Siorpaes Santo

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Biografie:
geboren in Schluderbach (Italien)
gestorben in Cortina d'Ampezzo (Italien)


Santo Siorpaes (+)
Am 12. December 1900 ist zu Cortina einer der verdienstvollsten Führerveteranen von dieser Erde geschieden: Santo Siorpaes. Der Name Santo Siorpaes ist allen Bergsteigern wohlbekannt, weil sein Träger mit der Ersteigungsgeschichte der hervorragendsten Gipfel in den Dolomitalpen innig verbunden ist. Santo wirkte hauptsächlich in den beiden Jahrzehnten von 1865 - 1885 und galt in den Siebzigerjahren unbestritten als der erprobteste und tüchtigste Dolomitenführer. Im Jahre 1865 nahm er als zweiter Führer an der ersten Ersteigung des Monte Cristallo theil; 1870 war er als Führer bei der ersten Ersteigung des Cimone della Pala, des Piz Popena und der Rothwand (Croda rossa) thätig, und 1878 wirkte er bei der ersten Ersteigung der Pala di San Martino mit. Er war der gründlichste Kenner der Dolomitalpen, deren Gipfel er Jahr um Jahr zuerst mit P. Grohmann, dann mit englischen Berggängern, wie Whitwell, Utterson-Kelso u. s. w. erstieg. Aber auch die Schweiz und im besondern das Gebiet des Monte Kosa war ihm nicht unbekannt. Santo Siorpaes lebte seit Jahrzehnten als k. k. Strasseneinräumer (Wegmacher) im Gemärk und war mit den Bergsteigern, die längere Zeit in Schluderbach zubrachten, in täglichem Verkehr. Vor allem fiel sein einfaches, bescheidenes Wesen auf. Wer indes über den ausgezeichneten Ruf, den Santo als Dolomitführer genoss, nicht schon unterrichtet war, erfuhr von ihm selbst sicherlich nichts davon. Durchaus gutmüthig und wohlwollend, diente er gerne jüngeren Führern mit seinen Erfahrungen und erfreute sich neidlos an den Erfolgen, die sie errangen. Innige Freundschaft verband ihn seinerzeit mit Michel Innerkofler, obgleich dessen glänzender Führerruhm seit den Achtzigerjahren seinen eigenen wohlbegründeten Ruf überstrahlte. Santo zog sich vor drei Jahren im Alter von 66 Jahren von seiner Stelle als Wegmacher im Gemärk zurück und lebte seitdem in seinem Heimats- und Geburtsorte Cortina. Ihm, der so viel gegangen, war allmählich das Gehen immer schwieriger und zuletzt ganz unmöglich geworden. Die beiden Söhne Santos: Pietro Siorpaes und Giovanni Siorpaes, sein Schwiegersohn Pietro Dimai und sein Neffe Archangelo Siorpaes sind bekannte Dolomitführer. Friede seiner Asche!
Die S. Ampezzo berichtet noch Folgendes: Santo wurde 1832 zu Ampezzo als Kind sehr armer Leute geboren und verlebte eine sehr harte Jugend, indem er schon als Knabe für den Unterhalt seiner Eltern sorgen musste. Doch schon damals brach seine mächtige Liebe zur Bergwelt durch, der er zunächst
als Waidmann fröhnte. Acht Jahre genügte er als Kaiserjäger seiner Militärpflicht und hiebei hat er die Schlachten von Magenta und Solferino mitgemacht. Seit 1860 war Santo k. k. Strasseneinräumer und kam als solcher seinen Pflichten mit seltenem Eifer nach.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1901, Folge 3, Seite 37

