Melzer Otto

(Bearbeiten)

Biografie:
Das Schicksal hat Melzer nicht verwöhnt und ihm wenig Zeit für die Verwirklichung seiner Lebensvorstellungen gelassen Seine berufliche Laufbahn als Tischlermeister im väterlichen Möbelgeschaft in Innsbruck ließ ihm Zeit für Bildungsreisen und Auslandsaufenthalte und den Erwerb von Sprachkenntnissen. Nach seiner Dienstzeit als Kaiserjäger(1893) hielt er sich zwei Jahre in Pola auf. Mit dem Tod des Vaters und der Auflassung des Geschäftes endete seine glückliche Zeit. Melzer kehrte nach Innsbruck zurück und wurde ab 1895 Hilfsarbeiter. Beruflich unbelastet widmete er sich fortan seiner Leidenschaft nämlich dem Bergsteigen und der Gebirgsfotografie. Auf beiden Gebieten brachte er es zu Meisterehren. Von seinen zahlreichen Bergfahrten über die er auch in alpinen Blättern berichtete, seien die Kalkkögeltouren u.a. die Melzernadel (1894),die Bettelwurf- N-Wand mit M. Peer (1896), Neufahrten am Hochnissl und der Kaskarspitze (1898), der mittlere Grubreisenturm (“Melzerturm”) 1899 und der Nordgrat der Grubenkarspitze (1901) erwähnt. Seine Fotos belegen dass auch in anderen Gebieten wie z.B. in den Dolomiten war.
Niemand ahnte, dass das erfolgreiche Bergjahr 1901 sein letztes werden sollte. Im Oktober stieg er mit dem damals 20 jährigen Emil Spötl in die Nordwand der Praxmarerkarspitzen (2636 m) ein. Die föhnig warmen Herbsttage schienen ihnen für den Durchstieg der noch schneefreien Wandpartie besonders geeignet Es handelte sich nicht um die eigentliche Nordwand des Ost- bzw. Westgipfels - diese wurden erst 1931 bzw. 1935 von Auckenthaler mit Frenademetz bzw. Schmidhuber begangen -sondern um eine weiter östlich gelegene Wandstufe, die ungefähr dort beginnt wo der Zeigergrat an die Felsen stößt. Die beiden kamen gut voran. Dreiviertel der Wand lagen unter ihnen als unvermutet das Wetter umschlug und Schneefall einsetzte. Was dann geschah ist nie bekannt geworden. Wahrscheinlich ist Spötl abgestürzt und Melzer am Stand erfroren. Die Vermutung ihrer Innsbrucker Freunde über einen Unfall bestätigte sich erst nach Tagen. Darnals war das Gebirge einsam, die Zugänge mühsam, Scharnitz war weit und die Mittenwaldbahn noch nicht nicht gebaut. Jäger berichteten von wahrgenommenen Hilferufen. Die ausgesandte Rettungsexpedition fand Spötl zerschmettert, mit einem Seilrest um den Bauch am Fuß der Wand. Von Melzer war keine Spur zu bemerken der einsetzende Winter vereitelte weitere Bergungsversuche. Es mussten 11 Monate und 11 Tage vergehen bevor Melzer geborgen wurde. Am 18.August 1902 entdeckten K.Berger und K.Grissemann die Leiche im oberen Teil der schwer zugänglichen Felsen. Ein erster Bergungsversuch scheiterte. Wie es weiterging liest man in einer Notiz der Alpenvereinsmitteilungen 1902 S. 219. Sie ist ein Dokument der Bergrettung in vergangenen Zeiten: “Der Ausdauer des Bergführers Karl Santner und der Herren A.Pfannenschwarz und F.Präsehold gelang es die Leiche ins Tal zu bringen. 