Heß Heinrich

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Biografie:
Heinrich Heß.
Die S. Hannover hat durch ihren Vorstand, Prof. Dr. C. Arnold, unseren langjährigen und hochverdienten Schriftleiter Heinrich Heß verständigt, daß er wegen seiner unvergänglichen Verdienste um den Alpinismus und den D. u. Ö. Alpenverein zum Sektionsehrenmitglied ernannt wurde. Wir beglückwünschen unseren ehemaligen Schriftleiter zu dieser wohlverdienten Ehrung herzlichst.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1920, Seite 43

Heinrich Heß — Ein „goldener" Jubilar.
Mit inniger Anteilnahme las ich den Aussatz Walther Schmidkunz in Nr. 12 der „Mitteilungen". Aber ich traute meinen Auqen nicht, als ich auf S. 135, Zeile 4 v. o. die Behauptung aufgestellt fand, „daß bis heute von Heinrich Heß und seinem Wirken hier noch nie die Rede war".
Auf Zeile 20 v. o. ist der Ausdruck gebraucht, „daß die Mitteilungen das Echo aufnehmen, das von den Gesäusewänden widerhallt". Diese Fassungen lassen beim Leser den Eindruck aufkommen, als ob die Leitung des Alpenvereins den Tag ohne Sang und Klang hätte vorbeigehen lassen, als Heinrich Heß nach 31jähriger Tätigkeit seine Stelle als Schriftleiter niederlegte, und man erst jetzt, aufgescheucht durch die Freudenschüsse im Gesäuse sich der damaligen Versäumnisse bewußt geworden wäre. Wer sich nur der Mühe unterzieht, die „Mitteilungen" Nr. 9 vom Mai 1920 zur Hand zu nehmen, wird auf S. 21 einen mehrspaltigen Aufsatz aus meiner Feder finden, in dem ich mich bemühte, den Verdiensten meines hochverehrten Freundes Heß als Bergsteiger, alpiner Schriftsteller und besonders als Schriftleiter des D. u. O. Alpenvereins einigermaßen gerecht zu werden. Dem H.A. war es damals Herzensbedürfnis, dem unvergleichlichen Manne ein wenn auch noch so bescheidenes literarisches Denkmal setzen zu lassen.
Dr. Karl Blodig.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1926, Seite 155

