Felix Simon

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Biografie:
Felix Simon 75 Jahre.
In Leipzig vollendete Felix Simon am 7. Oktober 1961 sein 75. Lebensjahr. In Sachsen und unter seinen Bergfreunden wird er nur „Lixer" genannt. Er hat in seinem tatenreichen Bergsteigerleben alle Gebiete der Alpen besucht. Vor dem Ersten Weltkrieg war er beruflich in Wien, hier begann Lixer seine ersten Schritte im Fels, die Rax und das Gesäuse waren da sein Übungsfeld. Im Jahre 1910 kehrte er wieder in seine Heimat nach Leipzig zurück. In der Nähe von Leipzig, wo einst die Steine für das Völkerschlachtdenkmal gebrochen worden sind, entdeckte er diesen alten Steinbruch, und dieser wurde prompt zum Klettergarten der Leipziger Kletterer, Aber ihn lockten schönere Felsenzinnen, und wo kann sie ein Sachse besser finden als im Elbsandsteingebirge. Nur wer selbst dieses Kleinod der sächsischen Bergsteiger kennt, kann ermessen, mit welcher Liebe wir an diesem Gebirge hängen und wie viele gute Alpinisten aus unseren Reihen kamen, Es ist das Gebirge der ungeschriebenen und strengen Gesetze, wo auch heute noch ohne künstliche Hilfsmittel geklettert wird. Eine Schilderung über Lixer wäre jedoch unvollständig, ohne seiner treuen Ehe- und Seilgefährtin Else (genannt „Jette") zu danken, denn auch sie vollendet am 7. Dezember 1961 ihr 75. Lebensjahr und ist seit 1913 seine Ehefrau. Diese tapfere Frau hat mit Lixer viele Wege und Wände durchstiegen, selbst im Eis der Viertausender war sie seine Seil-gefährtin. Eine besondere Liebe hatten die beiden immer für die schroffen Wände des Wilden Kaisers, der Berchtesgadner Alpen und für die Walliser Alpen. Im Kaiser dürfte wohl kein Gipfel stehen, der nicht von den beiden erstiegen wurde, auch über schwere Routen.
Die 9. Begehung der Laliderer Nordwand war Lixers erster großer Erfolg. Später folgten die Erstbegehungen der Nordwand am Monte Pelmo, der Direkten Ostwand der Pala di San Martino, der Direkten Westwand der Cima di Canile, der Südwestwand der Cima del Coro und der Südwand der Cima dei Lastei. Sein Bergfreund war damals oft Fritz Wießner, der am K2 hervorragendes geleistet hat.
Felix war 1932 Teilnehmer der deutsch-österreichischen Nanga-Parbat-Expedition. Hier waren es wiederum Felix Simon und Fritz Wießner, die die meiste Arbeit bei der Vorbereitung zum Gelingen der Expedtion geleistet haben. Lixer war immer sehr bescheiden und würde nie von sich reden machen, so wie es sich eben für einen aufrichtigen Bergsteiger gehört. Seine Bergerlebnisse hat Lixer in seinem spannenden und schönen Buch „Felstürme und Eiswände" (Vorn Elbsandstein zum Eis des Nanga Parbat) geschildert.
Mit fast 50 Jahren durchstieg Lixer mit seinem Freund Max Dathe die Große-Zinne-Nordwand. Im Sommer 1955 (fast 69jährig) durchstieg er mit seiner Frau die Watzmann-Ostwand über den klassischen Kederbacherweg. Ein Jahr später sah man das Ehepaar Simon wieder durch diese Ostwand steigen, diesmal über den Salzburger Weg.
Auch heute noch zählt das Ehepaar Lixer zu hervorragenden Bergsteigern, sie klettern in der Sächsischen Schweiz noch die schwersten Wege: Das Totenkirchl, der Watzmann und das Matterhorn waren eure Lieblingsberge, sie sollen euch zu eurem Ehrentage grüßen und euch noch viele Jahre in den Bergen künden, und diesen Wünschen schließen auch wir uns an, die wir eure Gefährten im Fels und im Eis waren.
