Flaig Walther

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Biografie:
geboren in Aalen (Deutschland)
gestorben in Bludenz (Österreich)

Walther Flaig zum Fünfzigsten.
Geboren am 16. August 1893 in Aalen in Württemberg, lebt der bekannte alpine Schriftsteller derzeit in Bludenz in Vorarlberg und befindet sich gegenwärtig als Hauptmann bei der Mehrmacht in Salzburg. Von Haus aus Diplomlandwirt, hat er sich im Lauf der Jahre zum talentvollen freien Schriftsteller entwickelt. Bergsteigen, Skilauf, Volks- und Naturkunde der Alpen, sowie alpine Malerei ist die bevorzugte Domäne seines schriftstellerischen Schaffens. Er ist selbst tüchtiger ausübender Bergsteiger in Fels und Eis und hat Jahre hindurch derartige Ausbildungskurse für den Alpenverein mit Erfolg geleitet. Flaig ist einer unserer besten Rhätikon-, Silvretta- und Berninakenner — Vorarlberg ist ihm zur zweiten Heimat geworden — , was in den verschiedensten Werken seiner Feder zum Ausdruck kommt. So im Silvrettabuch, das 1940 bei der rührigen „Gesellschaft alpiner Bücherfreunde" erschien und das touristisch wie volkskundlich eine beachtliche Leistung darstellt. Bekannt und beliebt sind auch seine Führer für Silvettra und Rhätikon, sowie sein ausgezeichnetes Rhätikonbuch, das er1928unterdem Titel „Burgen ander Grenze" erscheinen ließ. Flaig, der selber ein guter Skifahrer ist, schrieb außerdem zwei sehr bekannt gewordene Bücher über Lahnen (1935) und über Gletscher (1938). Als solcher kennt und liebt er natürlich auch den Arlberg und wirbt frühzeitig für seine Schönheiten. Wir verdanken ihm auch einen verlässigen Skiführer über die Silvrettagruppe und das Rhätikon. Seine „Skiparadiese der Schweiz" bilden einen wertvollen Bestandteil der 1931 bei Bruckmann erschienenen „Ski-Paradiese der Alpen". Das berühmte Buch von Fendrich „Der Skiläufer" hat er durch eine Neuauflage der Vergessenheit entrissen, und mit dem „Lawinenfranzjosef" bescherte er der „Gesellschaft alpiner Bücherfreunde" 1941 eine gründliche und witzige Chronik der Lahnen-Unfälle vom frühen Mittelalter bis in unsere Tage. Auch der Tier- und Pflanzenwelt der Alpen hat er viele verständnisvolle Betrachtungen gewidmet, und die alpine Malerei verdankt ihm manch feinsinnige Schilderung.
Dr. H. B.
Quelle: Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins 1943 - vereint mit der Bergsteiger, Seite 3-4

Walther Flaig 60 Jahre.
Walther Flaig, Schriftleiter der vom ÖAV herausgegebenen Monatsschrift „Berge und Heimat", ist ein „Sechziger" geworden! Er widmete sein Leben den Bergen und sein halbes der Bergschriftstellerei, aus der er nicht wegzudenken ist. Von seinen größeren Werken sei hier nur an sein „Silvrettabuch", an das „Gletscherbuch" und an sein Buch über „Lawinen" erinnert. In seinen Büchern und Aufsätzen gelingt es Flaig stets Wissen und Erfahrung sowie den Abglanz des eigenen Erlebnisses in beherrschte sprachliche Form zu bringen. Sehr verdienstvoll ist Flaigs „Führer"-Schaffen, besonders soweit es die Gebiete seiner Wahlheimat betrifft:
Rätikon — Silvretta. Als Bergsteiger hat er besonders in diesem westlichen Teil der Ostalpen Erschließerarbeit leisten können.
Walther Flaig wurde am 16. August 1893 in Aalen (Württemberg) geboren. Seit 1939 lebt er in Bludenz. Die „Mitteilungen des DAV" wünschen dem Bergsteiger und Schriftsteller Walther Flaig noch viele erlebnisreiche Jahre und Erfolg mit der Feder.
Quelle: Mitteilungen des DAV 1953, Heft 9, Seite 144-145