Heirich Heß
Ein „goldener" Jubilar.
Der schönste Tag, den ein Mann feiernd begehen kann, ist der Erinnerungstag an jenen Anfang, der sein Werk einleitete und der durch die Vollendung dieses Werkes zum Gedenktag seines Lebens wird.
Ein halbes Jahrhundert ist dahingegangen, seit Heinrich Heß zum ersten Male seinen Fuß auf einen Berg der Ennstaler Alpen setzte. Am 11. Juni 1876 betrat er den stolzen Gipfel des „steirischen Matterhorns", den Reichenstein, begleitet von E. Gerstenberg und dem alten Spreiz, vulgo Krachler, der drei.Jahre vorher schon Prof. Frischauf und Hr. u. Juraschek, deren Sieg über den „unmöglichen" Reichenstein grundlos angezweifelt worden war, aus den Gipfel geführt hatte. Diese erste Heß'sche Unternehmung in den Ennstalern entbehrte nicht, wie Heß selbst erzählt, eines gewissen abenteuerlichen Anstrichs; denn erst um 2 Uhr mittags war man aufgebrochen und von den sechs Teilnehmern gaben — jeder vereinzelt und um einiges höher oben — vier den Anstieg auf, unter dem letzten vereisten und noch eingeschneiten Wandaufbau blieb auch Krachler zurück und erst bei einbrechender Nacht standen Heß und Gerstenberg auf dem Gipfel. Und im Abstieg in der lichtlosen Dunkelheit, der erst um 1 Uhr morgens auf der Flietzenalm endete, erhielt Heß in dem plötzlich losbrechenden Gewitter die alpine Feuertaufe.
Das war vor fünfzig Jahren der Anfang. Und kein schlechter: denn der Reichenstein ist auch heute immerhin eine „Nummer", und das Hochtor, das sich Heinrich Heß einige Wochen später, am 14. August, gleichfalls als Nachfolger von Frischauf und Juraschek, mit ein paar ebenfalls noch jungen Freunden eroberte, war auch gerade kein Kahlenberg; denn bei den wiederholten Ersteigungsversuchen war damals mehr als einer am höchsten Gipfel des Gesäuses abgeblitzt.
Heinrich Heß war um das Jahr 1876, als er zum ersten Mal „seine" Ennstaler aufsuchte, kein heuriger Has' mehr. Es scheint Bestimmung zu sein, daß Bergsteiger, die schon in sehr jungen Jahren dazu gekommen sind, Felsblut zu lecken, erst in sehr späten Jahren, wenn überhaupt, dieses „Blutlecken" aufgeben. Sicher ist, — -und ich hoffe es an Hand einer großen Anzahl von Beispielen demnächst an dieser Stelle beweisen zu können, daß derartige frühe alpine Eindrücke auf das empfängliche jugendliche Gemüt so nachhaltig wirken, daß eine große, unvergängliche alpine Liebe daraus erblüht.
Jedenfalls — Heinrich Heß, der sich am 29. Dezember 1857 in Wien als angehender Erdenpilger und zukünftiger alpiner Pionier mit einem etwas mißglückten Juhuschrei bei seinen Eltern gemeldet hatte, hat schon als zehnjähriger Bub Begleitung seines um 1 Jahr älteren Bruders seinen ersten Berg bestiegen — die Schneealpe (Windberg) in Obersteiermark wars, — dem im folgenden Jahr gleichfalls „führerlos" der Wiener Schneeberg und 1869 die Rax — deren Ersteigung damals auch auf den spärlichen „gebahnten" Wegen immerhin nichts Alltägliches war — folgten. 1873 steht er auf dem Ankogel und zwei Jahre später auf dem Kitzsteinhorn und dem Großvenediger. Im Jahr darauf verdient er sich mit der ersten Begehung der Oberen Bockkarscharte (Keilscharte, 3125 m) in der Glocknergruppe die alpinen Sporen.
Und im gleichen Jahr gerät er in den Bann der Ennstaler.
Er kam, sah, siegte — und liebte. Liebe auf den ersten Blick, wie mir scheint. Das Gesäuse hat es mit seinem Rauschen ihm angetan. Ist es nicht Heinrich Heß, der schrieb, daß „die bloße Erwähnung des Namens Gesäuse eine Reihe wunderbarer Bilder hervorzuzaubern vermag, Bilder von gewaltigen, kühn geformten Felsriesen, deren silberweiß erglänzende Leiber stolz in den blauen Äther aufstreben: von weitgedehnten, dunklen Forsten und lachend grünen Matten, die als lebendiger Teppich den Fuß jener hohen Gestalten umkleiden, und von einem rauschenden Fluß, der seine eilenden Wasser bald blaugrün spiegelnd in ruhiger Breite, bald in felsgedrängter Enge an mächtigen Steinkolossen zu Schaum und Gischt zerstäubend, dahinwälzt, daß das laute Rauschen und Brausen das Tal erfüllt." So hat mit schönen Worten unser lieber Meister seine Bergheimat gezeichnet.
Schnell erwarb sich Heß die Heimats- und Bürgerrechte in den Gesäusebergen. Den trutzigsten Gipfel — den Reichenstein — und den höchsten — das Hochtor (2365 m) — hatte er 1876 im ersten Anlauf genommen. Ein Jahr später durchkletterte er als erster die berühmt und berüchtigt gewordenen Nordwände, damals noch ein großes, ideales Problem und eine kühne Tat, zu denen ihm der Holzmeister Rodlauer den Schlüssel in die Hand gegeben hatte. Am 11. Juni war es, als er mit Rodlauer durch die wilden Abstürze auf dem Peternpfad empor zum Grat zwischen Planspitze und Roßkuppe stieg. Ein paar Wochen später wiederholt er mit Freunden- den Weg und betritt, zweifellos als erster Tourist, die Planspitze. Auch den „Wasserfallweg" fand Heß (mit Rodlauer und seinen Freunden Th. Hansen und C. Sperl) in jenen Tagen. Wissen die vielen Tausende, die diesen einzig schönen Weg, den später die „Ennstaler" ausbauten und versicherten (und zwar in einer vorbildlichen, der Natur angepaßten Weise) entzückt gewandelt sind oder über den Peternpfad zur lichten Höhe strebten, daß Heinrich Heß — der Mann der brav, und so bescheiden jahrelang die „Vereinsmitteilung" redigierte und „vom“ Schreibtisch aus Führerbücher verfaßte — daß dieser Mann ihnen diesen Weg erschlossen hat?
Ein sehr schöner Gipfelsieg war Heß noch im, gleichen Jahr (1877) über den Kleinen Buchstein, der noch lange nach Heß's Besteigung als - unerstiegen und „unersteiglich" galt, beschieden. Hochtor und Roßkuppe wurden 1884 zum ersten Mal von ihm von Norden her über den Roßkuppengrat erreicht. Auf dem Großen Ödstein stand Heß mit drei Freunden, ohne von der Route seines Vorgängers (Pöschl mit dem alten Kederbacher) Kenntnis zu haben, im Juni 1881 als Zweiter. Es ist unmöglich, all die neuen Touren und vor allem die vielen Zweit- und Drittbegehungen, die Heinrich Heß in diesem Gebiet durchgeführt hat — es ist eine stattliche Reihe - aufzuzählen. Wir müssen uns hier mit ein paar Hinweisen begnügen: Gr. Buchstein (direkt über die Gipfelwand - 1884), Sparafeld (von Norden, allein, 1885), Hochtausing (1. Erst. 1884), Versuch auf die Nordwand des Reichenstein (1885 ebenfalls allein Steinschläge, die ihn trafen, zwangen ihn zur Umkehr), Bosruck (1890, neuer Weg) usw.
Eine besonders hervorzuhebende Tour war die große Gratwanderung über, sämtliche Gipfel des Hallermauerngrates, vom Scheiblingstein bis zum Natternriegel, die Heß 1885 allein — von Admont bis Admont in 14 1/2 Stunden — durchführte; seine eigene Leistung übertraf er 7 Jahre später dadurch, daß er diese Höhenwanderung wiederholte und sie noch bis zum Großen Pyhrgas ausdehnte, eine Vielgipfelfahrt, die in 22 ½ Stunden, diesmal mit zwei Begleitern, am 15. August glücklich absolviert wurde.
Und daneben beging Heß fleißig auch all die übrigen Wege und Routen in den Ennstaler Bergen, um sein Wissen in dem gediegenen „Gesäuseführer" niederzulegen (1884).
Aber Heinrich Heß blieb nicht an der Ennstaler Scholle kleben. Im Umlauf der Jahre hat er in systematischer Programmstellung wohl sämtliche Gruppen der Ostalpen kennen gelernt, nicht nur auf alljährlichen Ferienreisen, sondern auch

Geboren am:
29.12.1857
Gestorben am:
12.08.1946

Erste Route-Begehung

 Gipfel
 Route
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