Brecht Walther

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Biografie:
geboren in Berlin (Deutschland)
gestorben in Düsseldorf (Deutschland)

Pionier in der Cordillera Blanca zwischen 5.000 und 6.000 Meter;
Teilnehmer an der Deutschen Anden Kundfahrt unter der Leitung von Prof. Kinzl im Jahre 1939
Quelle: Archiv Proksch (Österr. Alpenklub)

Dr. -Ing. Walther Brecht (+)
Der Schilauf mit all seinen lauten und stillen Freuden führt den jungen Menschen in die Berge. Sie locken ihn durch ihre unberührte Reinheit, sie rufen ihn und sie ziehen ihn auf ihre Gipfel. Sie schenken ihm alles, was ein junges, forschendes Herz sucht: Spiel und Kampf, Sehnsucht und Erfüllung, Ohnmacht und Schwäche, selbstbewußte Kraft und das reine und befreiende Glück der Gipfelstunde. Und so wird aus dem jungen Studenten ein Bergsteiger, ein den Bergen tief innerlich verbundener Mensch. Sein Bergsteigertum wird seine Lebensentscheidung. Mit der gleichen Kraft, mit der er seinem technischen Studium obliegt, ziehen ihn in den Erholungsstunden des Wochenendes und der Ferien die Berge an. Und er erschließt sich ihnen und sie antworten ihm. Sie wecken seine polaren Kräfte und laffen ihn frühzeitig zu einer vielgestaltigen und harmonischen Persönlichkeit heranreifen. Sie erziehen ihn zur Selbstzucht, Härte und Entschlossenheit. Sie machen ihn stolz und selbstbewußt, hilfsbereit und rücksichtsvoll und sie schenken ihm ihre Heiterkeit und
ihren Ernst, jene Offenheit des Charakters und jene Lauterkeit des Herzens, mit der allein wir uns unseren Bergen nahen dürfen, und dazu eine tiefe und demütige Ehrfurcht vor der Schöpfung. Und sie beglücken ihn mit dem tiefsten Erlebnis: der Freundschaft.
So formen sie aus ihm und seinen Bergfreunden eine Seilschaft, die für das ganze Leben einander verbunden bleibt. Sans Schweizer, der Stuttgarter Studienfreund, führt sie. Mit ihm schreitet er auf dem Grat seines Bergsteigerlebens hinauf zu den lockenden unbekannten Höhen. Und sie stehen beide auf einem hohen Gipfel ihres Weges, als sie uns verlassen müssen.
Die Berge locken sie nicht mit Höhenzahlen, Schwierigkeitsgraden und Baedekersternen. Ihre Bergfahrten suchen nicht nach lauter Anerkennung und gelten nicht der Rekordsucht unserer Tage. Die großen, weiträumigen Fahrten der Erschließer der Alpen sind es, die sie anziehen. Von den Wochenendfahrten in die nahen Allgäuer Berge führt sie ihr Weg über die Firne und Grate der Tiroler Gipfel zu den Türmen und Zinnen der
Dolomiten. Dann, als Kraft, Ausdauer und Erfahrung genügend geschult sind, rufen die Westalpen. Dort gelingt ihnen im August 1938 die erste Überschreitung des Weißhorns von Süden nach Norden, eine Leistung, von der Marcel Kurz damals sagte, es sei wohl eine der wenigen klassischen Bergfahrten, die in unseren Tagen noch gemacht werden konnte.
