruf des Berner „Bund": Er war leiblich unter uns und zugleich weit weg in irgendeiner unterirdischen Berghöhle, wo sich Ungeheuer der Vorzeit gespenstisch regten oder bei den schlitzäugigen Mongolen ... Gustav Renker war ein würdiger Nachfolger von Jules Verne.
„So, so, Dir weit zum Schlange-Guschti", pflegten die Langnauer zu sagen, wenn man nach dem Dorfberg, dem Heim Dr. Gustav Renkers, fragte. Und in der Tat gab es eine Zeit, wo der Verstorbene einen kleinen Zoo mit Reptilien und sonstigem Getier hatte.
Eine enge Freundschaft verband ihn auch mit Dr. Albert Schweitzer und Oscar Straus, deren Bilder in seinem Musikzimmer hängen. Er setzte sich jeweils an den Flügel und spielte einige klangvolle Akkorde einer nie vollendeten Oper. Dann klappte er plötzlich den Deckel zu und lief zum Bücherregal, und schon hingen wir beide mit Comici oder Kasparek an einem Campanile in den Dolomiten. „Weißt du, meine größte Angst ist die, nicht mehr klettern zu können. Man wird schwer und der Schnauf reicht nicht mehr aus." Inzwischen war der Aschenbecher voll geworden, und die „Nikotinvergiftung" schwemmte er sich mit Milch hinunter.
Wie schön sind doch die Schlußworte aus dem bereits erwähnten Büchlein vom Bergkrieg: „Ich grüße die Julischen aus weiter Ferne und mit ihnen meine entschwundene Jugend. Ich bin zu vielen Bergen gewandert seit jenen wilden Jahren des Krieges und habe viel Schönes gesehen. Bis zu den Eisgipfeln Spitzbergens, den Vulkanen Islands hinauf. Ich lebe mitten in den Bergen, und in die Fenster meines Hauses hoch über der mildgrünen Tiefe des Emmentals blicken die Eistürme des Schreckhornes und Finsteraarhornes. Aber meine verschüttete, stille Liebe gehört den Julischen Alpen und meine Träume schweben über ihren Graten.
Das ist der entsagungsvolle Mollausklang eines Bergsteigerlebens."
Allen, die ihn persönlich kannten, und seinen Leserfreunden wird Gustav Renker unvergeßlich bleiben. Seinem Wunsche gemäß wurde die Urne im Familiengrab in Bodensdorf am Ossiacher See beigesetzt.
Willy Uttendoppler, Bern
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1967, November/Dezember, Folge 1356, Seite 157-159

Geboren am: 
12.10.1889
Gestorben am: 
23.07.1967

Erste Gipfel-Besteigungen

Erste Route-Begehungen

Schwarze Schneid Vordere / Ostgrat - "Oberer" / 1912
Bergseeturm / Südwand / 11.08.1913
Bergseeturm / Nordwand im Abstieg / 11.08.1913
Weinflaschenkopf / Südgrat - "Wegänderung" / 11.08.1911