Quelle: Berge und Heimat 1953, Seite 314 f

Ehrung für Walther Flaig
Die Sektion Wiesbaden des DAV ernannte in ihrer Jahreshauptversammlung am 23. Februar den Schriftsteller Walther Flaig einstimmig zum Ehrenmitglied. Sie dankt damit W. Flaig für die außerordentlichen Verdienste, die er sich uni die Silvretta erworben hat, deren Kernstück das Wiesbadener Arbeitsgebiet bildet. Flaigs im Vorjahr erschienener Silvretta-Führer gilt im Aufbau wie in seiner Gründlichkeit und Zuverlässigkeit heute als Vorbild eines Alpenvereinsführers. über sein allgemeines Wirken hinaus hat Walther Flaig der Sektion Wiesbaden in ihrem Arbeitsgebiet mit Rat und Tat durch seine hervorragende Sachkunde wertvolle Mithilfe geleistet.
Quelle: Der Bergkamerad 1958/59, Seite 430

Walther Flaig ein Siebziger!
Im August konnte Walther Flaig, langjähriger Kursleiter im Alpenverein, Verfasser ausgezeichneter Führerwerke, Bergschriftsteller, Schriftleiter von „Berge und Heimat", seinen 70, Geburtstag feiern. Wer die letzten Bücher des Jubilars kennt — sie wurden im „Bergsteiger" besprochen — weiß, dass das Wort von „geistiger und körperlicher Rüstigkeit" bei Walther Flaig voll und ganz am Platze ist. Ad multos annos!
Quelle: Der Bergsteiger 1963/64, Heft 1, Seite 80

Walther und Hermine Flaig geehrt
In Anerkennung und Würdigung ihrer großen Verdienste um Vorarlberg überreichte Landeshauptmann Dr. Kessler Schriftsteller Walther Flaig und seiner Gemahlin Hermine die ihnen von der Vorarlberger Landesregierung verliehenen „Ehrengaben für Kunst und Wissenschaft". Dabei wurden die großen Verdienste hervorgehoben, die sich die Geehrten um die Erschließung der Vorarlberger Alpen in vielen alpinen und landeskundlichen Schriften und in zahllosen Vorträgen erworben haben.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1966, Heft 5/6, Seite 70