Ernst Sturm
DAV-Sekt. Dresden und Alpenklub Berggeist
Quelle: Der Bergsteiger 1961-62, Heft 2 November, Seite 142-143


Felix Simon (+)
Am 11. Dezember 1966 fiel Felix Simon in Leipzig einem Verkehrsunfall zum Opfer, nachdem er kurze Zeit vorher seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Felix Simon War einer der tüchtigsten Elbsandsteinkletterer und bedeutenden Alpinisten zwischen den beiden Weltkriegen. Bewundernswert war seine großartige Leistungsfähigkeit am Berg bis ins hohe Alter. 1907 bis 1910 lebte er in Wien und begann hier mit dem Bergsteigen und Skilaufen. Dann kehrte er wieder in seine Heimatstadt Leipzig zurück. Aus seinem umfangreichen Tourenbuch seien nur einige Fahrten aufgeführt: dreimal direkte Totenkirchl-Westwand, Laliderer-Nordwand, Schlüsselkarspitze-Südwand, Montblanc-Peutereygrat. Die bedeutendste seiner Erstbegehungen in den Dolomiten war, gemeinsam mit Roland Rossi, 1924 die Pelmo-Nordwand. 1932 nahm er mit Fritz Wießner an der ersten Nanga Parbat-Expedition von der Rakiotseite teil. Fast schon fünfzigjährig durch-kletterte er mit Max Dathe die Nordwand der Großen Zinne und kurz vor seinem 70. Geburtstag führte er den Salzburger Weg durch die Watzmann-Ostwand und meisterte noch den Schwierigkeitsgrad V. Begleiterin war — wie auf vielen Fahrten — seine fast gleichalte Frau.
Mit Felix Simon verlor das sächsische Bergsteigertum einen der letzten Großen.
Quelle: Mitteilungen des DAV 1967, Heft 1, Seite 27

Felix Simon
7. Oktober 1886 — (+) 12. Dezember 1966
Bergfreund Simon war der glücklichste Mensch, den ich kannte. Er gehörte zu den ganz Großen, Erhabenen und Führerlosen, die Bewunderung verdienen.
Schon frühzeitig, um die Jahrhundertwende, lernte Felix Simon als Leipziger die Felsen im Elbsandsteingebirge kennen und fühlte sich zu ihnen hingezogen.
Dem Umstand, eine Zeit in Wien tätig sein zu müssen, verdankte er, 1907 dort die Mödlinger Kletterschule kennenzulernen und auch in der Wiener Umgebung mit den Bergen bekannt zu werden. Von da an war er den Bergen in Sehnsucht und Liebe zugetan und wurde, wie wir später erkannten, der fähigste Felsgeher. Daß Felix Simon dann in seiner Lebensgefährtin eine echte Bergkameradin fand, konnte verständlicher-weise seine Neigung zur Bergwelt nur vertiefen und ihn noch mehr anspornen.
Er fand nach seiner Rückkehr nach Leipzig einen alten Steinbruch, der — und das ist er auch heute noch — als Kletter-Übungsgarten geeignet war. So wurde auch im Flachland fleißig trainiert, und alljährlich waren Simons im Sommer oder Winter dann in den verschiedensten Alpengebieten bei Bergtouren oder Kletterfahrten und auch beim Schilaufen zu finden.
Ob im Kaiser oder in den Dolomiten, in den Westalpen oder sonst noch wo, überall waren Simons aktiv und wurden bekannt.
Auch eine große Zahl markanter Erstbegehungen am Fels stehen in seiner Chronik; ich nenne nur:
Monte Pelmo, Nordwand, bestiegen am 11. und 12. August 1924, Simon, Rossi; Cima Canali, Westwand, am 28. Juli 1927, Simon, Wießner;
Pala di San Martino, Ostwand, direkter Weg, am 30. Juli 1927, Simon, Wießner; Cima del Coro, Südwestwand, am 3. August 1927, Simon, Wießner, Kees; Cima die Lastei, Südwandweg, am 5. August 1927, Simon, Wießner, Kees.
(Diese Touren sind sämtliche in seinem Buch „Felstürme und Eiswände" geschildert.) Besonders herausragend ist seine Besteigung der Großen-Zinne-Nordwand am 28. Juli 1936 mit seinem Tourengefährten M. Dachte, die er als bereits 50jähriger Mann noch bewältigte.
Sogar in Indien am Nanga-Parbat war Felix mit einer der ersten. Wenn auch den tapferen Männern damals der Gipfelsieg noch versagt blieb, so waren er und seine Kameraden doch Wegbereiter und Pioniere am sogenannten Schicksalsberg der Deutschen.
Über allem aber war unser Freund Felix doch seinen heimatlichen Felsenbergen an der Elbe treu und traf sich oft dort bis in sein hohes Alter, ständig begleitet von seiner ebenso tüchtigen und treuen Frau und Kameradin, mit vielen seiner Freunde zu frohem und besinnlichem Felsklettern.
Aber noch zweimal zwang ihn die Sehnsucht zu den alpinen Bergen. So gingen die beiden bergtreuen Menschen 1954 und 1955 zum Königsee und Watzmann und erkletterten die Ostwand als 69jährige über den Kederbacher Weg, und mit 70 Jahren den Salzburger Weg benutzend, zum Gipfel, wo es mit Leipziger Freunden ein herzliches Treffen gab.
