Fluchthorn - Mittelgipfel

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Höhe:
3.397 m
Infos:
Erste Ersteigung des mittleren Fluchthorngipfels.
Am 22. August d. J., um 4 h 30 m morgens, ging ich mit den Führern Ignaz Lorenz und Gabriel Walter, beide aus Galtür, von der Jamthalhütte aus auf dem gewöhnlichen Wege zum Fluchthorngletscher und auf diesem weiter bis zu der zwischen dem südlichen und mittleren Fluchthorngipfel herabziehenden Schneerinne. Die Rinne betraten wir nach halbstündiger Frühstücksrast um 7h 30m und erreichten nach eineinhalbstündiger, mühsamer Arbeit die Scharte zwischen Süd- und Mittelspitze. Hier packte uns ein heftiger, kalter Wind, der uns nöthigte, hinter einem Felsblocke Schutz zu suchen. Als der Wind etwas nachgelassen hatte, brachen wir auf, betraten um 10 h 15 m die Felsen an der Westseite des von der Scharte zum mittleren Gipfel ziehenden Grates, hielten uns etwa 15 Min. lang unterhalb des Grates und stiegen nach Passirung einer ziemlich schwierigen Wand zum Grat hinauf und auf demselben weiter bis zum letzten Gratzacken, wo wir um 11 h 15 m ankamen. Dieser Felszacken setzt mit einer circa 5 Meter hohen, senkrechten und, von oben gesehen, glatten Wand zu einer etwa 1 1/2 Meter breiten Scharte ab, von welcher gegen Westen senkrechte Felswände abstürzen und gegen Osten eine steile Schnee-, respective Eisrinne hinabzieht. Konnten wir die Scharte erreichen, so hatten wir gewonnen, denn die gegenüber aufragende Wand des eigentlichen Gipfelaufbaues war, wie wir deutlich sehen konnten, zu erklettern. Trotzdem der Wind uns hart zusetzte und es ausserdem zu graupeln anfing, beschlossen wir, wie ich auf einer auf dem Felszacken deponirten Karte vermerkte, den Versuch zu machen, um den Zacken links oder rechts herumzukommen, und erst wenn dies nicht gelänge, den Rückzug anzutreten. Wir stiegen um 11 h 50m zuerst an der linken (westlichen) Seite ab, fanden aber, dass man von hier aus nicht zur Scharte gelangen kann; wir kletterten deshalb wieder auf den Grat, gingen auf demselben bis zum zweitletzten Zacken zurück, um auf der anderen (östlichen) Seite unser Glück zu versuchen. Es gelang uns, zu der bereits erwähnten Rinne hinabzukommen und, an den linkseitigen Felsen aufwärts kletternd, um 12h 30m die Scharte zu erreichen. Jenseits der Scharte hatten wir eine schwierige Kletterstelle zu überwinden, dann aber ging es verhältnissmässig leicht aufwärts bis zu dem an der Ostseite des Gipfels befindlichen, dem wir dieses durchschlüpft hatten, überkletterten wir noch eine etwas heikle Stelle und 5 Min. später (um 1 h mittags) standen wir auf der mittleren Fluchthornspitze. Hier fanden sich keinerlei Anzeichen einer früheren Besteigung vor, auch ist von einer solchen unter den Führern der Gruppe nichts bekannt. Nachdem wir zwei Steinmänner errichtet hatten, machten wir uns um1 h 30 m an den Abstieg, bei dem sehr vorsichtig zu Werke gegangen werden musste, da die Felsen nass und die Griffe und Tritte mit Graupeln überdeckt waren. Um 2 h erreichten wir die Scharte unterhalb des Gipfels, um 2h 30m den Grat und um 3 h die Scharte zwischen Süd- und Mittelgipfel, wo wir 1/2 St. lang rasteten. Der Abstieg in der Rinne erforderte viel Arbeit, da unsere beim Anstieg gemachten Stufen inzwischen durch Steinfall grösstentheils zerstört worden waren. Die Rinne hatten wir um 4 h 50 m hinter uns, den Fluchthorngletscher um 5 h 30 m und die Jamthalhütte erreichten wir um 6 h 15 m. Um 7 h 15 m abends gingen wir von der Hütte weg nach Galtür, wo wir um 9 h 30m eintrafen.
S. Schwaben. - Gustav Schwarz.
Quelle: Mittheilungen des DÖAV 1899, Heft 18, Seite 221

Fluchthorn (3403, 3402, 3344 m). n. (1. führerlose) Überschreitung aller drei Gipfel und neuer Abstieg vom Nordgipfel zum Unteren Fluchthorngletscher. Am 25. August 1901. Ab Südgipfel, den ich mit Herrn Karl Eyth-Triest über den Kronen­gletscher auf dem gewöhnlichen Wege erreicht hatte, 10 U. 30. Rennerspitze 12 U. 40.— 1 U. 5. Den obersten Teil des Nordgrates umgingen wir durch kurzes Absteigen in seiner Westflanke, überschritten sodann den Grat und stiegen auf seiner Ostseite zur Scharte vor dem ersten der drei (von der Jamtal­hütte aus gut sichtbaren) Grattürme ab (1 U. 50). Den ersten Gratturm querten wir auf der Westseite in der Höhe der Scharte und kletterten an seiner Nordkante (kurze, schwierige Stelle) in die Scharte zwischen erstem und zweitem Turm hinab, aus der die zwei weiteren Türme auf der Westseite leicht umgangen werden können. Ohne jede Schwierig­keit erreicht man dann den Nordgipfel (2 U. 35). Nach kurzer Rast stiegen wir in die Scharte zwischen Nordgipfel und dem mächtigen Gratturme nördlich desselben und durch eine steile Schuttrinne auf der Westseite soweit ab, bis wir gut in die Südwand des zur Schnapfenspitze ziehenden Grates ein­ steigen konnten. Wenig auf- und absteigend, querten wir nun auf guten Bändern und Gesimsen nach Westen bis oberhalb einer geräumigen Scliutterrasse, die nach Süden in einen vom Unteren Fluchthoru- gletscher sofort auffallenden senkrechten, glatten Wandabbruch ausläuft. Westlich an die Terrasse an­ schließend, senkt sich ein steiler Plattenschuß zur Tiefe. Über ihn gewannen wir ohne besondere Schwierigkeiten die Schutthänge und leicht den Unteren Fluchthorngletscher. Kurz nach 5 U. trafen wir wieder in der Jamtalhütte ein. Die bisherigen Ersteiger des Nördlichen Fluchthorns nahmen ihren Weg durch die Eisrinne, welche vom Unteren Fluchthorngletscher zum Fuße des nördlichsten der drei großen Grattürme hinauf­ zieht. Man setzt sich in derselben jedoch einer ziemlichen Steinschlaggefahr aus, die auf unserem Wege kaum in Betracht kommen dürfte, der daher, obwohl weiter, dieser entschieden vorzuziehen ist.
Viktor Sohm-Bregenz.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 638, Seite 166-167

Bild:
Foto gesucht!
Gebirgsgruppe:
Silvretta
Erste(r) Besteiger(in):
Lorenz Ignaz sen.
Schwarz Gustav
Datum erste Besteigung:
22.08.1889

Routen:
Abstieg ins Fimbertal
Übergang vom Mittleren zum Südlichen Gipfel - Variante

(Route Neu)