Fehrmann Rudolf
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Biografie:
Fehrmann Rudolf "Petrus", * auf dem Schiff "Spain" im Atlantik; später Dresden, Leipzig,
+ Lager Fünfeichen, (sowjetisches Internierungslager) Neubrandenburg
Dr. Rudolf Fehrmann war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Sächsischen Bergsteigens. Vor allem in den Jahren 1904 bis 1908 trug er mit 56 Erstbegehungen wesentlich zur Erschließung der Sächsischen Schweiz für den Klettersport bei. Er veröffentlichte 1908 den ersten Kletterführer des Elbsandsteingebirges und begründete in der Folgezeit die noch heute geltenden „Sächsischen Kletterregeln“. Geschichte schrieb er aber vor allem mit seinem Kletterführer fürs Elbsandsteingebirge, in dessen zweiter Auflage 1913 er das Prinzip des freien Kletterns (ohne Haken als Fortbewegungshilfe) definierte und mit seiner Autorität als Gebietspapst zur Norm machte. Damit stand er in der Tradition der Wiener Schule, deren Freikletterideal durch Oscar Schuster in Sachsen verbreitet worden war. Allerdings war es in Sachsen zulässig, Ringhaken in dafür gebohrte Löcher zu platzieren, um sich daran zu sichern; das ursprüngliche, ideale "Freiklettern", bei dem Sicherung an Haken komplett tabu war, wurde im frühen 20. Jahrhundert nur noch in England gepflegt.
Rudolf Fehrmann begann 1903 mit dem Klettern. Zusammen mit dem Amerikaner Oliver Perry-Smith gelangen ihm von 1904 an viele Erstbegehungen im Elbsandsteingebirge bis zum 6.Grad. Am 10.Januar 1904 führte Rudolf Fehrmanns seine erste Erstbegehung des Meurerturm-Südostweges,IV, durch. Ein halbes Jahr später folgte gemeinsam mit Franz Goetze die Erstbegehung des Chinesischen Turmes im Bielatal (Schwierigkeitsgrad V). Der Große Wehlturm (295 m ü. NHN) ist ein Klettergipfel in der Sächsischen Schweiz. Erstbesteiger über den heute mit IV eingestuften „Alten Weg“ war Rudolf Fehrmann am 2. August 1905.
Fehrmann war Begründer des Sächsischen Bergsteigens und war an der Regelaufstellung für das Klettern in der Sächsischen Schweiz 1913 beteiligt. Als „Vater des Elbesandsteinkletterns", schrieb er schon 1908 einen Führer über die dortigen Kletterfelsen „Der Bergsteiger in der Sächsischen Schweiz, Führer durch die Kletterfelsen des Elbsandsteingebirges“. Darin wurden etwa 200 Gipfel mit über 400 Aufstiegen in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz beschrieben. Erstmals erschien damit ein Kletterführer für ein deutsches Mittelgebirge. Er katalogisierte darin auch „Regeln des sportlichen Kletterns ohne künstliche Hilfsmittel.
Auch mit der Fehrmannverschneidung am Campanile Basso und der Nordwand der Kleinen Zinne setzten sie in den Ostalpen neue Maßstäbe. Die Route an der Kleinen Zinne im Grad V+ war 1908 wohl eine der schwersten in den Alpen.
Im Deutschen Alpenverein war er Mitglied des Hauptausschusses, „Führer“ des Zweiges Dresden und Kreiswart für Bergsteigen.
1947 starb er in einem sowjetischen Internierungslager und wurde in seiner sächsischen Heimat lange Zeit totgeschwiegen.
1904 1.Best.Chinesischer Turm, (Sächsische Schweiz)
1904 1.Beg.Mönch "Fehrmannweg" (Sächsische Schweiz)
1905 1.Best.Pfaffenstein-Barbarine "Alter Weg",VI, (Sächsische Schweiz)
1905 1.Best.Höllenhund über Nordseite, (Sächsische Schweiz)
1905 1.Beg.(Alleinbeg.)Zehner (Sass dals Diesc)-Westwand "Fehrmann-Schlucht",IV,2917m, (Sella,Dolomiten)
1906 1.Beg.Spannagelturm-Perrykante,VIIb, (Sächsische Schweiz)
1906 1.Beg.Dreifingerturm-Südriß, (Sächsische Schweiz)
1906 1.Beg.Bloßstock-Südwand "Fehrmann-Weg",VI, (Sächsische Schweiz)
1907 1.Beg.Falkenstein "Neuer Westweg",VIIa, (Sächsische Schweiz)
1908 1.Beg.Campanile Basso-Südwestverschneidung "Fehrmannverschneidung",V-,460 HM,2883 m, (Brenta)
1908 1.Beg.Kleine Zinne-Direkte Nordwand "Fehrmannkamin",V,2857m, (Sextener Dolomiten)
1908 1.Beg.Stabelerturm-Südwand-Südwandkamine "Fehrmann/Perry-Smith-Führe",IV+,120 HM,2805 m, (Vajolettürme,Rosengarten)
1.Beg.Steinschleuder-Südweg,VI, (Sächsische Schweiz)
1.Best.Großer Wehlturm, (Sächsische Schweiz)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu
Dr. Rudolf Fehrmann (+)
Am 15. 2. 1947 schied mit Rudolf Fehrmann (Alpenvereinssektion Dresden) ein großer und wahrer Bergsteiger aus diesem Leben, der in den Dolomiten durch die 1. Beg. des Fährmannweges an der Guglia di Brenta und der 1. Beg. des Westlichen Nordwand-Kamines an der Kleinen Zinne (1909) bekannt geworden war. Er gehörte nach Oskar Schuster zu den bekanntesten Erschließern des Sächsischen Felsengebirges (Sächsische Schweiz). Zusammen mit dem Amerikaner Perry-Smith war er richtungweisend für das Aufkommen der schweren Wandkletterei. Ihm verdankt das Sächsische Felsengebirge den Begriff „sportlich einwandfrei" und die einzig dastehende Sauberkeit und Ehrlichkeit des Steigens. Sein bleibendes Werk und zugleich stete Erinnerung an ihn ist sein vorbildlicher Kletterführer ,,Der Bergsteiger im Sächsischen Felsengebirge", der in den Kreisen der sächsischen Bergsteiger seit 4 Jahrzehnten allgemein „der Fehrmann" heißt.
