Oertel Eugen
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Biografie:
60. Geburtstag. Oberlandesgerichtsrat Eugen Oertel in München wird am 16. Juli sechzig Jahre alt.
Oertels Name ist fest und enge mit der Entwicklung der neueren, führerlosen Hochtouristik, insbesondere des alpinen Schilaufs verknüpft, am engsten aber — fast bis zur gedanklichen Gleichsetzung - mit der Alpenvereinssektion Bayerland, verbunden, der ersten ausgesprochen bergsteigerisch eingestellten Sektion unseres Vereins, in der er 1897 und 93 als zweiter Vorstand wirkte, um sie nach seiner Berufung nach München (1902) endgültig zur Hochtouristensektion umzugestalten und (mit einjähriger Unterbrechung) sie von 1903—1920 als 1. Vorsitzender zu leiten und ihr den Stempel seiner energischen, zielbewußten und temperamentvollen Persönlichkeit aufzudrücken. Seit 1920 steht er als Ehrenvorsitzender noch immer den Sektionsgeschicken nahe, in die er vor kurzem nochmals eingriff und die Gründung und Leitung der Altherrenschaft übernahm. Oertels bergsteigerische Hochleistungen liegen — von verschiedenen Neutouren, insbesondere in der Pala abgesehen — auf dem Gebiet des alpinen Schilaufs, von denen insbesondere seine frühe Durchquerung der Oetztaler Alpen (1906), wobei in 8 Tagen 60 km auf Schiern zurückgelegt und 9 Dreitausender bestiegen wurden, und die 1907 geglückte elfte führerlose Winterersteigung des Montblanc auf Schiern bekannt wurden. Die Lawinengefahr fand in ihm ihren besonderen Beobachter: Mit der von ihm angegebenen Lawinenschnur gab er dem Bergsteiger das einzige Mittel an die Hand, ihr zu begegnen, ein für die „Bergwacht" verfaßtes Büchlein über die „Lawinengefahr" ist neben zahlreichen, meist theoretischen Schriften, das Ergebnis seiner Studien und Überlegungen. Als Mitbegründer des 1. bayer. Schneeschuhbataillons und einer seiner Kompagnieführer in den Vogesen und den Dolomiten und später als Leiter des Gebirgs-Patrouillenzuges im Allgäu diente er mit der Fülle seiner alpinen Erfahrungen als Hauptmann dem Vaterlande. Innerhalb des D. u. Oe. A. V. ist er vor allem durch sein unermüdliches Auftreten als Vorkämpfer um die Gleichberechtigung der Wintertouristik (auf den Hauptversammlungen 1905, 1909 und 1913) bekannt geworden und mehr noch durch sein Eintreten für die bergsteigerischen Belange innerhalb des Alpenvereins, das mit der erfolgreichen Einbringung der sogenannten „Nürnberger Leitsätze" begann und mit der Gründung der „Bergsteigergruppe", die 1920 die Verteidigung und den Ausbau dieser Forderungen unter Oertels Führung übernahm, fortgesetzt wurde. Die bei aller Herzenswärme kühle und überlegte Art Oertels machte ihn zum erfolgsicheren und gern gehörten Anwalt seiner Grundsätze und Forderungen. Und wenn er sich auch heute vom „Kampfplatz", Jüngeren platzmachend, zurückgezogen hat, so ist er doch poch immer — natürlich auch als eifriger, aktiver Bergsteiger — trotz seiner „60" in alter Frische auf dem Plan. Wir hoffen und wünschen, daß die Berge und die „alpine Tat" — der sein Werben und Wirken die Hälfte seines Lebens gewidmet war — ihn weiter tätig, tapfer, tüchtig, treu seiner Sache, unserer Sache erhalten mögen.
W. S.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1927, Seite 155
Eugen Oertel (+)
Am 21. Mai 1944 starb in München im 76. Lebensjahre Oberlandesgerichtsrat i. R. Eugen Oertel, der langjährige erste Vorsitzende der Sektion Bayerland des A. V., weilen Kreisen bekannt als Vertreter der schärferen Richtung im Alpinismus und als unentwegter Vorkämpfer für die Erhaltung der Ursprünglichkeit der Alpennatur und die Einfachheit der Bergsteigersitten und alpinen Einrichtungen.'
Oertel war eine Führernatur. Seine lautere Gesinnung und vornehme Wesensart, seine Begeisterungsfähigkeil und gewinnende Persönlichkeit schufen ihm zahlreiche Freunde und Anhänger. Als Mensch und Bergsteiger war er vielseitig und doch gründlich, im Verfolgen einer als recht erkannten Sache furchtlos und unermüdlich. Mit besonderer Liebe war er dem alpinen Schilauf zugetan. Seine Besteigung des Montblanc mit Schiern (1907), in einer Zeit, in der diese an Viertausendern noch wenig verwendet wurden, war eine Pioniertat und hat seinerzeit über alpine Kreise hinaus berechtigtes Aufsehen erregt.
Oertel war auch literarisch tätig. Die von der Sektion Bayerland herausgegebene und weit verbreitete Anweisung über Seilanwendung verdankt ihm Entstehung und Ausbau.
Sein Gedächtnis als Bergsteiger ist bewahrt in der (31. 7. 1905 mit M. Hofmüller) erstmals von ihm durchstiegenen Westwand der Vezzana, die wie ein ungeheures Schild über den grünen Matten des Rollepasses steht.
Oertels Name ist unvergänglich in die alpine Geschichte eingegangen.
Josef Itlinger.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1947, Folge 1236; Seite
Oertel Eugen, München
Bildquelle: Geschichte der Sektion Bayerland
Oertels Name ist fest und eng mit der Entwicklung der neueren, führerlosen Hochtouristik, insbesondere des alpinen Schilaufs verknüpft. Er war eng mit der Alpenvereinssektion Bayerland verbunden, in der er 1893 und 1897 als zweiter Vorstand wirkte, um sie nach seiner Berufung nach München (1902) endgültig zur Hochtouristensektion umzugestalten und mit einjähriger Unterbrechung sie von 1903—1920 als 1. Vorsitzender zu leiten und ihr den Stempel seiner energischen, zielbewußten und temperamentvollen Persönlichkeit aufzudrücken. Ab 1920 stand er als Ehrenvorsitzender noch immer den Sektionsgeschicken nahe und übernahm die Gründung und Leitung der Altherrenschaft.
Oertels bergsteigerische Hochleistungen liegen,von verschiedenen Neutouren, insbesondere in der Pala abgesehen,auf dem Gebiet des alpinen Schilaufs.Für die „Bergwacht" verfaßte er ein Büchlein über die „Lawinengefahr". Auch mit 60 Jahren ist er noch immer ein eifriger, aktiver Bergsteiger.
1898 2.Beg.Fleischbank-Nordgrat,II-III,800 KM,2187m, (Wilder Kaiser)
1906 Skidurchquerung Ötztaler Alpen,8 Tage,60 km,9 Dreitausender, (Ötztaler Alpen)
1906 1.Beg.Kleinkaiserl-Westgrat „Oertel-Variante",2216m, (Kaisergebirge) / 08.09.1906
1907 11.Skibest.Montblanc,4807m, (Montblancgebiet)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu
Geboren am:
16.07.1867
Gestorben am:
21.05.1944
Erste Route-Begehung