Kothmaier Carl (Kothmayer)

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Biografie:
Wien

Carl Kothmayer (+)
Im 82. Lebensjahr verschied Carl Kothmayer am 10. Mai d. J. Seit 1890, also 60 Jahre hindurch, gehörte er dem Österreichischen Alpenklub als Mitglied an. Mit Hans Wödl befreundet und wohl auch durch ihn für die Bergwelt besonders begeistert, kam er in jungen Jahren zum Österreichischen Alpenklub, dem er bis an sein Lebensende mindert die Treue bewahrte, wenngleich ihm in den letzten Jahrzehnten das Nachlaßen seiner körperlichen Kräfte eine aktive sportliche Betätigung zu seinem Leidwesen versagte. Von früher Jugend her aufgeschlossen für die Schönheiten der Natur, waren es zuerst der Wienerwald, den er bis in die entferntest gelegenen Winkel gekannt hat, und dann unsere Hausberge Rax und Schneeberg, die ihm auf allen ihren Steigen durch unzählige Begehungen vertraut wurden. Ihnen schlossen sich ausgedehntere Touren in die steirischen Berge an, und es waren insbesondere die Ennstaler, welche seiner Begeisterung für das Erhabene der Bergwelt Befriedigung boten. In späteren Jahren folgten die Hohen Tauern und die ganze Kette der Tiroler Berge. Hier wieder besonders die Dolomiten und das Ortlergebiet. — In Wien am 26. November 1868 geboren, trat Kothmayer gleich nach der Absolvierung der Wiener Handelsakademie im Jahre 1887 in die Dienste der großen Speditionsfirma Schenker & Co., kam gegen Ende des vorigen Jahrhunderts als Leiter deren Filiale nach Bregenz, wo er bis 1910 blieb, um sodann wieder in das Wiener Stammhaus zurückzukehren. Während seines Bregenzer Aufenthaltes erschlossen sich ihm das Gebiet des Bregenzerwaldes wie auch die Bergmassive des Rätikon und der Ostschweizer Höhen. In Bregenz verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Nestor der
Bergsteiger, dem Augenarzt Dr. Carl Blodig, die bis in seine letzten Tage aufrecht blieb.
Ich selbst verliere durch das Hinscheiden Kothmayers meinen ältesten Freund, mit dem ich in früher Jugend oftmals Ersteigungen unternommen habe. Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, wenn ich der mehrmaligen, gemeinsam verbrachten, wochenlangen Fußtouren gedenke, die uns zuerst auf die Gipfel der nahen österreichischen Berge, Hochschwab, Reichenstein und die meisten andern der Ennstaler, sodann in die Dolomiten und in das Ortlergebiet führten. Immer wieder war es die Begeisterung für den Bergsport mit all seiner Erhabenheit, die uns Entbehrungen leicht ertragen ließ.
Ich darf wohl sagen, durch den Tod Kothmayers ist für den Österreichischen Alpenklub eines seiner treuesten Mitglieder dahingegangen.
Robert Hammer.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1950, Folge 1252, Seite 120-121

Geboren am:
26.11.1868
Gestorben am:
10.05.1950