Dem kühnen Flug ihrer Gedanken erschließen sich neue Ziele. Weit eilen sie hinaus über Kontinente und Meere in unbekannte ferne Länder und Gebirge. Die Bergfreundschäft mit Hoerlin und Schneider zeigt ihnen ihre Aufgabe. Ihr alpines Können, ihr Idealismus und ihre Zähigkeit lassen sie diese Ideen auch verwirklichen. So reisen wir im Frühjahr 1939 unter der Leitung von Professor Kinzl nach Südamerika, um in Peru den noch unbekannten Südteil der Weißen Kordillere zu erforschen. Wenn wir dabei zu den bestausgerüsteten bergsteigerischen Expeditionen gehörten, die jemals die Heimat verlassen haben, so war das in erster Linie ein Verdienst Walther Brechts. And doch war unser kostbarstes Ausrüstungsstück unsere auf so vielen Bergfahrten und im Alltag erprobte Freundschaft. Sie half uns zum Erfolg, an dem Brecht als Organisator der Reisen ebensosehr Anteil hatte wie als Bergsteiger. In der Weißen Kordillere gelang ihm die Erstbesteigung von fünf Sechstausendern (Palcaraju 6274 m, Ranrapalca 6162 m, Chinchey 6222 m, Tocllaraju 6230 m und Huascaran Pico Norte 6655 m). Daneben sammelte er für wissenschaftliche Institute Pflanzen und Insekten und trug eine vollständige Sammlung andiner Blumen zusammen. Er schuf den ersten deutschen Farbenschmalfilm, der in den Tropen aufgenommen wurde, und einen Expeditionsfilm, der noch auf seine Auswertung wartet. Sein Verdienst ist nach dem Tode von Hans Schweizer vor allem auch die Sicherung unserer wissenschaftlichen Arbeiten und die schwierige Organisation der Heimreise, die uns im Jänner 1941 über Ostasien wieder in die Heimat zurückbrachte.
Am 15, Februar 1913 wurde er als Sohn des Geheimrats G. Brecht, des späteren Leiters der Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau Köln, in Berlin geboren. Seine Jugend verlebte er in Köln. Das Studium führt ihn an die Technische Hochschule Stuttgart und damit in den Kreis seiner Bergfreunde. 1938 promoviert Walther Brecht am Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Nach der Rückkehr aus Südamerika im Jahre 1941 ist er als Versuchsingenieur in einem Motorenwerk tätig. Nach kurzer Militärdienstzeit wird der fähige Ingenieur wieder in seine Forschungsanstalt zurückgerufen. Trotz der anstrengenden Berufsarbeit gehört jede freie Minute entweder seinen Bergen oder mit unbeugsamer Energie und Zähigkeit der Auswertung der Ergebnisse unserer Expedition. Nach dem Kriege bemüht sich Dr. Brecht sofort mit Erfolg, ein Düsseldorfer Industriewerk, das seinem zukünftigen Schwiegervater gehört, wieder in Gang zu bringen. Dort, in dessen Privatwohnung und zugleich mit ihm, treffen ihn am 5. Juli 1945 — zwei Monate nach Kriegsschluß — die Kugeln plündernder Ausländer.
Auf dem Kirchenhügel des schönen Friedhofes in Bad Wiessee steht ein schlichtes Holzkreuz, das seinen Namen trägt. Wenn das blaue Licht über den Bergen leuchtet, die den See einbetten, über seinen Bergen, dann wird ein Wort lebendig, das er mir einmal gesagt hat und das bei all seiner Daseinsfreude doch so sehr sein Wesen zeigt: „Dort oben auf unseren Bergen sind wir Bergsteiger unserem Herrgott doch ein wenig näher."
K. Heckler.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1950, Folge 1251, Seite 82-83

Brecht Walther, * in Berlin (Deutschland), + in Düsseldorf (Deutschland)

1939 1.Best.Pacaraju über Nordostgrat,6274m, (Südliche Cordillera Blanca,Anden)
1939 1.Best.Ranrapalca über Nordostgrat,6162m, (Südliche Cordillera Blanca,Anden)
1939 1.Best.Tocilaraju über Nordwestgrat,6034m, (Südliche Cordillera Blanca,Anden)
1939 1.Beg.Chinchey über Nordgrat,6309m, (Südliche Cordillera Blanca,Anden)
1939 Best.Huascarán-Nord,6555m, (Cordillera Blanca,Anden)


Geboren am:
15.02.1913
Gestorben am:
05.07.1945