Gaiser Alfred

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Biografie:
Gaiser Alfred „Fred“, * Straßburg, lebte in Freudenstadt (Schwarzwald), + Autounfall bei Nagold
1932 1.Beg.KBG-Turm-Nordwand, (Bühler Höhengebiet,Nordschwarzwald)
1935 1.Beg.Frühstückswand „Gaiserriߓ,VI+, (Battert,Nordschwarzwald)
1935 2.Beg.Montblanc-Gesamter Peutereygrat,V,4807m, (Montblancgebiet)
1935 Überschr.Petit Dru,3733m, Grand Dru,3754m, Pointe Petigaz, Pointe Crouz,4023m,
Aiguille Verte,IV+,4121m, (Montblancgebiet)
1936 Beg.Piz Badile-Nordkante,V,800 HM,3308m, (Bergell)
1936 Beg.Sciora di Fuori-Nordwestkante „Fuori-Kante“,VI/A1,600 HM,3169 m, (Bergell)
1937 Beg.Piz Gemelli-Nordwestwand „Bügeleisenkante“,V+,400 HM,3262m, (Bergell)
1937 1.Beg.Piz Cengalo-Nordwestpfeiler(Cengalopfeiler) „Gaiser-Lehmann“,VI-/A1,1050 KM,3370m,
(Bergell)
1937 1.Beg.Il Gallo-Westgrat,IV+,2778m, (Bergell)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu

Fred Gaiser (+) — zum Gedenken.
Noch haben wir das grausame Bergjahr 1937 nicht überwunden mit seiner unfaßlich großen Todesernte unter den besten deutschen Bergsteigern, da hebt das Bergjahr 1938 mit einem neuen Anteil an und trifft uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel mit der ganz unbegreiflichen Nachricht: Fred Gaiser aus Freudenstadt ist durch einen Autounfall tödlich verunglückt! Es ist wie ein Hohn: Nachdem die wirklich unerhörte Meisterschaft dieses glänzenden Bergsteigers ihn gegen alle alpinen Gefahren geradezu gefeit hatte, da vernichtet den ahnungslosen Mitfahrer die verhaßte Maschine. Dieser Mann war — wie alle wirklichen Könner — von höchster Bescheidenheit; und weil seine Taten infolge seiner Meisterschaft ohne grausliche Abstürze verliefen und ohne andere haarsträubende Erlebnisse (die man „nicht missen möchte", weil man sie nicht ungeschehen machen kann), so wurden seine Leistungen kaum, bekannt, denn er stammte aus keiner berühmten „Schule" einer alpinen Großstadt, gehörte keinem berühmten Klub an und lebte still und bescheiden sein Berufsjahr, um jeweils seine Ferien mit Feuereifer den Bergen zu widmen, untrennbar verbunden mit seinem Seilgefährten Berti Lehmann aus Freiburg i. Br. Ich rechne diese Seilschaft mit voller Überzeugung unter das Halbdutzend bester, Kameradschaften, die heute an der Spitze der deutschen Bergsteiger stehen, denn das Wesentliche ist ja nicht die Einzelleistung, sondern die der Kameradschaft. And wesentlich ist nicht das „Was", sondern das „Wie", und in beidem war diese Seilschaft ein Vorbild, dem ich nicht so leicht eines zur Seite stellen könnte. Hier handelt es sich um Bergsteiger, nicht um jene Eintagsfliegen von Sportalpinisten, die „im Zuge der Zeit" — lies: Mode — sich mit einer sinnlosen Verwendung künstlicher Hilfen — dem größten Selbstbetrug in der Bergsteigergeschichte — schnell zu abenteuerlichen Rittern des Rekord- und Sensationsalpinismus emporschlossern, um dann ebenso schnell zu verschwinden, weil sie keine innere Notwendigkeit an die Berge kettet oder weil ihr bedenkenloser Leichtsinn sie zwangsläufig ausgeschieden hat. Die Kameradschaft Gaiser-Lehmann hat streng genommen nie einen ernsten Anfall gehabt, hat alle die gewaltigen Fahrten mit jener entschlossenen Kühnheit angepackt, die nur Erfolg hat, wenn sie mit der überlegenen technischen Meisterschaft im Denken und Handeln unlösbar verschmolzen ist. Und was für herrliche Fahrten sind dabei, im Fels und Eis, im Kalk und Granit, in den Dolomiten wie im Montblanc- und Bergellgranit, im Wallis und weit herum. Ich nenne nur die zweite Begehung des ganzen Peutereygrates von der Noire zum Montblanc, den ersten Abergang von der Aiguille Dru zur Verte, die erste Ersteigung der Nordwestkante des Piz Cengalo, eine erstklassige Fahrt des 6. Grades und zweifellos die schwierigste der Bergellkanten, die Gaiser-Lehmann übrigens alle begangen haben und darin nur noch von Batti und Cassin erreicht wurden. Auch dies ist bezeichnend: Gaiser war 32 Jahre alt, d. h. er hatte auch die nötige männliche Reife, Härte und Ruhe, die erst den großen Bergsteiger vollendet. Alle seine ganz großen Fahrten fallen etwa in die letzten fünf Jahre. Es zeigt sich wieder einmal, daß man nicht einfach Sportregeln der Leichtathletik oder des Fußballs in den Alpinismus übertragen kann. Die wenigstens in der südwestdeutschen Ecke bekannte und hochgeschätzte „Klettergilde Battert" — so genannt nach dem Klettergarten Battert bei Baden-Baden — hatte die Bedeutung Gaisers erkannt und ihn zu ihrem Führer gemacht. Sie verliert in ihm eine unersetzliche Gestalt, der Zweig Schwaben seinen besten jungen Bergsteiger, der noch viel zu seinem Ansehen beigetragen hätte. Gaiser hinterläßt eine tapfere Frau, die ihn auch auf mancher schwierigen Bergfahrt begleitete und ihm einen Knaben schenkte, der eben jetzt ein Jahr alt wurde. Wir versprechen ihm ein ehrenvolles Andenken in das allzufrühe Grab hinein, wie dies einem guten Kameraden geziemt.
Walther Flaig.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1938, Folge 8, Seite 214

Geboren am:
1905
Gestorben am:
17.03.1938