Fuchs Rudolf
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Biografie:
Rudolf Fuchs
*5. Jänner 1893 — (+) 29. November 1968
Die Rückfahrt vom Klubtreffen in Kufstein — Mitte Oktober 1968 — unterbrechend, stiegen wir vom Arthurhaus auf den Hochkeil. Es war ein strahlender Herbsttag, und mit leuchtenden Augen sah Rudl Fuchs zu den Bergen auf, denen sein Herz gehörte. Glockner und Bischofsmütze grüßten herüber, Pfeiler in seinem Bergsteigerleben. Wir wußten, daß er diese Herrlichkeiten nicht mehr lange sehen werde.
Ob auch Rudl sich dessen bewußt war? Mannhaft bemühte er sich, seinen Zustand zu verbergen und ging gefaßt seinem Ende entgegen.
Was Rang und Namen hat unter den Bergsteigern und Schifahrern der Steiermark nahm teil an Rudolf Fuchs' letztem Weg. Kaum einer von Rudis Freunden vom Österreichischen Alpenklub, vom Alpenverein und von den alten „Turnerbergsteigern" fehlte, die „Preinthaler" hatten eine Abordnung gesandt. Es galt, Abschied zu nehmen von einem Mann, der keine Feinde hatte.
Rudolf Fuchs war aber durchaus kein einfach zu nehmender Mensch. Von ausgeprägter Meinung, ging er nie von seiner Überzeugung ab. Daß er es in seiner Zeit durchaus nicht leicht hatte, braucht nicht betont zu werden.
Anfänglich in der Industrie als Ingenieur tätig, wurde Fuchs nach dem ersten Welt-krieg selbständiger Unternehmer und verband technisches Wissen mit seiner Erfahrung als Bergsteiger. Eine Reihe von Erfindungen auf diesem Gebiet machten seinen Namen weithin bekannt. Stahlkanten für Schier, lange bevor sie Allgemeingut wurden, und vor allem sein Schuhbeschlag, die „Klauennägel", leicht und griffig, dienten uns viele Jahre.
Die Weiterentwicklung auf diesem Gebiet überrollte ihn und seinen Einmannbetrieb — nur seine tapfere Frau stand ihm zur Seite —, doch ungebeugt arbeitete er sich durch, nie kam ein Wort der Klage über seine Lippen.
Als Bergsteiger war Rudl von alter Schule. Hohe und Niedere Tauern und der Dachstein waren seine Lieblingsgebiete. Viele Gipfel hat er dort auch im Winter erstiegen, so den Großglockner über den Stüdlgrat und die Bischofsmütze, zu einer Zeit, als dies noch nicht so üblich war wie heute. Meisterhaft bewegte er sich im vereisten Fels, und gerne überließen ihm da auch Jüngere den Vortritt. Er ging ja überhaupt fast immer an der Spitze, sei's mit seinem zügigen Berglerschritt, sei's spurend im tiefen Schnee. Kritisch war er beim Anlegen einer Trasse; wehe dem, der hier nicht nach seinem untrüglichen Sinn ging!
Die Schier beherrschte Fuchs bis ins hohe Alter, und weitberühmt war sein Telemark, den er in jedem Gelände und bei jedem Schnee zu fahren verstand.
Was aber Rudolf Fuchs vor allem auszeichnete, war seine menschliche Haltung. Wie schon angedeutet, ging es ihm wirtschaftlich nicht immer gut. Wer hätte es ihm da verübeln können, wenn er mehr an sich gedacht hätte. Doch die Arbeit für Volk und Heimat, für die Bergsteigervereine und seine zahllosen Freunde war stets im Vordergrund. Nie hat er etwas für sich gefordert, doch immer hat er gegeben! Wenige Tage vor seinem Tod machte er sich um die Schimarkierungen in seinen geliebten weststeirischen Bergen Sorge, kümmerte er sich um die Schutzhütten des Alpenvereines, dem er mehr als 50 Jahre angehörte. Er war Mitglied Nr. 64 unseres Klubs und stand 41 Jahre in den Reihen der „Preinthaler".
Für Fuchs galten nicht die Worte seines Lieblingsdichters Hans Klöpfer: „Bol i'n Stodl deckt hon, rost i aus!". Fuchs ist trotz eines langen Lebens, reich an Arbeit und Mühe, nie mit seinem „Stodl" fertig geworden, und er wollte es wohl auch nicht. Was wäre für ihn, den tätigen Mann, ein Dasein ohne Aufgaben gewesen? Das Schicksal hat es ihm nicht leicht gemacht. Aber die Liebe und Anerkennung seiner Freunde und die Berge, die bis in seine letzten Tage leuchteten, mögen ihm vergolten haben, was ihm das Leben an äußeren Gütern schuldig geblieben ist.
Zahlbruckner
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1969, Juli/August, Folge 1366, Seite 105-106
Geboren am:
05.01.1893
Gestorben am:
29.11.1968