Wolf Hans Günther Freiherr von

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Biografie:
Dr. Hans Günther Freiherr von Wolf , * Rheinland, München, Innsbruck, + Breslau
Assistent am Geologischen Institut der Universität Innsbruck.
Als begeisterter Bergsteiger, auch in schwersten Touren, ist Hans Günther v. Wolf mit den Alpen vertraut geworden.
Als Bergsteiger hat er auch manche Erstbegehung im Allgäu, in den Lechtaler Alpen, im Wilden Kaiser und im Wetterstein durchgeführt.
Er war seit 1911 Mitglied der Sektion München und auch führendes Mitglied des Akad. Alpen-Vereins München, um den er sich als erster Vorsitzender, als Vereinschronist und besonders auch als Hüttenwart der Erinnerungshütte am Scharnitzjoch große Verdienste erworben hat.
Seine Berggefährten waren oft Burmester und Graf von Lambsdorff.

1911 1.Beg.Hermannskarspitze durch den Ostkamin zur Scharte zwischen Hermannskarspitze und
Hermannskarturm,2527m, (Allgäuer Alpen)
1911 1.Beg.Falschkogel-Nordkamin,2387m, (Lechtaler Alpen)
1911 1.Beg.Heiterwand-Hauptgipfel-Nordkante,2638m, (Lechtaler Alpen)
1913 1.Beg.Kaiserkopf-Ostwand,III,400 KM,2166m, (Wilder Kaiser)
1914 Beg.Fleischbank-Ostwand,2187m, (Wilder Kaiser)
1922 1.Beg.Schüsselkarspitze-Westgratturm-Südwestwand "Siemens-Wolf",V-,200 HM,2538m,
(Wetterstein)
Beg.Lärcheck Ostwand,2124m, (Wilder Kaiser)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Dr. Hans Frhr. v. Wolf (+)
Am 15. März 1925 ist in Breslau erst 33 Jahre alt, der Assistent am Geologischen Institut der Universität Innsbruck, Dr. Hans Freiherr von Wolf, ein vielversprechender Jünger der geologischen Alpenforschung, gestorben.
Als begeisterter, auch schwersten Touren gewachsener Bergsteiger ist H. v. Wolf mit den Alpen vertraut geworden. Ihrer Erforschung widmete er sein Berufsleben. Mit einer vorzüglichen, umfangreichen Arbeit über die eiszeitliche Vergletscherung des Achenseegebietes hatte er sich 1921 vorteilhaft in die Literatur eingeführt, glazial-geologische und morphologische, daneben aber auch stratigraphische tektonische Studien über benachbarte und andere Gebiete der Nördlichen Kalkalpen beschäftigten ihn weiterhin. Im Auftrage des D. Oe. A. V., dessen Sektion München er angehörte, nahm H. v. Wolf seit mehreren Jahren Gletschermessungen in den Ötztaler, 1924 auch in den Ortler Alpen vor. Mit vorbildlicher Exaktheit und Gewissenhaftigkeit trat er an alle Aufgaben heran, gute Darstellungsgabe zeichnete alles aus, was er schrieb, darunter verschiedentlich auch gemeinverständliche wissenschaftliche Aussige in alpinen Zeitschriften. H. v. Wolf, persönlich ein Edelmann in des Wortes bestem Sinne, war führendes Mitglied des Akad. Alpen-Vereins München, um den er sich als erster Vorsitzender, als Vereinschronist und besonders auch als Hüttenwart der Erinnerungshütte am Scharnitzjoch große Verdienste erworben hat. Als Bergsteiger hat er auch manche Erstbegehung durchgeführt, in der Heiterwandgruppe z. B. Eben sollte H. v. Wolf mit Unterstützung seitens der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft eine Forschungsreise auf die griechische Insel Kephallene antreten, da verschärfte sich ein altes, schleichendes, in seinen Anfängen wohl bis auf den Krieg zurückgehendes Leiden zu jähem Ende. Vorzeitig sank ein Mann ins Grab, der viel Tüchtiges schon geleistet hat, von dem wir in der Zukunft aber noch viel mehr hätten erwarten dürfen.
Prof. Dr. R. v. Klebelsberg.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1925, Seite 273