Siorpaes Santo Severino, Bergführer, * Staulin bei Cortina d?Ampezzo (Österreich-Ungarn)
+ Majon (Ampezzaner Dolomiten)
Santo Severino Siorpaes manchmal mit dem Beinamen Salvador genannt, war ein italienischer Bergsteiger und Milizionär im Dienste der k. k. Monarchie. Mit über 20 Erstbesteigungen in den Dolomiten und den Karnischen Alpen zählt er zu den herausragendsten Bergführern der Region.
Santo Siorpaes kam 1832 als Sohn von Pietro und Rosa Siorpaes (geb. Ghedina) in Staulin, einem Dorf oberhalb von Cortina d?Ampezzo, zur Welt. Schon in jungen Jahren lernte der Förster bei der Jagd mit der Waffe umzugehen. Sein Geschick mit dem Gewehr und seine hervorragenden Ortskenntnisse öffneten ihm die Tür zum Ampezzaner Landsturm, der örtlichen k. k. Miliz. Später wurde er zum Leutnant befördert. Ab den frühen 1870er Jahren war er k. k. Straßenwärter in Maion an der Straße zum Gemärk. Zeitgleich startete er eine höchst erfolgreiche Karriere als Bergführer.
Nachdem er sich bereits an den Erstbesteigungen der Tofana di Rozes (1864) und des Monte Cristallo (1865) durch Paul Grohmann beteiligt hatte, führte er im Juni 1870 erstmals selbst eine wichtige Seilschaft auf einen unbesiegten Gipfel. Mit dem Engländer Edward R. Whitwell und dem Schweizer Christian Lauener bestieg er den zuvor noch als ?unüberwindlich? verschrienen Cimon della Pala. Nur wenige Wochen später erklommen die drei mit dem Piz Popena und der Hohen Gaisl zwei weitere bedeutende Dreitausender.
Zwischen 1865 und 1881 erstieg Siorpaes die drei höchsten Gipfel der Cristallogruppe.
Durch diese herausragenden Leistungen wurden weitere Alpinisten auf Siorpaes aufmerksam. In den Folgejahren gelangen ihm mehrere Besteigungen mit Maurice Holzmann und William E. Utterson Kelso, darunter der Cimon del Froppa und die Cima Bagni. Ebenso zu seinen Klienten gehörten die Österreicher Julius Meurer und Alfred von Pallavicini, die er 1878 erfolgreich auf die Pala di San Martino führte.
Das Gebiet seines Wirkens als Bergführer umfasste neben den Dolomiten die Karnischen Alpen, aber auch Ortler, Adamello-Presanella und sogar Teile der Westalpen. In den Walliser Alpen bestieg er etwa Matterhorn, Obergabelhorn und Dent d?Hérens. Sein letzter Triumph als Erstbesteiger war 1881 die Besteigung der Cima di Mezzo. Santo starb 1900 im Alter von 68 Jahren.
Santo Siorpaes hatte insgesamt acht Kinder mit zwei verschiedenen Frauen. Seine erste Frau Costanza gebar zwei Söhne, Pietro (* 1868) und Giovanni (* 1869), beide später Bergführer, sowie zwei Töchter, Maria Teresa und Filomena (* 1872). Costanza starb 1872 und Santo heiratete seiner Kinder wegen erneut. Mit seiner zweiten Frau Rosa hatte er einen Sohn, Angelo (1877?1881), und drei Töchter, Costanza (* 1873), Rachele (* 1880) und Anna (* 1881).
Neben Michel Innerkofler gilt Santo Siorpaes als wichtigster und vielseitigster Dolomiten-Bergführer seiner Zeit. Während Innerkofler charakterlich jedoch mehr als ?Bergsteiger? aufgefasst wird, gilt Siorpaes aufgrund seiner sozialen Kompetenz als der bessere Bergführer. Die frühesten bildlichen Darstellungen zeigen Siorpaes mit dem obligatorisch gestrengem Blick in klassischer Bergführerpose. Eine Zeichnung in Elizabeth Tucketts Zigzagging Amongst Dolomites (1873) zeigt ihn hingegen lebensnah, lächelnd mit ins Gesicht gezogenen Hut. Er wird als extrovertiert beschrieben und soll seinen Kunden unabhängig von deren sozialer Stellung, anders als für damalige Verhältnisse üblich, nie unterwürfig begegnet sein.

1870 2.Best.Cima Cadin di San Lucano,II,2839m, (Cadingruppe,Sextener Dolomiten)

Geboren am:
02.05.1832
Gestorben am:
12.12.1900

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