Glückwunsch für Walther Flaig
Am 16. August 1968 weilen die „Mitteilungen" und ihre Leser bei Ihnen, verehrter Herr Flaig, in Bludenz, um Ihnen zu Ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag herzlich zu gratulieren. Sie haben eine fast fünfzigjährige Schaffensperiode dem Lobpreis der Bergwelt gewidmet. Ungezählt ist die Fülle alpinliterarischer Aufsätze aus Ihrer Feder, unter Ihren Bergbüchern seien nur „Das Silvrettabuch" und ,,Bernina — Festsaal der Alpen" genannt. Ihre Führerwerke, darunter die Alpenvereinsführer Band Silvretta und Band Rätikon, sind an sorgfältiger Ausarbeitung nicht überbietbar. In unzähligen Vorträgen mit Lichtbildern haben Sie im ganzen deutschen Sprachraum durch Jahrzehnte hindurch für das Bergsteigen, und besonders für das Bergsteigen in den Ostalpen, geworben. Auch viel unmittelbare Arbeit haben Sie für den Alpenverein geleistet, sei es als Begründer und Leiter der „Lehrwartkurse in Eis und Urgestein", als Hauptausschußmitglied, als Vorsitzender der Sektion Vorarlberg, als deren Wegwart, als Mitarbeiter an den Mitteilungen und an der Zeitschrift bzw. dem Jahrbuch und als Schriftleiter der Monatsschrift „Berge und Heimat". Das alles ist nur eine bescheidene Auswahl aus ihrem Lebenswerk, sowohl aus dem schriftstellerischen wie aus dem für den Alpenverein. Wir müßten noch so viel aufzählen: die Mitarbeit an der Alpenskala, die Ausarbeitung von Grundsätzen für Alpenvereinsführer u. Markierung, das Lawinenbuch usw., daß wir damit nicht fertig würden. Es ist auch nicht so wichtig, alles ganz genau zu registrieren. Viel wichtiger ist, zu wissen, daß Sie noch immer rastlos tätig sind, an einem neuen Führerwerk über ,,Bregenzerwald und Lechquellengebirge" arbeiten und daneben auch die häufigen Neuauflagen Ihrer anderen Werke betreuen. Ja, und da haben wir soviel von Ihrer Arbeit gesprochen, daß wir darüber beinahe vergessen hätten, wo der Quell für so viel Schaffenskraft entspringt: Die Berge sind es, die Ihnen allezeit Motive lieferten und die Kraft, diese zu verarbeiten. Neben einer ausgedehnten Kenntnis der Alpen, die Sie auf normalen Wegen erworben haben, haben Sie auch fast ein halbes Hundert neuer Wege eröffnet, darunter solche, die nicht allzuoft wiederholt werden. Wesentlicher aber ist, daß Sie bis in Ihr hohes Alter noch bergsteigen und wandern und so das Bergerleben immer frisch erhalten. Und an dieser Stelle möge der Glückwunsch zu Ihrem hohen Geburtstage wirksam werden. Ihre Berge mögen Ihnen noch lange die Kraft zu weiterem Erleben schenken, das sie dank Ihrer begnadeten Feder allen Bergsteigern weiterzugeben verstehen. Der Glückwunsch sei verbunden mit einem Dank an die Sie umsorgende Gattin. Mit einem herzlichen Bergheil !
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1968, Heft 7/8, Seite 102

Quelle: Der Bergsteiger 1968, Seite 630 f

Wir gratulieren zum 75. Geburtstag dem bekannten Alpenschriftsteller und Vortragsredner Walther Flaig, dem Miterschließer von Ferwall und Silvretta;
Quelle: Mitteilungen des DAV 1968, Heft 4, Seite 138

Walther Flaig, dem bekannten Bergsteiger und Alpenschriftsteller, dessen Leistungen und Bedeutung für den Alpinismus wir zur Vollendung seines 75. Lebensjahres im Heft 7/8 1968 unserer „Mitteilungen" ausführlich würdigten, wurde nun auch die Ehrenmitgliedschaft der Sektion „Hohenstaufen" des DAV in Göppingen verliehen.
S. W.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1969, Heft 1/2, Seite 18

Alpinschriftsteller Walther Flaig (+)
Kurz nach Vollendung seines 79. Lebensjahres starb am 21. August d. J. der bekannte Alpinist und Alpinautor Dipl.-agr. Walther Flaig. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Gattin und Mitarbeiterin
Hermine Flaig und seinen beiden Kindern.
Die alpine Welt verliert in Walther Flaig einen bahnbrechenden, stets jugendlich agierenden Literaten, der sich größte Verdienste hinsichtlich der Authentizität und Sachlichkeit der von ihm behandelten Stoffe erwarb. Wir werden im kommenden Heft von Walther Flaig Abschied nehmen.
Die Schriftleitung
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1972, Heft 9-10, Seite 148