14 Tage hielten sich die Genannten auf dem Haller Anger auf, teils mit den Vorarbeiten zur Bergung beschäftigt teils durch schlechtes Wetter abgehalten. Da erkannt wurde, dass das Abseilen der Leiche durch den Kamin schwierig war, wurden 2x 12 m Strickleitem (50 kg ) und 150 m Seil in die Wand gebracht. Das große Gewicht des Materials lässt bei der Schwierigkeit des Terrains auf das außergewöhnlich mühselige und schwierige der Arbeit schließen. Die Bergung erfolgte dann am 16.September. Die 24 m lange Strickleiter wurde in den Kamin gelassen an dessen unterem Ausgang die Leiche lag. Bf. Santner kam zur Leiche die in eine Felsmulde eingeklemmt war. Er schlug die Leiche in Leinwand ein und ließ sie über die Wand. 20 m ober der Schuttreiße riss die Schnur, sodass die Leiche auf einem Band liegen blieb. Weiter gings zum Haller Anger und am nächsten Morgen auf den Zeigergrat. Die Leiche, die so lange in der Wand gelegen war, war für die lange Zeit verhältnismäßig gut erhaltenen. Am 18.September wurde sie zur Kastenalm gebracht und von hier mittels Wagen über Scharnitz und Seefeld nach Innsbruck gebracht."
Das Begräbnis fand unter großer Beteiligung m 19.September 1902 statt. Willi Seifert, der Vorstand der Bergsteigerriege des Innsbrucker Turnvereins, dessen Mitglied Melzer war, hielt die Grabrede. Den Sarg schmückte ein grüner Kranz aus Taxen, und Enzian, gepflückt unter der Praxmarerkar Nordwand die seither Melzerwand heißt.
Im Jahr 1903 wurde das Melzer-Spötl Denkmal am Suntiger eingeweiht, 1919 die alpine Gesellschaft Melzerknappen gegründet.
Die Erinnerung an die Bergtragödie der jungen Alpinisten wäre unvollständig wenn man nicht der Freunde gedächte, die dafür sorgten, dass beide unvergessen blieben. “In Melzer hat Innsbruck seinen erfahrendsten Bergsteiger verloren in Spötl seinen verwegendsten" urteilt einer von ihnen. Dr. Otto Ampferer, der später ein bedeutender Geologe wurde widmete Melzer in der Österreichischen Alpenzeitung einen langen und herzlichen Nachruf. Er war es auch, der die Bedeutung Melzers als Bergtotograf hervorhob. Zusammen mit Dr. Heinz v. Ficker dem damals bekannten Meteorologen in Wien und Berlin , veröffentlichte er 1902 das Prachtwerk “Aus Innsbrucks Bergwelt".Es enthält neben dem Text 88 Abbildungen aus Melzers Fotosammlung, die er mit der damals üblichen 13 x 18 Plattenkamera aufgenommen hatte.
Im Jahre 1903 illustrierte K.Berger seinen Kalkkögelaufsatz in der Alpenvereinszeitschrift mit Fotos von Melzer. Seine Schwester Tilde Melzer, die nach Verehelichung Sarley hieß, veranlasste ab 1904 die Herausgabe von Ansichtskarten, die als “Melzerkarten” großen Anklang fanden.
Wer glaubt dass diese Leistungen lange zurückliegen und längst vergessen sind, ist erstaunt, wenn er in einem neueren Artikel über Gebirgsfotografie (Tiroler Heimat,Bd.56,1992) nicht nur Bilder von Melzer findet sondern die Autorin S.E. Rieser, Melzer in eine Reihe mit so bekannten Alpinisten und Fotografen wie Vittorio Sella, Guido Rey, Fritz Benesch, Alfred Steinitzer und Luis Trenker stellt. So erweist sich die Hinterlassenschaft Melzers als ein bemerkenswertes Zeugnis der Innsbrucker Alpingeschichte an der Schwelle zum 20.Jahrhundert.

Herbert Kuntscher


Geboren am:
14.11.1869
Gestorben am:
07.10.1901

Erste Route-Begehung

 Gipfel
 Route
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen