Südwandschlucht - "Stabeler - Variante"

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Routen Details:
Tscheinerspitze (2796m).
(Theilweise neuer Anstieg.) Am 23. August 1895 verliess ich früh 4 Uhr 7 min. in Gesellschaft meines Freundes Friedrich Meurer aus Dresden das Gasthaus „zur Alpenrose". Durch Wald, über Wiesen und einen steilen Geröllhang mühsam und anstrengend empor zur Höhe des Vajolonpasses. An 7 Uhr, Hinüber zur Ausmündung des grossen Couloirs, das in die Südwand der Tscheinerspitze einschneidet. Daselbst Rast von 7 Uhr 12 min. bis 8 Uhr 2 min. Nun durch das Couloir in die Höhe. Dasselbe ist anfangs ziemlich breit und gut gangbar, verengt sich aber weiter oben und wird sehr bald durch einen eingeklemmten Block gesperrt. Über diesen schwierig empor und im Couloir weiter. Bald aber stellte sich uns ein Hinderniss gleicher Art, nur viel grösser, entgegen. Während Darmstädter in der „Zeitschrift des D. u. Oe. Alpenvereins" 1889, p. 303, die Höhe dieses Blockes, da das Couloir bei seiner Ersteigung noch starken Schneebelag zeigte, auf nur 4 Meter veranschlagt, schätzen wir, die wir das Couloir vollständig aper trafen, dieselbe auf 8 — 10 Meter. Die Seitenwände waren infolge eines feinen Sprühregens, der über den Block herabkam, ganz nass. Einige Versuche meinerseits, das Hinderniss zu überklettern, scheiterten, und so mussten wir uns entschliessen, im Couloir bis unterhalb des ersten Blockes wieder zurückzugehen. Hier zeigt sich in der sonst ganz glatten Couloirwand zur Rechten (im Sinne des Anstieges) ein enger Spalt, der sich weiter oben zum Kamin vertieft. Im Spalt, dann an der Wand rechts von demselben schwer auf ein Baud empor, das nach links zum Kamin führt. In diesem schwierig in die Höhe. Oberhalb eines weiten Überhanges gabelt sich der Kamin. Im rechten Aste bis fast zur Grathöhe, dann nach links durch einen engen Spalt auf einen Sattel zwischen zwei Felszacken. Jenseits durch eine kurze Rinne in eine Geröllmulde hinab, in der sich unser Weg mit dem Darmstädter's wieder vereinigt. Nunmehr durch eine Rinne, welche durch einen eingeklemmten Block, unter welchem man sich durchwinden muss, charakterisirt ist, zur Grathöhe und theils über, theils neben dieser in westlicher Richtung zur Spitze. An 10 Uhr 20 min.. Aussicht stark durch Nebel beschränkt. Ab 10 Uhr 58 min. Rückkehr auf dem gleichen Wege. Am unteren Ende des grossen Couloirs 12 Uhr 37 min. Der Zeitaufwand auf dieser Tour war ein ungewöhnlich grosser, da wir wegen einer Verletzung, welche mein Gefährte beim Aufstieg zum Vajolonpass am Fusse erhalten hatte, ziemlich langsam kletterten und ausserdem 1 St. durch den fehlgeschlagenen Versuch verloren. Ich veranschlage die Dauer der Kletterei bei normalen Verhältnissen auf 1 Stunde. Hervorzuheben ist die grosse Brüchigkeit des Gesteins, welche alle Vorsicht geboten erscheinen lässt.
Oscar Schuster
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1896, Seite 21,22

Gipfel:
Tscheinerspitze (La Sforcella)
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