Walther Flaig zum Gedenken!
Sehr geehrter, lieber Herr Flaig,
ein letztes Mal darf ich Sie so ansprechen, wie ich es all die vielen Jahre hindurch getan habe, da ich oft mit meinen Fragen zu Ihnen kam und immer ein offenes Herz fand, allezeit bereit aus dem schier unerschöpflichen Schatz alpinen Wissens, bergsteigerischer und schriftstellerischer Erfahrung mitzuteilen, zu raten und zu helfen. Und nun hat dieses Herz am 20. August wenige Tage nach dem 79. Geburtstag zu schlagen aufgehört. Die Stimme ist erloschen, die unermüdlich den Lobpreis der Berge kündete. Sie hatten es sich zur Aufgabe Ihres Lebens gemacht die Kenntnis der Alpen, der Ostalpen vor allem, in Wort und Schrift in ungezählten Vorträgen, in Aufsätzen und Büchern zu verbreiten, wie es das oberste Ziel unseres Alpenvereins seit seiner Gründung ist Und Sie waren allezeit einer der Besten und der Getreuesten unserer Gemeinschaft! Mehr denn ein halbes Jahrhundert lang Mitglied, haben Sie von Anfang an den Alpenverein nicht als Einrichtung betrachtet die nur zum Geben da ist sondern immer tätig in ihm mitgearbeitet ... nicht nur an seinen Veröffentlichungen, sei es als Verfasser oder als Schriftleiter. Das war für Sie beinahe selbstverständlich. Es ist aber fast unmöglich, all die anderen Tätigkeiten zu benennen, die der Alpenverein aus Ihrer Hand empfangen hat sei es als Mitglied des Hauptausschusses, als Leiter der von Ihnen begründeten „Lehrwartkurse in Eis und Urgestein", als Wegwart Ihres Zweigvereines, als Naturschutzbeauftragter und noch vieles andere. Und all das haben Sie mit Ausdauer, Zähigkeit und gründlichem Reiße getan. Gewiß, vieles davon war Auftrag der Stunde, ist vergangen wie diese. Wesentlich ist. daß Sie sich auch diesen kleinen Arbeiten gewidmet haben, von denen man nur selten noch spricht wenn sie getan sind, auch wenn sie dann einmal viel später in Ehrenmitgliedschaften sichtbar geworden sind.
Unvergänglich und unvergeßbar ist hingegen Ihre schriftstellerische Leistung. Das große Werk der „Alpenvereinsführer" ist aus den von Ihnen gegebenen Beispielen gewachsen, die bereits viele Auflagen erreicht haben und die erst in den letzten Jahren durch den unerreicht gründlichen Band „Bregenzerwald- und Lechquellengebirge" gekrönt worden sind. Sie haben eine begnadete Feder geführt die all die herbe Schönheit der Gebirgsnatur, die Sie geschaut und erlebt auch anderen Menschen zugänglich machen konnte und ihnen das Herz für das Bergland aufschloß. Und wenn ich aus Ihrem so umfangreichen Schaffen nur zwei Werke nenne, das „Silvrettabuch" und „Bernina, Festsaal der Alpen", dann tue ich es in der Überzeugung, das nie Schöneres über diese Berge geschrieben worden ist Man spürt beim Lesen, wie Sie es mir als Widmung ins „Berninabuch" geschrieben haben". ... das Herz, das aus den Zeilen schlägt und süß die Last „Erinnerung“ trägt ...". Wenn ich eines dieser Bücher aus dem Schrank nehme und darin blättere, dann weiß ich, daß nur was sterblich an Ihnen war, an jenem 20. August von uns gegangen ist Ihr Geist aber lebt in Ihrem Werke fort!
Ich bin sehr dankbar, daß ich Ihnen im Namen unserer großen Alpenvereinsfamilie diese Zeilen schreiben darf, voll von Traurigkeit aber auch voll der Gewißheit daß Sie für alle Ihre Freunde in den Garten der Erinnerung eingetreten sind, in dem immer Sommer ist!
Ihr Emil Hensler
Walther Flaig wurde am 16. August 1893 in Aalen/Wttbg. geboren. Artillerieoffizier im 1. Weltkrieg,
Dipl.-Landwirt, dann wieder Soldat im 2. Weltkrieg und immer Bergsteiger, Berg-Schriftsteller, extremer Eis- und Felsgeher. Über 50 Erstersteigungen konnte Flaig in der Silvretta und dem Rätikon auf sein Konto buchen.
Auf ebenso einsamer Höhe wie die Führerwerke, waren seine Kenntnisse alpiner Geographie. Geschichte und Literatur. Eine Vielzahl von Plänen, mehrere Werke, die in Arbeit waren, bleiben nun Torso.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1972, Heft 11/12, Seite 170

