Albrecht Helmut

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Biografie:
gestorben am Siula Chico (Peru) durch Wächtenbruch
Mitglied der "Hochtouristengruppe" der Sektion Oberland des DAV;
um 1959 - Gesamte Überschreitung der Wetterstein-Umrahmung im Winter mit den Gefährten Wels, Brunczek, Obster und Wolf. Das längste Winterunternehmen bis zu diesem Zeitpunkt;
Teilnehmer an der Anden-Expedition 1961 der Sektion Oberland des AV;
Quelle: Archiv Proksch (Österr. Alpenverein)

Den Toten des Siulà chico zum Gedenken.
Als wir zum ersten Male den Carhua-Kocha erblickten, etwa 100 m über ihm stehend, da jubelte es in uns: Tiefblau der See, dahinter eine flache Pampa, in die die Moränen der Gletscher münden, die sich wildzerrissen darüber aufbauen, herabfließend von den wahrlich stolzen Gipfeln der Huayhuash-Gruppe, von denen wir so lange schon geträumt hatten.
Hier schlugen wir unser Hauptlager auf. Von hier aus zogen wir aus, das Gebirge zu erkunden, von hier aus stolperten wir in die Nacht hinaus, wenn wir zu unseren glücklichen Gipfelgängen aufbrachen. Nach Tagen erst kehrten wir oft zurück, wenn wir unterwegs biwakiert hatten. Immer hatten wir hier das Gefühl des Geborgen-seins. Von hier aus trugen wir auch unsere Lasten für das Hochlager hinauf zwischen Yerupaja und Siulà und hierher kehrten wir zurück mit leergebrannten Herzen, denn wir hatten unsere drei Freunde Helmut Albrecht, Manfred Jordan und Günter Wolf verloren. Nach der Überschreitung des dreigipfligen Massives des Siulà grande wollten wir noch den Siulà chico ersteigen. Da brach kurz unter dem Gipfel eine riesige Wächte mit den drei Freunden ab. Eine Wächte, die wohl niemand vermutet hätte, denn sie erschien wie ein breites, zum Gipfel emporziehendes Schneefeld. Das war am 15. Juni 1961 gegen 16.00 Uhr.
In dem uns allen so lieb gewordenen Hauptlager blieb nun ein Zelt leer, und wir weinten und konnten es nicht fassen, und Edi ritzte unseren Schmerz in einen Felsen: die Namen der Freunde, so wie wir sie genannt hatten. Wir konnten es nicht glauben, daß die Gefährten so zahlreicher Bergfahrten nicht mehr sein sollten, und nur schwacher Trost war uns, daß wir sie von der anderen Seite des Gebirges aus holen und in die Heimat bringen konnten, wo sie im Münchner Westfriedhof in einem Grab vereint sind.
Es läge nicht im Sinne unserer Freunde, ihre Bergfahrten aufzuzählen, denn sie gingen um des stillen Glückes wegen in die Berge, das sie um keinen Geldgewinn eingetauscht hätten. Aber ihr Tod wird nicht fruchtlos sein, denn immer werden sie in der Lauterkeit ihres Charakters und der Reinheit ihrer Liebe zu den Bergen im Geiste um uns sein und unser ferneres Tun positiv beeinflussen.
Jungmannschaft der Sektion Oberland
Quelle: Mitteilungen des DAV 1961,Seite 198

Kurzinfos zum Unfallhergang
Quelle: Der Bergkamerad Jahrgang 22, 1960/61, Seite 697, 760, 801, 872

Anden-Opfer fanden in München letzte Ruhestätte.
In München wurden die sterblichen Überreste der drei am 15. Juli in den Peruanischen Anden tödlich abgestürzten Münchner Bergsteiger Helmut Albrecht, Manfred Jordan und Günther Wolf beigesetzt. In seiner Trauerrede sagte der evangelische Pfarrer Ernst Allwang aus Gröbenzell die drei jungen Bergsteiger seien frei gewesen von jedem leichtfertigen Spiel mit ihrem Leben, von der Überschätzung ihrer Kräfte und der Unterschätzung der selbstgestellten Aufgaben. in dem Gottesworte „Macht euch die Erde untertan" seien auch die höchsten Gipfel eingeschlossen, Der katholische Pfarrer Michael Kell von Bogenhausen sagte, Berg und Gipfel seien für die verunglückten Alpinisten nicht das Ziel, sondern der Weg zum Allerhöchsten und zum Schöpfer gewesen.
Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel erinnerte in seiner Ansprache am Grabe daran, wie sich die drei Bergsteiger in seinem Amtszimmer von ihm verabschiedeten, ehe sie im April zu der Expedition aufbrachen. Nicht Sensationslust und GeItungstrieb, sagte Vogel, habe die jungen Männer bewegt, sondern der uralte menschliche Drang, neue Welten kennenzulernen und den Fuß auf Grate und Gipfel zu setzen, die noch keines andern Menschen Fuß berührt habe. „Sie haben den Namen unserer Stadt bis in die Anden getragen." Als Schirmherr des bergsteigerischen Unternehmens, das so tragisch geendet hatte, rief er ihnen ein letztes Lebewohl zu.
Für die Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins sprach Vorsitzender Heinz Außerbauer. Er zitierte in seiner Grabrede die Eintragung eines der Verunglückten in sein Tagebuch: „Lieber Gott, schick gutes Wetter, beschütze uns alle, bewahre uns vor Leichtsinnigkeit. Ich freue mich so wahnsinnig." Im Namen des Deutschen Alpenvereins versicherte der Zweite Vorsitzende, Hans von Bomhard, daß im Deutschen Alpenverein ihr Geist weiterleben werde. Professor Dr. Hans Kinzl, der Erste Vorstand des Österreichischen Alpenvereins, würdigte die großartige Leistung, daß die Überlebenden die toten Kameraden bergen konnten. Die einzelnen Gruppen der Sektion, darunter die Jungmannschaft und die Hochtouristengruppe, legten am Grabe Kränze nieder, ebenso der peruanische Konsul in München, Dr. Thelen, Südtiroler Freunde und die Nürnberger Alpenvereinssektion Noris. Den letzten Kranz legte der Expeditionsleiter Horst Wels im Namen der überlebenden Kameraden Eduard Bunzak, Jochen Bloß und Manfred Sturm nieder.
Quelle: Der Bergsteiger 1961-62, Heft 1 Oktober, Seite 82



Gestorben am:
15.06.1961
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