Damit setzten die Freunde wahrhaftig sich selbst ein Denkmal, was wohl einmalig in der Bergsteiger-Geschichte sein dürfte. Wir, ihre Bergfreunde, bewunderten immer, wie beide in solch hohem Alter diese Leistungen noch zuwege brachten. Beide erfreuten sich bis in unsere Tage, dank ihrer soliden und vernünftigen Lebensart, guter Frische und Gesundheit, wozu ihnen wohl die Berge mit verholfen haben mögen. Dessen waren sich beide auch immer bewußt und dafür auch dankbar. Da unser „Lixer" in seiner netten und bescheidenen Art allen seinen Freunden ein gutes Vorbild war und viele und schöne Erlebnisse in den Bergen gesammelt hatte, wurde er von ihnen oft ermuntert, diese in einem Buch für uns alle, die ihn gern hatten, und darüber hinaus für die tatendurstige Jugend, der er auch ein guter Lehrmeister und Berater war, niederzuschreiben. Dies tat er dann auch, und 1957 erschien sein Werk „Felstürme und Eiswände" im Brockhaus-Verlag Leipzig.
Mit diesem Buch hat er, sicher allen verständlich, das „Hohelied" nicht nur auf die Berge — von der Sächsischen Schweiz bis zum Nanga Parbat —, sondern auch auf alle seine Kameraden angestimmt.
Felix war ein Klassiker der Berge und blieb es bis zu seiner letzten Tour. Das hat ihm viele Freunde und Anhänger, noch besser Verehrer und Bewunderer, verschafft. Und doch war er trotz seiner „Größe" ein schlichter und bescheidener Mann. Er hat sich nie hervorgetan oder sich besser gedünkt als andere. Bei ihm gab es auch keinen Unterschied — ob alt oder jung, ob arm oder reich. Mit jedem war er gut Freund.
Der herrlichste Beweis hierfür war sein 75. Geburtstag, der natürlich — wie konnte es auch anders sein — am 7. Oktober 1961 auf und am Rauschenstein (Sächsische Schweiz) von vielen seiner Freunde mit ihm begangen wurde.
Ein unvergeßlicher Tag für alle, die zur Gratulation auf dem Rauschenstein bei Schmilka zugegen waren.
Mit frohem Gesang wurde „Lixer" auf dem Gipfel empfangen, und auch seine treue „Jette", die immer noch felstüchtig war, konnte ihn mit ihren fast 75 Jahren in die Arme schließen.
Als Geschenk fand er im Kreise der Freunde ein „Ehren-Gipfelbuch" in kupferner Kassette zur Eintragung vor, welches wohl den Namen „Chronik der Kameradschaft" verdient hat. Im pergamentenen Einband prangten verehrende, bewundernde und dankende Widmungen mit Photos, die sowohl in Schönheit als auch in Seltenheit wertvoll bezeichnet werden können.
An erster Stelle befand sich eine herrliche Widmung auf einem Ehrenblatt vom "Österreichischen Alpenklub", dem unser Freund Felix Simon fast 42 Jahre als treues Mitglied angehörte. Ferner viele Namen aus aller Welt von Bergfreunden, wie F. Wießner, P. Aschenbrenner, W. Flaig, A. Bitterling, H. Hofmann, H. Rösler, W. Gebürtig, Hentschel, Wünsche, Dathe und viele andere mehr. — Alle, die sich in Freundschaft mit ihm verbunden fühlten.
Bei schönem Sang und Klang ging die herrliche Feier dann im Walde zu Ende.
Trotz dieser 75 Jahre gab unser Freund noch nicht auf. Obwohl er auf Zureden von Bekannten einmal geäußert hat, er wolle nun nur noch wandern, ließ er es sich doch nicht nehmen, weiterhin am Seil die schönsten Felsengipfel zu besteigen. Und er tat es bis zu seinem 80. Lebensjahr. Getreu seinen Vorsätzen, ging er noch sauber und exakt, so, wie er es selbst war.
Ich selbst als sein Bergfreund — wir hatten uns 1937 im Winter in Kurzras (Schnalser Tal, Südtirol) kennengelernt, und ich wurde von ihm im Steinbruch und am Prebischkegel (Sächsische Schweiz) am Felsen eingeführt — hatte das Glück, nach vielen schönen Bergjahren, auch mit ihm im Spätsommer 1966 die letzten Felstouren zu gehen und mit ihm das gleiche Glück am Berg zu empfinden und kameradschaftlich mit ihm verbunden zu sein. Am Gipfel des Großen Zschiernsteins sprach er bei der Rast von Liebe zu den Bergen, und ich glaube, sie hat ihm auch so lange die Kraft gegeben Immer galt sein Wahlspruch und Gipfelgruß: Wie sich die Welt auch wandeln mag, rastlos im Weben und Streben, Bergvolk und grüne Bergeswelt haben ewiges Leben!
