Kitschelt Rudolf

(Bearbeiten)
Foto gesucht!
Biografie:
Ing. Rudolf Kitschelt (+)
Am 14. Juli 1895, also vor mehr als 41 Jahren, da stürmten in stetem gegenseitigen Überholen vier junge Bergsteiger über den Guglgrat zum Hochtorgipfel empor:
Dr. Heinrich und Josef Pfannl, Ing. Rudolf Kitschelt und ich war die Gemeinschaft, und es war dies unsere erste gemeinsame Bergfahrt gewesen. Nun ist mit Rudolf Kitschelt, der so wie Dr. Heinrich Pfannl mein erster alpiner Berggefährte war, der letzte von ihnen dahingegangen. Eine heimtückische Krankheit hat den bis in die letzten Wochen vor seinem Tode rüstigen Mann am 21. Jänner 1936 dahingerafft, und am 27. Jänner haben ihn die Seinen und seine Freunde auf dem letzten Erdenwege das Geleite gegeben.
Ing. Rudolf Kitschelt war als Sohn einer hochangesehenen Familie am 14. Dezember 1868 zu Wien geboren worden. Nach Beendigung seiner Studien als Maschineningenieur wendete er sich der Elektrotechnik zu, und eben zu diesem Zeitpunkte trafen sich unsere Wege draußen in der Bergwelt. Kaum neunjährig, hatte er unter elterlicher Führung seine Bergwanderungen begonnen, die ihn bald ins Hochgebirge führten. Wenn er auch nie den Ehrgeiz hatte, nennenswerte neue Wege in den Bergen zu finden, so hat er dennoch einige Erstersteigungen mitgemacht. Seine hauptsächlichsten Bergfahrten galten dem Kennenlernen der gesamten Alpenwelt. So hat er mit seinen mehreren tausend Bergbesteigungen das ganze Gebiet der Nord-, Zentral- und Südalpen und der Seealpen, die Bergwelt der Pyrenäen, der Sierra Nevada und des afrikanischen Atlas kennengelernt. Die meisten seiner Fahrten hat er allein, die schwierigeren Turen in früherer Zeit mit Führern, später mit Freunden durchgeführt. Seine hohe, hagere Gestalt und seine strengen, fast asketischen Lebensbegriffe haben ihn zu einem Bergsteiger wie geschaffen gemacht. Mit seiner Genügsamkeit paarte sich größte Bescheidenheit, und diese war es auch, die ihn abhielt, von seinen oft sehr interessanten Ersteigungen etwas zu berichten. Für die mächtige Fülle der von ihm durchgeführten Bergfahrten spricht unter anderem der in der „Ö.A.Z." vom Jahre 1903 veröffentlichte Turenbericht, der allein rund 120 in einem Jahre von ihm erstiegene Berggipfel und Hochpäsie aufzählt. Von den wenigen ausgesprochenen Neuturen sei die am 22. September 1895 von Rudolf Kitschelt mit seinem Bruder August, dem Architekten Karl Schwager und mir durchgeführte zweite Ersteigung des Edelspitzes in der Hochschwabgruppe erwähnt, wobei Rudolf Kitschelt und ich die erste Überschreitung aller drei Edelspitzgipfel von Norden nach Süden ausführten. Am 12. Juli 1896 überschritten Rudolf Kitschelt und ich den Grat vom Natterriegel bis zum Hochturm, wobei ein neuer schwieriger Abstieg über die Westflanke des Hexenturms genommen und der anschließende Grat der Bärenkarmauer zur Gänze überschritten wurde; über beide Bergfahrten wurde nie etwas veröffentlicht. Am 29. Juni 1903 vollführten Rudolf Kitschelt und ich in Gesellschaft mehrerer Klubgenossen in den Lienzer Dolomiten nach der ersten Durchkletterung der Laserz-Nordwand die erste Ersteigung des Westlichen Wilden Senders durch die Nördliche Eisrinne und den Westgrat mit erster Überschreitung des Gipfels und daranschließender erster Überschreitung und erster Begehung des Südgrates des Laserzer Seekofels.
Von seiner reinen Bergsteigertätigkeit wurde er aber in den letzten Jahrzehnten durch entomologische Studien, zu denen er durch seine Alpenwanderungen angeregt wurde, stark abgelenkt, und er begann bald darauf, sich dieser Tätigkeit immer intensiver hinzugeben, so zwar, daß die späteren Jahre seines Bergsteigertums, das wohl immer Hochgipfel zum Ziele hatte, als Hauptzweck aber dieser wissenschaftlichen Forschung galten.
Seine entomologische Sammlung wurde durch ihren Umfang und die seltenen Exemplare von Geometriden, die sie enthält, sehr bekannt und ging nun durch Schenkung in den Besitz des Naturhistorischen Museums in Wien über.
Still, wie er gelebt hat, ist er heimgegangen, betrauert von seiner Gattin, die er erst in späten Lebensjahren fand, betrauert von seinen allerdings wenigen Freunden aus den Reihen des Ö.A.K., die in ihm aber einen wirklichen und stets aufrechten Mann und guten Bergkameraden gefunden hatten.
Alfred von Radio - Radiis.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1936, Folge 1176, Seite 291-292

Geboren am:
14.12.1868
Gestorben am:
1936

Erste Route-Begehung