Walther Flaig,
einer der profiliertesten Bergschriftsteller und Bergsteiger, ist vier Tage vor seinem 80. Geburtstag am 20. August in seinem Heim in Bludenz an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. »Wenn ich einen Grat sah, so mußte ich hinauf, um zu entdecken, was jenseits ist«, sagte Walther Flaig noch wenige Wochen vor seinem Tod — ein Bekenntnis zu den Bergen, das sein ganzes Wesen gekennzeichnet hat. Wissens- und Forscherdrang prägte dieses Leben.
Im Laufe einer 50jährigen Tätigkeit als alpiner Schriftsteller verfaßte er Tausende von Beiträgen über alpine Themen. Das große Verdienst Walther Flaigs sind seine Führerwerke, die, beispielhaft präzis in Wort und Bild, zu Meilensteinen der alpinen Führerliteratur wurden. Auf einsamer Höhe waren seine Kenntnisse in alpiner Geographie, Geschichte und Literatur, resultierend aus seiner Liebe zu den Bergen, ihrer Tier- und Pflanzenwelt und nicht zuletzt der Menschen, die dort wohnen. Wenn sich auch seine schriftstellerische Tätigkeit auf die Berninagruppe und die Alpenwelt Vorarlbergs konzentrierte, so ließ er es nie beim Spezialistentum bewenden. Als Verfasser der Werke »Lawinen« und »Das Gletscherbuch« beschritt er neue Wege im Bestreben, dem Leser ein Sachgebiet zwar wissenschaftlich fundiert, aber lebendig geschrieben nahezubringen.
Seine Berufung sah Walther Flaig wohl darin, den Menschen die Berge näherzubringen. Als er in den letzten Jahren auch die Schattenseiten der Entwicklung im Fremdenverkehr erkannte, war er ein unermüdlicher Naturschützer. Es lag in der Natur seiner Persönlichkeit, daß er als Warner und Rufer seine Welt — das Reservat der Berge — angesichts ihrer wahrhaft tödlichen Bedrohung wie eine Zitadelle verteidigte. Einen bedeutenden Anteil seiner Schaffenskraft schenkte er den Bergsteigern durch seine Arbeit in alpinen Vereinen und Verbänden — er war Ehrenmitglied mehrerer AV-Sektionen — und als Autor sämtlicher alpiner Zeitschriften. In den fünfziger Jahren war er Redakteur der Zeitschrift des Österreichischen Alpenvereins »Berge und Heimat« (die später mit der im Verlag Bruckmann, München, erscheinenden Zeitschrift »Der Bergsteiger« fusioniert wurde). »Der Bergsteiger« verliert in Walther Flaig einen seiner besten Mitarbeiter.
Über zweitausend Gipfel hat Walther Flaig in einem langen Bergsteigerleben in den Alpen bestiegen. Über fünfzig Erstersteigungen gelangen ihm in der Silvretta und im Rätikon. Die schwierigste davon, die Nordwand des Piz Linard, schaffte er auf den Tag genau vor fünfzig Jahren, als er im Friedhof zu Bludenz zur letzten Ruhe gebettet wurde.
Quelle: Der Bergsteiger 1972, Heft 10, Seite 632

Quelle: Mitteilungen des DAV 1972, Seite 226
Quelle: Der Bergkamerad 1972, Heft 9, Seite 40
Quelle: Alpinismus 1972, Heft 11, Seite 19

