Huber Stefan
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Biografie:
Quelle: Der Bergsteiger 1976, Seite 731 und 735
Das „Bergsteiger“-Porträt
Stefan Huber
Mit 62 Jahren durch die Lalidererwand
Es war an der Klosterwand im Pfälzer Sandstein. Mitten unter jenen, die sich anschickten oder noch darauf warteten, in die nicht eben leichte Route einzusteigen, stand einer, der gut und gerne Großvater des einen oder anderen jungen Kletterers hätte sein können; was wiederum aber nur Eingeweihte wußten. Ansehen tut man es ihm nicht — und in Zukunft hoffentlich ebenfalls noch lange nicht. Und wer den Steffi dann an der Klosterwand klettern sah, hätte glauben können, da sei ein ganz Junger im Fels ...Eigentlich haben die Berge den heute vierundsechzigjährigen Steffi verhältnismäßig spät in ihren Bann gezogen.
Schon weit über zwanzig Jahre war er alt, als ihm, zusammen mit einem gleichgesinnten Freund, erste Felsfahrten an den Ruchenköpfen, am Plankenstein und an der Benediktenwand gelangen. Eben dort halfen „Steff“ und sein Gefährte wenig später tatkräftig bei einer Rettungsaktion mit. Wilder Kaiser, Zentralalpen, Montblanc — dann kam der Krieg. Eine schwere Verwundung gebot zunächst die unbarmherzige Zwangspause, ehe sich für den wieder Genesenen erneut die liebgewordenen Pfade öffneten. Unter welchen Mühen und Entbehrungen in den Jahren unmittelbar nach Kriegsende das Bergsteigen durchgeführt wurde, ist hinreichend bekannt. Erst in den fünfziger Jahren — der Steff hatte inzwischen ein Alter erreicht, in dem die meisten langsam ihre Ziele niedriger stecken — erfüllten sich dieTräume. Eine Reihe von Viertausendern waren ihm, dem Unverwüstlichen, gegönnt, in fast allen Gebieten der Alpen war er „daheim“. Sternstunden, unvergeßliche Tage erlebte er an der Meije, am Biancograt, den er zweimal führte, in der Watzmann-Ostwand, in der Triglav-Nordwand,an der Guglia di Brenta — die Liste wäre lang! Wer nun aber glaubte, der Steff würde sich mit dem Sechziger auf dem Buckel nun doch den steilen Wegen entsagen, wurde bald eines Besseren belehrt: Piz-Badile-Nordkante, Fleischbank-Südostwand — der Griff nach extremen Schwierigkeiten. Zum zweiundsechzigsten Geburtstag dann, unerwartet und für viele unfaßbar, ein ganz großer Wurf, Höhepunkt eines Bergsteigerlebens: die Laliderer-Nordwand im Karwendel auf der Route Krebs-Schmid. Eugen Stiebritz war dem älteren Seilkameraden Gefährte, Freund und umsichtiger Führer auf diesem großen Felsgang. — Weil er im Geiste eben noch ein Junger geblieben ist, obwohl er fast auch mein Großvater sein könnte, und weil er über einen feinen Humor verfügt, ist mir der Steff sicher nicht böse, wennich ihn augenzwinkernd frage: „War’s gar ein Lausbubenstreich“? Es war dem Stefan über Jahrzehnte seines Lebens hinweg allererstes Anliegen, sich der Jugendarbeit zu widmen. Zwölf Jahre lang wirkte er alsJungmannschaftsleiter in der Sektion Neuland, die ihm viel verdankt. Heute übt der Steff die Funktion des Jugendreferenten aus. — Hoffentlich noch lange Zeit, mit der Zugabe vieler schöner Touren und guter Gesundheit!
Horst Höfler
Stefan_Huber_-_BST_1976-12.pdf