Amertaler Schartenkopf

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Höhe:
2.763 m
Infos:
Erste Ersteigung und Überschreitung durch H. Donabaum mit F. Maier am 10.7.1908;

Zur Erschließung der Granatspitzgruppe.
Von Hans Donabaum in St. Polten.
.......Um 10 U. 25 stiegen wir mit frischen Kräften die Felsen steil hinab zu einer Scharte zwischen Landeckköpf und Ammertaler- oder Landeckhöhe und jenseits zu dieser Erhebung wieder hinauf. Dieser Gipfel, 2844 m, besteht aus gewaltig übereinandergetürmten, steil aufgerichteten Felsblöcken, die gegen die Spitze so steil liegen, daß wir sie nicht betreten konnten. Wie war nun über die Spitze zu kommen? Maier kroch ein Stück hinan, fing aber auf einmal laut zu lachen an. Auf meine Frage, was es gebe, sagte er: «Ah, das ist lustig, da ist ein Loch unter der Spitze», worauf ich fragte, ob es vielleicht bis auf die andere Seite führe, so daß wir dann statt über, durch den Berg kriechen könnten. So war es auch. Die Gipfelfelsen waren so steil aufgerichtet, daß man prächtig unter ihnen durchkommen konnte, ja es war sogar möglich, in diesem natürlichen Durchgange fast aufrecht zu stehen, so daß wir nur bedauerten, daß diese kostenlos hergestellte Unterkunftshütte nicht zu den verproviantierten gehört. Der Abstieg von dieser ebenfalls eine prächtige Aussicht bietenden Höhe brachte uns dann sehr rasch zur Ammertaler ödscharte, zirka 2700 m, von wo wir gerade in die oberste Mulde des Landecktals, wo wir den Felsblock markiert hatten, Einblick genossen. Es würde also der Weg von dort mit Umgehung der glatten Wände des Landeckkopfs zur Ammertalerscharte heraufsteigen. Nun kamen für uns von hier aus zwei Richtungen in Betracht, die uns über den jetzt nach Norden umbiegenden Hauptkamm in das Matreier Tauerntal führen konnten: entweder über die sehr steilen Firnfelder zwischen Tabererkögele und Riegelkopf der Alpenvereinskarte, oder an der jäh abstürzenden Nordwand des Tabererkögeles zu einem kleinen Schartel zwischen dem Riegelkopf und der Teufelsspitze, das wir deutlich ausnehmen konnten, durch das beide Wegrichtungen dann zum Grünen See hinaus führen. Wir wählten die letztere, obwohl Mai er meinte, dieses Felsgetrümmer an der Nordwand sehe darnach aus, als wenn es mit uns hinuntergehen möchte. Von der Scharte aus sahen wir noch in geringer Entfernung von uns einen
prächtigen Gemsbock auftauchen, der den steilen Firnhang gegen den Tabererkopf querte und, als er uns bemerkte, so erstaunt war, hier oben Turisten zu sehen, daß er nicht von der Stelle ging. Als wir nun ein Stück auf den Felsen gegen die Wand gegangen waren, blieb Mai er erstaunt stehen und sagte, auf eine Stange- deutend: «Wer mag die Stange gesetzt haben? Da ist jemand vor uns gegangen!» Bei genauem Zusehen bemerkten wir auf einem Felsblock eine rote Marke. Nun wußten wir, daß jemand vom Matreier Tauerntal bis hieher die Richtung markiert hatte. — Es waren, wie ich später hörte, Kai*
ser Führer gewesen. Ob aber die Markierung über das Tabererkögele oder an der Wand fort zum Schartel leiten würde, konnten wir nicht wissen, zumal wir auf einmal keine Markierung mehr sahen. Es leiteten aber schöne, grasbewachsene Bänder zum Tabererkögele hinauf und ich ließ Maier gegen das Schartel zu ein Stück gehen, während ich gegen das Tabererkögele anstieg. Mai er hatte die Markierung bald wieder gefunden und es war somit klar, daß die Markierung über das Schartel zum Grünen See leitete. Wir stiegen also an der zwar jäh abstürzenden, aber gute Griffe und Tritte bietenden Wand weiter und erreichten über einige durch Knieaufschwung leicht zu nehmende Steilstufen und durch einen kleinen Kamin die schmale Scharte, auf welcher ein Steinmann gesetzt war, genau um 11 U. Nun bot sich ein herrlicher Blick auf den von der Scharte anfangs etwas steil, dann aber ganz eben verlaufenden Ferner des Tabererkögele, an dessen Ende der kleine Grüne See liegt. Tief unten war das Matreier Tauerntal zu sehen und über dem Gschlöß ragte der imposante Venediger auf, dem sich die Gipfei des über den Felbertauern hinziehenden Hauptkamms anreihten. Der Abstieg über den trotz der
starken Sonnenhitze vorzüglich tragenden, spaltenfreien Gletscher ging rasch und teilweise mit Abfahren von statten und nachdem wir uns noch mit Gletscherwasser erfrischt hatten, eilten wir, den Grünen See links lassend, zur Alpe am Messerlingbach (11 U. 30), von wo ein Ochsensteiglein zum Schwarzen und Grauen See führt, das für die Weganlage zum Felbertauern schon die Richtung weist. Nach der anderen Seite leitet ein sehr steiles und schlechtes Weglein — ein sogenannter Schinder — zum Matreier Tauern*Haus, das fast 800 m tiefer liegt. ........
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1909, Seite 94-95;

Bild:
Foto gesucht!
Gebirgsgruppe:
Granatspitz-Gruppe
Erste(r) Besteiger(in):
Donabaum H.
Maier A.
Datum erste Besteigung:
10.07.1908

Routen:
Nordanstieg
Nordostanstieg
Südwestanstieg

(Route Neu)
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