Sein 80. Geburtstag verlief, seinem Wunsch gemäß, ruhig und ohne Aufsehen aber einen Tag später, am 8. Oktober 1966, trafen wir ihn in seinem geliebten Klettergarten in Brandis bei Leipzig am Kohlenberg, wo er, wie er verschmitzt sagte, soeben die „Piazwand" — eine Übungswand — allein erklettert hatte. So war unser „Lixer".
Im November 1966 hatte er noch einmal das Glück, seinen früheren Felskameraden Fritz Wießner, der in Deutschland weilte, in Dresden zu treffen, wo es ein glückliches Wiedersehen gab. Leider war ein geplanter gemeinsamer Besuch der Sächsischen Schweiz nicht möglich, und es blieb beim Freundestreffen.
Sein 60jähriges Bergjubiläum, auf das er sich freute, erlebte er 1967 nicht mehr. Welche Ironie des Schicksals. — Am 12. Dezember 1966 verunglückte er auf der Straße unweit seiner Wohnung und verstarb an den Folgen.
Unter großer Anteilnahme seiner Freunde aus nah und fern und vieler ihn verehrender Menschen wurde er in seiner Heimatstadt Leipzig feierlich zu Grabe getragen. Diese Lücke im Kreise der Freunde wird sich nie wieder schließen.
Er war uns ein-Vorbild, und wir können ihm nur nacheifern, soweit uns dazu Kraft gegeben ist.
Wir werden ihn nie vergessen, denn er war uns stets ein guter Kamerad.
Herbert Kögel
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1967, Mai/juni, Folge 1353, Seite 67-69

Simon Felix „Lixer“, * Leipzig, 1907 bis 1910 Wien, + Leipzig (Sachsen),Verkehrsunfall,
Bildquelle :Archiv DAV
1909 Beg.Hochtor-Nordwand,2369m, (Ennstaler Alpen)
1909 Beg.Rax „Wiener Neustätter“, (Rax)
1924 1.Beg.Monte Pelmo-Nordgipfel-Nordwand „Rossi-Simon“,VI,880 Hm,3168m,
(Ampezzaner,Dolomiten)
1926 1.Beg.Pala di San Martino-Direkte Ostwand „Simon-Wießner”,V,2987m, (Pala,Dolomiten)
1927 1.Beg.Cima di Canali Direkte Westwand „Simon-Wießner“,VI-,500 HM,2897m, (Pala,Dolomiten)
1927 1.Beg.Cima del Coro-Südwestverschneidung „Simon,Wießner,Kees“,V+,2706m, (Pala,Dolomiten)
1927 1.Beg.Cima del Lastei-Südwand „Südwandweg“,V,1100 HM,2844m, (Val Canali,Pala,Dolomiten)
1928 Best.Pic Central de la Meije,3983m, (Dauphiné)
1928 12.Beg.Montblanc-Peutereygrat über Aguille Blanche,4807m, (Montblancgebiet)
1931 Beg.Montblanc-Brenvaflanke-Mooresporn,III-IV,50°,1500 HM,4807m, (Montblancgebiet)
1931 Beg.Weishorn-Ostgrat,4505m, (Walliser Alpen)
1932 Teilnehmer Nanga Parbat Expedition,(Karakorum)
1935 9.Beg.Einserkofel-Nordpfeiler Nordkante „Weg der Jugend“,VI-/A1,800 HM,2698m,
(Sextener Dolomiten)
1936 7.Beg.Rosengartenspitze-Direkte Ostwand „Steger“,VI-,600 HM,2981m, (Rosengarten,Dolomiten)
1936 Beg.Große Zinne Nordwand „Comiciführe“,VI+,400 HM,2999m, (Sextener Dolomiten)
1936 Beg.Einserkofel-Direkte Nordwand „Stegerweg“,V-VI,900 HM,2698m, (Sextener Dolomiten)
1954 Beg.Watzmann-Ostwand „Kederbacher-Weg“,2713m, (Berchtesgadener Alpen)
1955 Beg.Watzmann-Ostwand „Salzburger-Weg“,2713m,(Berchtesgadener Alpen)
1959 Beg.Blaueisumrahmung, (Berchtesgadener Alpen)
1959 Beg.Watzmann-Ostwand „Berchdesgadener Weg“,2713m, (Berchtesgadener Alpen)
1959 Best.Totenkirchl,2193m, (Wilder Kaiser)
Beg.Schüsselkarspitze-Südwand,2538m, (Wetterstein)
9.Beg.Laliderer-Nordwand,2615m, (Karwendel)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Geboren am:
07.10.1886
Gestorben am:
12.12.1966