Warta Otto

(Bearbeiten)

Biografie:
abgestürzt am Gletscherhorn (Schweiz)

1927 1.Beg.Großer Buchstein Westanstieg "Wenger Steig-Variante",2224m,
(Ennstaler Alpen,Gesäuse)
1928 2.Beg.Angerstein-Südgipfel-Östlicher Südwestwandkamin,2080m, (Dachsteingebirge)
1948 1.Winterbeg.Admonter Reichenstein-Nordostwand "Pfannl-Maischberger"; 2251m,
(Ennstaler Alpen,Gesäuse)
Gerd Schauer

Otto Warta
Anfang September 1949 erhielten wir die Nachricht, daß Otto Warta mit seinem Kameraden Robert Zika im Berner Oberland tödlich verunglückt sei. Wir wollten es nicht glauben, und doch war es wahr.
Nach einem Bericht der Rettungsstation SAE. Lauterbrunnen waren die Verunglückten am 20. August 1949 zur Rottalhütte mit der Absicht aufgestiegen, von dort aus während zwei bis drei Tagen Touren zu unternehmen. Am 21. August 1949 wollten sie eigentlich nur rekognoszieren und waren dann doch in die Gletscherhorn-Nordwand eingestiegen, um etwa 18 Uhr wurden sie vom Bergführer Hans von Allmen auf der Route Welzenbachs ungefähr an der Stelle gesichtet, wo im obersten Wandteil nach links gegen den Grat ausgewichen wird. Sie bewegten sich nach Angabe des Führers nur langsam aufwärts, und zwar von der Gipfelfallinie deutlich nach links abweichend in Richtung auf den Grat, welcher Gletscherhorn und Lauihorn verbindet. Dort hätten sie sich noch weit unter der Grathöhe befunden. Er mußte vermuten, daß die beiden vor Einbruch der Nacht weder den Gipfel noch den Grat erreichen würden, also zu einem Biwak in der Wand genötigt wären.
Als die beiden nicht ins Tal zurückkehrten und feststand, daß sie weder in der Concordiahütte noch in der Nottalhütte eingelangt waren, wurde am 26. August 1949 die Rettungsstation Lauterbrunnen alarmiert. Am 28. August 1949 wurde nach systematischer Suche durch mehrere Partien Otto Warta im Bergschrund der Gletscherhorn-Nordwand gefunden. Von Robert Zika konnte jedoch nicht die geringste Spur gefunden werden, auch spätere Suchaktionen blieben erfolglos.
Otto Warta wurde am 10. September 1903 geboren und war Lokomotivführer der Österreichischen Bundesbahnen. In seiner frühesten Jugend verschrieb er sich schon den Bergen und wurde Alpinist mit Leib und Seele. Unbändiger Wille, Energie und Ausdauer waren für seine großen Erfolge als Bergsteiger bestimmend. Er brachte es sowohl im Fels als auch im Eis zur gleichen Meisterschaft.
Noch sehe ich Otto vor mir mit seinen strahlenden Augen, als wir uns auf dem Gipfel der Fleischbank nach erkämpftem Sieg über die Südostwand die Hände reichten. Es war nach einer der letzten Fahrten im Wilden Kaiser im Jahre 1940.
In sein Fahrtenbuch schrieb er damals: „Kaiser, du gabst mir Tage voll höchstem Erleben, Stunden voll Kampf und Sieg. Du gabst mir meine Jugend wieder und die Erkenntnis, — noch liegt der Weg vor mir zu neuem Wagen-- neuem Kämpfen— neuem Erleben." Otto war Zeit seines Lebens einsam und fand Erfüllung seiner Sehnsucht im Kampf und Sieg in den Bergen. In ständiger Aufwärtsentwicklung steigerte er sein Können mit zunehmendem Alter wie selten einer. Die Fahrten im Berner Oberland sollten die Krönung seiner bergsteigerischen Tätigkeit werden. Ein erbarmungsloses Schick￾sal hat es anders gewollt.
In seiner 28jährigen Bergsteigertätigkeit war es ihm gegönnt, fast alle Teile der Alpen kennenzulernen und die schönsten und größtenteils auch schwierigsten Fahrten auszuführen.
Ein Auszug aus seinem Fahrtenbuch zeigt uns, daß er einer der besten der älteren Garde war.
In den Gesäusebergen war er sozusagen zu Hause und hatte fast alle schwierigsten Fahrten ausgeführt, besonders zu erwähnen ist die erste Winterbegehung der Reichenstein-Nordwand auf Pfannls Weg.
Ebenso kannte er in der Dachsteingruppe und im Gosaukamm die größten und schwierigsten Bergfahrten, alle Südwandwege des Dachsteins, Däumling-Ostkante, Mannlkogel-Nordkante, die Riesenkamine des Angersteins usw. Im Wilden Kaiser beging er u. a. Fleischbank-Ost- und Südostwand, Christaturm-Südostkante, Totenkirchl-Westwand usw., im Wetterstein Schüsselkarspitze-Südwand u. a., im Karwendel Lalidererspitze-Nordkante. In der Glocknergruppe kannte er fast alle großen Nordwege, so auch den Welzenbachweg der Glockner-Nordwand. Aber auch in vielen anderen Gruppen der Alpen kannte er eine Reihe der bedeutendsten Anstiege — wahllos herausgegriffen: Schrammacher Nordwand, Erstbegehungen am Koschutnikturm, Triglav-Nordwand, Campanile di Val Montanaia, die Zinnen, die Vajolettürme, Schleierkante, Guglia usw. Auch in den Westalpen hatte Otto Warta schöne Erfolge in der Montblancgruppe, im Wallis (Monte-Rosa-Ostwand u. a.) und im Berner Oberland (Mönch über Nollen, Aletschhorn-Nordwand, 2. Begehung).
Alle, die wir mit Otto zu Berg stiegen und in schwierigem Fels und Eis um den Sieg kämpften, werden ihn nicht vergessen.
Dem OAK. war er seit 1929 ein treues Mitglied.
Fredl Mikeska.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1950, Folge 1249, Seite 018 - 019

Geboren am:
10.09.1903
Gestorben am:
08.1949

Erste Route-Begehung