Walther Flaig zum Gedenken!
Sehr geehrter, lieber Herr Flaig,
ein letztes Mal darf ich Sie so ansprechen, wie ich es all die vielen Jahre hindurch getan habe, da ich oft mit meinen Fragen zu Ihnen kam und immer ein offenes Herz fand, allezeit bereit aus dem schier unerschöpflichen Schatz alpinen Wissens, bergsteigerischer und schriftstellerischer Erfahrung mitzuteilen, zu raten und zu helfen. Und nun hat dieses Herz am 20. August wenige Tage nach dem 79. Geburtstag zu schlagen aufgehört. Die Stimme ist erloschen, die unermüdlich den Lobpreis der Berge kündete. Sie hatten es sich zur Aufgabe Ihres Lebens gemacht die Kenntnis der Alpen, der Ostalpen vor allem, in Wort und Schrift in ungezählten Vorträgen, in Aufsätzen und Büchern zu verbreiten, wie es das oberste Ziel unseres Alpenvereins seit seiner Gründung ist Und Sie waren allezeit einer der Besten und der Getreuesten unserer Gemeinschaft ! Mehr denn ein halbes Jahrhundert lang Mitglied, haben Sie von Anfang an den Alpenverein nicht als Einrichtung betrachtet die nur zum Geben da ist sondern immer tätig in ihm mitgearbeitet ... nicht nur an seinen Veröffentlichungen, sei es als Verfasser oder als Schriftleiter. Das war für Sie beinahe selbstverständlich. Es ist aber fast unmöglich, alt die anderen Tätigkeiten zu benennen, die der Alpenverein aus Ihrer Hand empfangen hat sei es als Mitglied des Hauptausschusses, als Leiter der von Ihnen begründeten „Lehrwartkurse in Eis und Urgestein", als Wegwart Ihres Zweigvereines, als Naturschutzbeauftragter und noch vieles andere. Und all das haben Sie mit Ausdauer, Zähigkeit und gründlichem Reiße getan. Gewiß, vieles davon war Auftrag der Stunde, ist vergangen wie diese. Wesentlich ist, daß Sie sich auch diesen kleinen Arbeiten gewidmet haben, von denen man nur selten noch spricht wenn sie getan sind, auch wenn sie dann
einmal viel später in Ehrenmitgliedschaften sichtbar geworden sind. Unvergänglich und unvergeßbar ist hingegen Ihre schriftstellerische Leistung. Das große Werk der „Alpenvereinsführer" ist aus den von Ihnen gegebenen Beispielen gewachsen, die bereits viele Auflagen erreicht haben und die erst in den letzten Jahren durch den unerreicht gründlichen Band „Bregenzerwald- und Lechquellengebirge" gekrönt worden sind. Sie haben eine begnadete Feder geführt die all die herbe Schönheit der Gebirgsnatur, die Sie geschaut und erlebt auch anderen Menschen zugänglich machen konnte und ihnen das Herz für das Bergland aufschloß. Und wenn ich aus Ihrem so umfangreichen Schaffen nur zwei Werke nenne, das „Silvrettabuch" und „Bernina, Festsaal der Alpen", dann tue ich es in der Oberzeugung, daß nie Schöneres über diese Berge geschrieben worden ist Man spürt beim Lesen, wie Sie es mir als Widmung ins „Berninabuch" geschrieben haben". ... das Herz, das aus den Zeilen schlägt und süß die Last .Erinnerung' trägt ...". Wenn ich eines dieser Bücher aus dem Schrank nehme und darin blättere, dann weiß ich, daß nur was sterblich an Ihnen war, an jenem 20. August von uns gegangen ist Ihr Geist aber lebt in Ihrem Werke fort!
Ich bin sehr dankbar, daß ich Ihnen im Namen unserer großen Alpenvereinsfamilie diese Zeilen schreiben darf, voll von Traurigkeit aber auch voll der Gewißheit daß Sie für alle Ihre Freunde in den Garten der Erinnerung eingetreten sind, in dem immer Sommer ist !
Ihr Emil Hensler

Walther Flaig wurde am 16. August 1893 in Aalen/Wttbg. geboren. Artillerieoffizier im 1. Weltkrieg.
Dipl.-Landwirt, dann wieder Soldat im 2. Weltkrieg und immer Bergsteiger, Berg-Schriftsteller, extremer Eis- und Felsgeher. Über 50 Erstersteigungen konnte Flaig in der Sitvretta und dem Rätikon auf sein Konto buchen. Auf ebenso einsamer Höhe wie die Führerwerke, waren seine Kenntnisse alpiner Geographie. Geschichte und Literatur. Eine Vielzahl von Plänen, mehrere Werke, die in Arbeit waren, bleiben nun Torso.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1972, Heft 11/12, Seite 170