Freiherr Hans Günther von Wolf (+)
Am 15. März 1925 starb der ehemalige Vorstand des Akademischen Alpenvereins München Hans von Wolf im Alter von 33 Jahren nach schwerem Leiden in Schlesien, wohin er nur zu kurzem Besuch zu kommen gedachte ? voll von Hoffnungen für seine wissenschaftliche Zukunft, voll von Plänen für frohe Bergfahrten.
Aus dem Rheinland stammend, hat er es vorzüglich verstanden, die Gegensätze von West und Ost, Nord und Süd ? München und Innsbruck sind ihm zur zweiten Heimat geworden ? zu überbrücken. Die Stunden, die ich mit ihm als Student und zuletzt vor seinem Tode am Krankenlager verlebte, sind unvergeßliche Erinnerungen an diesen ganzen Menschen.
Seit 1911 gehörte er dem A.A.V.M. an. Ich lernte ihn auf dem Gipfel des Totenkirchls kennen, als er für alpine Gerechtigkeit markig eintrat: mit scharfen Worten wies er eine Notiz im Gipfelbuch zurück, die eine Tur, deren Richtigkeit er beobachtet hatte, anzweifelte, und deckte seine Gegennotiz mit seinem Namen. Trotz seiner kleinen Statur war er eifriger, zäher und tüchtiger Bergsteiger, in fast allen Gebieten der Alpen hat sein Fuß zahlreiche Gipfel betreten, gleich gern und gewandt mit Nagelschuh, Kletterschuh, Schi. Er war keiner von der ganz extremen Richtung, dabei schweren Turen (Lärcheck O.-Wand II. Erst.) durchaus nicht abhold, teils allein (auch im Gletschergebiet) teils mit Gefährten ? besonders Dr. Burmester und Graf von Lambsdorff ? benutzte er jeden freien Tag, seinen Militärurlaub, seine Ferien zu sommerlichen und besonders auch winterlichen Bergfahrten, die ihm Kraft und Frische gaben und ein wesentliches Element seines Lebens bedeuteten.
Die Liebe zu den Bergen hat nicht wenig zu seiner Berufswahl beigetragen, mit Freuden nahm er als Dr. phil. die Assistentenstelle am Geologischen Institut Innsbruck an, inmitten der Alpenwelt. Von seinen geographisch-geologischen Arbeiten zeugen seine von berufener Seite voll anerkannten Veröffentlichungen über Gletschermessungen im Ötztal, über die eiszeitliche Vergletscherung im Achensee-, im Chiemsee- und Inngebiet, im Riesengebirge; m alpinen Zeitschriften finden wir bald populär wissenschaftliche, bald rein alpine Veröffentlichungen. Seine Federgewandtheit ¬verbunden mit Exaktheit und Pflichttreue ? trug en ihm im A.A.V.M. das arbeitsreiche Amt des Vereinschronisten ein, das er verwaltete bis Krieg und Krankheit ihn daran hinderten; in den amtlichen Verlustlisten schon tot gemeldet, schreibt er dem A.A.V.M. einen fröhlichen Gruß. Mit besonderer Freude las er stets die im Kriege versandten Mitteilungen über das Ergehen der Kriegsteilnehmer des A.A.V.M., sandte auch stets ausführliche Berichte über seine Kriegserlebnisse an den Verein, hauptsächlich, wenn' er irgendwo im Felde einen von der Zunft hatte aufgabeln und mit ihm gemeinsame Erinnerungen pflegen können. Im schwierigen Kriegsnotsemester 1919 und S.S. 1919 war er I. Vorstand; was es heißt, ein Vereinsschifflein glücklich durch diese Zeiten gesteuert zu haben, kann nur der ermessen, der sich erinnert, daß damals eine Turentätigkeit fast ganz unmöglich gemacht war, mußte man sich doch einen besonderen Reiseerlaubnisschein beschaffen, um die Bahn benützen zu dürfen. Hunderte von Kilometern wurden damals per Rad gemacht ? und es ging! Auch das innere Vereinsleben war sehr erschwert, bekam man doch im Lokal kaum etwas zu essen, und München war fast ohne Bier! Wolf hat meisterhaft das Schifflein gesteuert, so daß wir seiner mit Stolz gedenken, er hielt dem A.A.V.M. auch später, als er von München fortging, stets die Treue.
Sein im Grunde fröhlich-geselliges Wesen, sein ausgeprägtes Feingefühl, verbunden mit Ehrlichkeit und Pflichttreue, seine Bescheidenheit, klare Ruhe und stete Hilfsbereitschaft machten ihn zum liebenswerten Kameraden, der allen, die ihm im Leben und besonders im A.A.V.M. und in seinen geliebten Bergen nahe standen, in treuem Gedenken bleiben wird. Hier ging einer der Unsrigen viel zu früh von uns, einer, den wir lieb hatten und der es wert war, geliebt zu werden.
Günther Graetzer
Quelle: Jahresbericht 1924/25 des Akademischen Alpenverein München, Seite 3-4





Geboren am:
1892
Gestorben am:
15.03.1925

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