Dittmann Eugen Dr.
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Biografie:
Erste Begehung des Westgrates der Marmolada (3344m) am 21. Juli 1898 mit H. Seyffert und Luigi Rizzi;
Quelle: Archiv Proksch (Österr. Alpenklub)
1893 1.Beg.Gelltalspitze-Ostgrat,2126m, (Rieserfernergruppe)
1898 1.Beg.Marmolata Punta di Penia-Westgrat,3343m,(Dolomiten)
1900 1.Beg.Große Vallüla-Ostgrat,2813m, (Silvretta)
1901 1.Best.Mittlere Mesule, über die Nordwestwand,2950m, (Sellastock
Quelle: Gerhard Schauer, Isny im Allgäu
Dr. Eugen Dittmann (+)
(17. Juli 1863 bis 9. Mai 1945)
Die Freunde und Bergkaineraden meines Vaters sind alle tot; so will ich einen kurzen Lebenslauf an Hand seiner Aufzeichnungen über seine Bergfahrten schreiben.
Mein Vater, der Sanitätsrat Dr. Eugen Dittmann, wurde in Nürnberg geboren, besuchte dort die Lateinschule und das Melanchthongymnasium, widmete sich dann an den Universitäten Erlangen, Berlin und München dem ärztlichen Studium und promovierte 1889 in Erlangen zum Doktor der Medizin. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Assistenzarzt ließ er sich in Nürnberg als praktischer Arzt und Chirurg nieder. Seinen Beruf konnte er bis ins hohe Alter ausüben. Infolge der Kriegsereignisse siedelte er 1943 zu uns nach Heidelberg über und starb dort an den Folgen eines Schlaganfalles im Alter von fast 82 Jahren. Seine täglichen Spaziergänge führten ihn noch zwei Tage vor seinem Tode auf die Heidelberger Höhen. Über seinem Leben standen neben seinem ärztlichen Berufe die beiden Worte: Musik und Berge. Schon als jungen Menschen führte ihn sein Weg ins Gebirge. 1883 erstieg er mit Freunden, ausgerüstet mit Schaftstiefeln und einer Alpenstange, die Scesaplana und durchwanderte seither alljährlich mit Studiengenossen und Bundesbrüdern die Alpen, wobei insbesondere die Berchtesgadner Alpen, die Stubaier und Ötztaler Alpen, die Großglockner- und Venedigergruppe, die Lechtaler und Zillertaler Alpen sowie die Ortler- und die Brentagruppe besucht wurden. Im Jahre 1892 hatten sich seine touristischen Leistungen auf Berge zweiten Ranges in Brasilien erstreckt. In den Jahren 1893—1896 machte er mit Univ.-Prof. Hermann Bergfahrten in der Rieserfernergruppe und den Zillertaler Alpen, wobei auch einige
Erstersteigungen glückten. Seine besondere Liebe galt den Dolomiten, wo Seyffert, Ramspeck, Engelhardt und Dr. Bauer seine Gefährten waren. Hier seien nur einige wenige Touren erwähnt: Pala di San Martino, die Grasleitenspitzen, die Erstersteigung des Col Laz, die Überschreitung der Punta del'Uomo von Nord nach Süd, Casio di Val Fredda (erste Überschreitung von Süd nach Nord), die erste Gratwanderung von der dreigipfligen Cima Ombretta zum Casio Vernale — Großer und Kleiner Vernel. Großer Fermedaturm, Saß Rigais, die erste Überschreitung des Westgrates der Marmolata, die Vernel-Südwand, Cimone della Pala, ein neuer Aufstieg durch die Nordwand der Cima di Val di Roda, Casio d'Ortiga, Pala della Madonna, die erste Ersteigung des Westgipfels der Cima Manstorna, Sellatürme, Mesules (erste Ersteigung von Nordwest), Fünffingerspitze (Schmittkamin), Stabeler- und Winklerturm u. a.
In den Westalpen erstieg er (1899) mit Ramspeck Matterhorn und Montblanc. Es folgten Fahrten in der Ferwall- und Silvrettagruppe, im Wetterstein und Karwendel. Auch die Dachsteingruppe, der Wilde Kaiser (Ellmauer Halt, Kopftörlgrat, Totenkirchl Heroldwegj und Predigtstuhl Botzongkamin mit Heroldwegj), die Miemingerkette, die
Julischen Alpen, die Loferer und Allgäuer Berge wurden, die meisten wiederholt, besucht. Auch im Apennin hat er mehrere Gipfel erstiegen. Mich nahm er schon als Kind in die Berge mit und war so mein erster Führer und alpiner Lehrer. Seine letzte Bergfahrt machte er als Fünfundsiebzigjähriger im Jahre 1938 mit mir und seinem kleinen Enkel auf den Hohen Burgstall. Dem ÖAK. gehörte er seit dem 10. Jänner 1898 bis zu seinem
Tode als treues Mitglied an.
Anni Walther - Dittmann.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1249, Seite 021
Geboren am:
17.07.1863
Gestorben am:
09.05.1945
Erste Route-Begehung