Walther Flaig
16. August 1893 — (+) 20. August 1972
Am 20. August 1972, um die Mittagszeit, saß ich im hintersten Fextal, an der sonnenwarmen Wand der alten Almhütte, ganz versunken im Schauen all der sonnenhellen und himmelblauen Herrlichkeit des Talschlusses. Nichts störte die große Stille; kein Wehen des Windes, keine Menschenstimme, kein Glockengeläute einer weidenden Herde; das ferne Rauschen des Gletscherbaches aber machte diese göttliche Stille fast greifbar. War es da ein Wunder, daß sich Herz und Geist, losgelöst von allen Hindernissen, mit dieser Stille und der leuchtenden Schönheit ringsum vermählten und ungerufen Gestalten vergangener Zeiten lebendig wurden? Vor wenigen Tagen stand ich in Sils Maria im Zimmer Nietzsches; nun stiegen die wunderbaren Gedanken und Lieder seines Zarathustras aus der Tiefe der Seele; und wenig später war ich beim Grab Segantinis, und aus dem zauberhaften Licht, das mich umgab, lösten sich sachte seine Bilder: Werden — Sein — Vergehen. Und dann kam der Gedenkstein im Kirchlein von Fex-Crasta für Christian Klucker, dem Lehrer, Posthalter und berühmten Bergführer. Alle kamen sie, alle gingen sie wieder, alle erlebte ich im „Festsaal der Alpe n". Und da war ich jetzt beim letzten, großen Wanderer angekommen, bei unserem lieben Walther Flaig, der einst jeden dieser strahlenden Gipfel bestiegen hat und über sie in seinem Berninabuch den großen Hymnus sang. Wie sich da alles so wunderbar fügte, eines mit dem anderen verwebte, sich löste, als Einzelnes, Großes wieder vor mir stand, um dann geisterhaft unterzutauchen in die Tiefen des eigenen Ichs; da war viel Freude und Glück in mir. Aber zog da nicht soeben ein zarter Wolkenstreifen an der hellen Sonne vorbei? Ich blickte auf; nein, hell und klar leuchteten die Berge, wolkenlos war des Himmels blauer „Lichtabgrund"; wie wunderbar! Ein Tag des „jauchzenden Lebens", ferne von jedem trüben Gedanken; und doch — an demselben gottvollen Tag starb, ferne in Bludenz, unser lieber Walther Flaig. Ob ihn meine Gedanken noch erreichten? Wer weiß, welche Fäden sich sachte spinnen zwischen hüben und drüben? Wir wissen es nicht, aber der Glaube kann Berge versetzen.
Walther Flaig war Diplom-Landwirt, wurde im Ersten Weltkrieg als Offizier im Westen schwer verwundet, und war dann fast ausschließlich Bergsteiger und Alpen-Schriftsteller; als solcher vor allem unermüdlich schaffender Verfasser zahlreicher hervorragender hochalpiner Führerwerke und alpin-wissenschaftlicher Schriften. Eine eingehende Würdigung aller seiner Werke und Taten, über die unser Klubkamerad Hans Ender in Götzis viel Stoff gesammelt hat, bleibe einem späteren Biographen Flaigs vorbehalten. Wir Bergsteiger kennen ihn und haben ihn zu allen Zeiten hoch geschätzt. Und der „Mensch" Flaig? Wer es versteht zwischen den Zeilen seiner Betrachtungen zu lesen, dem wird aus ihnen auch ein Stück seines Wesens erwachsen sein. Freilich, Flaig hatte seinen eigenen Willen, war scheinbar hart und unbeugsam, aber gerade aus diesen Charaktermerkmalen scheinen mir sein gesunder Menschenverstand, seine Aufrichtigkeit, Genauigkeit und Gründlichkeit zu kommen. Die humorvolle Seite seines Wesens zeigt sich in dem köstlichen Vorspruch in seinem Silvrettabuch, den er im Anschluß an einen Vers aus Mumelters Schifibel schrieb:
Als der „Häuptling" aller Trödler schenk ich Euch, Ihr Eigenbrötler, dieses Buch zum Angebinde. Wer sich besser fühlt, der winde — stolzer Held in Wellblechhosen -selber sich aus Alpenrosen einen Kranz um seine Birne. ¬Uns genügt der Glanz der Firne! Kein Orden zieret uns're Röcke: Wir bleiben „finst're Alpenböcke".
Wir aber, alle, seine Klub- und Sektionskameraden, wollen dem Heimgekehrten in unserem Herzen ein Denkmal der Liebe, Treue und Achtung aufrichten, das bleiben mag, bis wir selbst den Weg allen Lebens gehen müssen und zurückkehren zur Mutter Erde, die mit ihrer „heiligen Bergwelt" so viel Glück unserem kurzen Leben schenken kann.
Walther
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1973, März/April, Folge 1388, Seite 54

