Wolf Franz

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Biografie:
Franz Wolf (+)
Die S. Tauriskia hat einen schweren Verlust erlitten. Unser unermüdlicher Mitarbeiter und goldener Jubilar Franz Wolf ist am 5. November 1967, im 75. Lebensjahr, nach langer, schwerer Krankheit von uns gegangen. Unser Wolf eri, wie er allgemein genannt wurde, kam schon 1913 zur Sektion Tauriskia und war seit frühester Jugend ein begeisterter Bergsteiger und ein hervorragender Kletterer seiner Zeit.
Als 1962 unsere Franz-Fischer-Hütte von einer Lawine verschüttet und schwerst beschädigt wurde, fanden wir in unserem Wolferl einen stets hilfsbereiten und tatkräftigen Helfer, der mehr Zeit im Hüttengebiet als daheim zubrachte. Leider war es ihm nicht gegönnt, bei der Eröffnung unserer Neuen Franz-Fischer-Hütte dabei zu sein, um die er sich so bemüht hatte, denn knapp vor der feierlichen Einweihung mußte er sich in Spitalsbehandlung begeben. Bis zu seinem allzufrühen Ende hatter er das Interesse am Sektionsleben und an unseren beiden Hütten nicht verloren.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1968, Heft 1/2, Seite


Franz Wolf — eine Erinnerung
Ich weiß, er würde wieder brummen und sagen: „Lassens das dumme Zeug, gehns lieber dafür auf einen Berg." Aber ich muß trotzdem über ihn schreiben, denn er verdient wie nur wenige Bergsteiger eine Würdigung, die mehr als ein Nachruf sein soll. Ganz selten nur ist es einem Bergsteiger oder einer Bergsteigerin vergönnt, ein ganzes rundes Bergsteigerleben in voller Kraft zu Ende zu leben. Dem Wiener Franz Wolf war diese Gnade geschenkt. Als ich ihn kennenlernte, war er schon siebzig Jahre alt. Wir haben miteinander des Speiereck bestiegen und „ seine" große Grattour, die Überschreitung vom Speiereck zum Hochfeind, teilweise begangen. Wenn uns auch die Ungunst des Wetters zwang, auf halbem Wege abzusteigen, so war diese Hälfte allein schon eine große Bergfahrt, mit einem Abstieg durch ein wüstes, unwegsames Kar, und Franz Wolf ging wie ein Junger. Stolz erzählte er, was eine seiner Töchter, die er mit Erfolg zum Bergsteigen erzogen hat, gerne von ihm sagte: „Vater, Du bist net zum Biagn!" Wie gerne hätte ich einen solchen Bergsteiger-Vater gehabt, wie beneidete ich seine Kinder um ihn!
Ja, Franz Wolf mit seiner eisernen Lebenskraft war „nicht zu biegen", gebrochen hat den 75jährigen erst eine heimtückische Krankheit, welcher er im November 1967 erlegen ist. Was er als Vereinsmann geleistet hat, ist für immer in der Geschichte der OeAV-S. „Tauriskia" und der ÖTK-S. „Waldheimat" niedergeschrieben, ja er hat sogar ein Stück alpinistischer Geschichte erlebt und gestaltet. Der Ausbau der Speiereckhütte und der Neubau der Franz-Fischer-Hütte waren seine höchsten Ziele, deren Verwirklichung er noch erleben konnte. Der Bergsteiger Franz Wolf war mehr als ein halbes Jahrhundert aktiv. Er muß ein hervorragender Kletterer seiner Zeit gewesen sein; neben großzügigen Kletterfahrten in anderen Gebieten machte er auch die 9. Begehung der Roßkuppenkante. Er hat aber auch Erstbegehungen und frühe Skifahrten ausgeführt. Obwohl er eine ausgezeichnete Feder führte und sich auch als Schriftleiter von Vereinsnachrichten in den Dienst der alpinistischen Sache stellte, war er doch ein großer Schweiger, der nur gelegentlich von seinen Touren erzählte. Was dabei aber an interessanten Einzelheiten und großen Leistungen zutage kam, das wäre einer Veröffentlichung würdig gewesen. Schmunzelnd berichtete er zum Beispiel von seiner Hochzeitsreise, die ihn und seine bergtüchtige junge Frau auf den Faulkogel, einen seiner einsamen Lieblingsberge, geführt hat. Was für ein gewaltiger Höhenunterschied von der nur 1.200 m hoch liegenden Tauriskiahütte auf den fast 2.700 m hohen Berg, der durch Neuschnee sehr schwierig war, und dann der Abstieg bis nach Zederhaus, wieder auf 1.200 m hinab, wo man kein Quartier fand und in einer alten Sägemühle auf harten Brettern übernachtete! Die Radstädter Tauern waren sein Reich, und dort hat er sich mit dem großen Grat vom Speiereck zum Hochfeind ein Denkmal in den Bergen gesetzt. Diese gewaltige Tour, seinerzeit noch von Lothar Patera erstmals in einem Zuge begangen, war in Vergessenheit geraten. Franz Wolf hat sie wiederentdeckt, ja neu erschlossen und sogar markiert. Er hat den großen Grat oftmals ganz oder auch in Teilstücken, allein oder mit seiner Familie begangen. Es ist eine der großzügigsten Gratwanderungen der Tauern, nicht mehr leicht, teilweise ausgesetzt, Trittsicherheit verlangend, und vor allem von enormer Länge. Fünfzehn Gipfel zwischen 2.400 und 2.700 Meter sind dabei zu überschreiten. Die Speiereckhütte ist ein guter Stützpunkt dafür. Dieser interessante Grat mit seinem abwechslungsreichen, farbigen Gestein und seinen herrlichen Bergblumen müßte viel mehr bekannt sein. Blaue Schiefer wechseln mit hellbraunen Bratschen und weißgrauem Kalk, ich habe aber auch Malachit und Bergkristalle dort gefunden. Wie mir ein Gefährte Franz Wolfs — mehr als vierzig Jahre jünger als er, mit dem er noch als Siebziger achtzehnstündige Touren unternahm! — mitteilte, besteht die Absicht, den Gratweg zum Hochfeind „Franz-Wolf-Weg" zu benennen. Das wäre eine sehr gute Tat!
Und noch besser können wir unsere großen „Alten vom Berge" ehren: wenn wir ihre Wege in Erinnerung an sie begehen!
Liselotte Buchenauer
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1969, Heft 1/2, Seite 17-18

Gestorben am:
05.11.1967

Erste Route-Begehung

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