Greenitz Karl

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Biografie:
Karl Greenitz
„Lebensbergsteiger“ wollte er sein und war es auch bis zu seinem jähen Ende im Dienste dieser Idee! Er prägte diese Definition vom Lebensbergsteiger und sah in ihm einen zeitlebens den Bergen Verfallenen, der von dem Augenblick an, da er zu den Bergen fand, ihnen ergeben bleibt bis zu seinem Verlöschen. So ging Greenitz seinen Weg als aufrechter Mensch, ein Feind jeglicher Sensation, stets mit vornehmer Zurück-haltung aus der Sturm-und-Drang-Zeit seiner Jugend über die Lebensreife bis zur Abgeklärtheit des Alters, immer dienend, immer bauend an der großen Gemeinschaft aller Berggeher. Um die Jahrhundertwende war er in den Kreis der damalig besten Führerlosen, wie Wolf Glanvell, Weitzenböck, Stopper, König, Petritsch u. a., getreten, die sich in der „Gilde vom groben Kletterschuh" zusammengefunden hatten. Am 7. Oktober 1901 wurde er in den ÖAK aufgenommen, und die Zeit seiner größten Aktivität ragt noch in die Epoche der klassischen Ostalpenerschließung hinein.
So vollführte er auf dem wegen seines unvermittelten Auftürmens fälschlich als „Mons Styriae altissimus" bezeichneten Grimming Erstbegehungen. Ein durch die Plattenpanzer der Trisselwand gefundener Weg gibt ebenso Zeugnis seines bergsteigerischen Könnens. Auch sein Felsgang in der Südseite des Großen Festlbeilsteins, mit Ausstieg über die Turmwand der Nordseite dieses Berges, hat ihm in seinem Lieblingsgebiet, dem Hochschwab, ein Denkmal gesetzt.
Seine sonstigen zahlreichen Bergfahrten aufzuzählen würde den Rahmen dieses Nachrufes übersteigen. Jedenfalls zeigt, aus diesen herausgegriffen, die Erkletterung der Hochtor-Nordwand über den Pfannl-Maischberger-Weg und die der Marmolata-Südwand, die bis 1910 als schwierigste Felstour galt, den damaligen Meister im Fels.
Alpin schriftstellerisch betätigte sich Greenitz u. a. mit drei Abhandlungen in der ÖAZ Nr. 665, 769 und 914.
Durch eine Reihe von Jahren war er Obmann des Vereines Turner-Bergsteiger Graz, der aus der seinerzeitigen „Gilde vom groben Kletterschuh" hervorgegangen war, und 18 Jahre lang der Vorsitzende der Sektion Graz des DuÖAV. In dieser Zeit nahm er regen Anteil an dem Wiederaufbau des Alpinen Rettungswesens in der Steiermark, welche Organisation nach dem ersten Weltkrieg arg darniederlag.
In seiner nahezu zwei Dezennien währenden Sektionsvorstandszeit war nebst den üblichen organisatorischen Arbeiten sein Hauptaugenmerk auf den Auf- und Ausbau der Sektionsbibliothek gerichtet. Er schuf eine umfassende Bücherei, die einen Vergleich mit weit größeren Sektionen keineswegs zu scheuen brauchte. Als Bergsteiger strenger Richtung, der er immer blieb, fand er in dem Aufbau und in der Betreuung einer leistungsfähigen Jungmannschaft seine größte Freude. Dieses Werk war ihm im vollen Maße gelungen, wovon die von ihr ausgeführten schwierigen und schwierigsten Touren Zeugnis gaben, ganz abgesehen von dem einmaligen Korpsgeist, der diese auf Gedeih und Verderb zusammengeschweißte Kameradschaft beseelte. Es war eine aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammengesetzte Gemeinschaft, die sich bis zur gegenseitigen Aufopferung im Frieden und im Krieg als unerschütterlich bewies.
Pädagog von Beruf, war er hiezu nicht nur befähigt, sondern direkt berufen. Zu einer Zeit, da es noch die größte Sorge der Eltern und Erzieher war, ihre anvertrauten Schützlinge vor einem Schnupfen zu bewahren, wies er seinen Schülern klar den Weg zur Naturverbundenheit und Ertüchtigung des Leibes und des Charakters. Anerkannt, wenn auch erst später, wurde seine Arbeit durch das Aufrücken in die Stellung eines Schuldirektors und seine Ernennung zum Schulrat.
Mit Schulrat Dir. Karl Greenitz ist eine Persönlichkeit von uns gegangen, die ihren Zeitgenossen mehr gegeben als von ihnen empfangen hat.
Jeder, der einst sein Tourengefährte sein konnte, wird stolz darauf sein und mit Achtung an ihn denken.
Franz Ferdinand Hussar
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1956, Folge 1288, Seite 129-130



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