Quelle: Bergwelt 1974, Heft 8, Seite 52
Quelle: Mitteilungen des DAV 1982, Seite 17 und 53

Walther Flaig
Vita *16. 8. 1893 Aalen (Württemberg), (+) 20. 8. 1972 Bludenz (Vorarlberg); Schul-, Jugend- und Militärzeit in Stuttgart, Studium an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim (1921 Dipl.-agr.), Redakteur der Zeitschrift Kosmos (1921-1923); 1922 Heirat mit der Montafonerin Hermine Rüdisser, Tochter Grittli (1923), Sohn Günther (1926); freier Schriftsteller auf Tschengla bei Bludenz, in Gar-gellen, Klosters, Vaduz, ab 1939 in Bludenz.
Chronik Walther Flaig war ein klassischer Allroundbergsteiger, Ski- und Winteralpinist, dem über 50 Erstbegehungen geglückt waren, vor allem in den Berggruppen seiner Wahlheimat, Silvretta, Rätikon, Lechquellengebirge, Lechtaler Alpen, u. a. Nordwände von Verstanklahorn und Piz Linard (Silvretta), die vielleicht schönste und beliebteste Flaig-Route ist am Rockspitze-Südpfeiler (III, Lechtaler Alpen) geboten. Besonders große Verdienste erwarb sich Walther Flagg als Bergschriftsteller und Führerautor: rund 30 Bücher, unter ihnen bedeutende Standardwerke wie »Lawinen« (Leipzig 1935), »Das Gletscherbuch« (Leipzig 1938), »Das Silvretta-Buch« (München 1940). Seine Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit als Führerautor machten seine Werke zu einem sicheren Wegweiser im Gebirge; die von ihm geschaffenen Alpenvereinsführer »Silvretta«, »Rätikon«, »Lechquellen- und Bregenzerwaldgebirge« werden heute noch von jedem Bergsteiger in diesen Gebieten geschätzt. Er hielt im deutschen Sprachraum ungezählte Lichtbildervorträge und machte sich auch als Fotograf sehr beliebt. Die von Walther Flaig redigierten Jahrgänge der Zeitschrift Berge und Heimat (1947-1953) waren beispielgebend für das alpine Zeitschriftenwesen; in keiner anderen Bergzeitschrift jener Zeit konnte man so viele und fundierte Nachrichten über den internationalen Alpinismus lesen wie in Berge und Heimat. Walther Flaig erhielt für sein Lebenswerk zahlreiche Ehrungen, mehrere AV-Sektionen hatten ihn zum Ehrenmitglied ernannt; Ehrenzeichen in Gold der Vorarlberger Landesregierung für sportliche Leistungen (1966 zusammen mit Frau Hermine); Hermine Flaig (*20. 4. 1900 Obertillach/Osttirol), die selbst zahlreiche Veröffentlichungen herausgab, lebt heute in Bludesch (bei Bludenz).
-th-
Quelle: Der Bergsteiger 1983, Heft 5, Seite 57-58


Geboren am:
16.08.1893
Gestorben am:
20.08.1972

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