Wolfgang Herberg.
Quelle: DAV Mitteilungen 1949, Heft 7, Seite 55
siehe Anhang
Quelle: Mitteilungen des DAV 1967, Heft 2, Seite 66
siehe Anhang
Quelle: Der Bergsteiger 1983, Heft 3, Seite 32 f
100. Geburtstag zweier Pioniere des Freikletterns
Von Dr. Lucia Zelenka
Altaussee, der Geburtsort von Paul Preuß, stand von August bis Oktober unter dem Motto „Paul Preuß — ein Phänomen". Erstmals hatte 1968 (= 55. Todestag) eine italienische Gruppe durch die Initiative des Preuß-Biographen Severino Casara am Grabe des Bergsteigers eine Gedenkfeier gehalten; seitdem hängt am Grabstein ein kleines Buch, in das sich jeder Grabbesucher eintragen kann. Damals waren noch einige Preuß-Berggefährten anwesend — von ihnen lebt heute keiner mehr! Es war eine kleine intime Feier, der ORF war nicht dabei. Grund für die große Preuß-Feier im vergangenen Sommer bzw. Herbst war: Reinhold Messner hat diesem „Pionier des Freikletterns" zum 100. Geburtstag ein Buch gewidmet und ihm darin eine gewisse Vorbildwirkung für sich selbst bescheinigt. Altaussee würdigte dieses Ereignis entsprechend! Im Heimatmuseum sah man eine eindrucksvolle Sonderausstellung: Von der Geburtsurkunde über literarische und fotografische Dokumente bis zu Ausrüstungsstücken von Paul Preuß persönlich bzw. aus seiner Zeit. Preuß war ja in seiner kurzen, kometenhaften Bergsteigerlaufbahn nicht nur Felskletterer, er war auch Eisgeher (Westalpen) und Skibergsteiger! Ein Schauklettern in der Trisselwand fand statt und ein Festabend mit Lesungen aus Messners Buch. (Das Fernsehen und die Presse waren natürlich dabei.)
Am 31. Oktober ein neuer Höhe-punkt: Messner kam direkt aus dem Himalaja nach Altaussee! (Natürlich mit Fernsehen und Presse.) Zu Kletterdias (von Einheimischen beige-stellt) sprach er über Paul Preuß und dessen Bezug zum heutigen „Freiklettern".
In der anschließenden Diskussion kam zur Sprache, daß Paul Preuß durchaus nicht — wie oft behauptet wegen seiner jüdischen Abstammung in der Zwischenkriegszeit totgeschwiegen wurde: Eduard Pichl und Kurt Maix, Bergsteiger und Bergbuchautoren, die heute stark im Geruche des Nationalsozialismus stehen, haben sehr wohl die Bergsteigerpersönlichkeit von Paul Preuß gewürdigt!
Es kam dann die Rede auch auf Rudolf Fehrmann, ebenfalls 1886 geboren. Er war vor allem bekannt als. „Vater des Elbesandsteinkletterns", schrieb schon 1908 einen Führer auf die dortigen Kletterfelsen und katalogisierte darin auch „Regeln des sportlichen Kletterns ohne künstliche Hilfsmittel". Außerdem war Fehrmann auch Erschließer spektakulärer Kletterrouten in den Alpen (z. B. N-Wand der Kleinen Zinne). — Hat er Paul Preuß gekannt? — Sicher kannte er dessen 1911 entfachten „Mauerhakenstreit"!
1913 starb Preuß einen jähen Bergsteigertod an der Manndlkogel-Nordkante beim Versuch der Erstersteigung. — Was blieb ihm erspart? Ein Heldentod an der Dolomitenfront? Verfolgung in der Hitler-Zeit? — Rudolf Fehrmann blieb nichts erspart: 1947 (also vor 40 Jahren) starb er in einem sowjetischen Internierungslager und wird — wie Messner sagte — in seiner sächsischen Heimat derzeit totgeschwiegen.
Quelle: Edelweiss Nachrichten 1987, Heft 1, Seite 4
Quelle: Jahrbuch für Touristik 1954, Seite 73 f
Quelle: Mitteilungen des DAV 1967, Seite 42 ff
Quelle: Mitteilungen des DAV 1981, Seite 273 f und 287
Quelle: Bergwelt 1986, Heft 10, Seite 22 ff
Geboren am:
22.06.1886
Gestorben am:
06.03.1948
Fehrmann Rudolf - Bergsteiger 1983-3, Seite 32.pdf
Fehrmann Rudolf - DAV Mitteilungen 1967-2, Seite 42.pdf
Erste Route-Begehung