Nordkante - "Ostlerführe"

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Routen Details:
Unterer Teil:
H. Matejak im Aleingang am 8.9.1908 infolge eines Irrtums. Matejak wollte die Ostlerführe wiederholen. Er entdeckte seinen Irrtum erst zwei Jahre später.
Oberer Teil:
J. Ostler am 24.Juli 1904. Der heute übliche Ausstieg über das Oppelband gelang erstmals O. Oppel und C. Gürtler am 14. August 1906 nach einer Begehung der Ostlerführe. Erste Begehung der vollständigen Nordkante (mit Überschreitung des Beichtstuhls) durch R. Frank und F. Kummer 1927. Erste Besteigung des Beichtstuhls auf heute nicht mehr bekanntem Weg durch R. Schietzold und A. Schmid 1906.

Predigtstuhl-Nordgipfel, I.Ersteigung von Norden. 27. Juli 1904.
Der Nordgrat des Nordgipfels bildet, den untersten Latschenkegel und den Gipfel selbst mit ein gerechnet, fünf Stufen. Zur Einsattlung der dritten Stufe (südlich des gewaltigen, senkrecht aufsteigenden Grataufschwunges) ziehen in der Westwand zwei tief eingerissene Kamine; der rechte (südlichere) der selben vermittelt den Anstieg.
Man verfolgt den Weg durch die Steinerne Rinne noch einige Serpentinen über die oberste plattige Steilstufe hinauf und hält an den Fuß der Westwand hinüber. Traverse nach links über plattige Schrofen zu einer Rinne, durch welche man die geröllerfüllte Schlucht erreicht, in welche die beiden erwähnten Kamine münden; in der Rinne eine zirka 6 Meter hohe, senkrechte Steilstufe, die durch Stemmen bewältigt wird. In der Schlucht über Geröll zum Fuße des rechten Kamines. Einstieg über eine plattige Stufe. Ein 18 Meter hohes, senkrechtes, stellenweise sehr enges Kaminstück stemmend empor bis zu einer Verengerung mit mehreren eingeklemmten Steinen; sehr rauhes Gestein. Unter der Verengerung etwa 4 Meter horizontal hinausstemmend, über dieselbe hinauf. Bis hierher Rücken gegen Norden, nun Rücken gegen Süden, noch 4 Meter im Kamine aufwärts, worauf man auf ein plattiges Band nach links (nördlich) überspreizt; nach links zum Fuße einer zum Kamine parallel ziehenden Rinne, durch welche grasbesetztes Terrain erreicht wird.
Mehrere Rinnen ziehen von da hinauf zur Einsattlung der dritten Stufe; durch die südlichste derselben, am besten rechts derselben über ein steil ansteigendes, grasbesetztes Band hinauf, bis eine Rinne nach rechts (südlich) auf ein Köpfl leitet, von dem aus man durch eine geröllerfüllte Rinne nach Osten den Nordgrat in einer Scharte erreicht, von der aus sich ein unvermittelter Blick in das Griesenerkar bietet. Nun über die Kante oder westlich unter derselben durch eine rechtwinklige, plattige Verschneidung — auf zirka 3 Meter bietet ein schmaler Felsspalt links den einzigen Halt — schließlich über brüchigen Fels zu einer Graterhebung, nach deren Umkletterung in der Westseite die Einsattlung der vierten Stufe erreicht wird. Nun am Fuße der eigentlichen Gipfelwand über geröllbesäten Fels westlich etwa 6 Meter abwärts; an kleinen Aushöhlungen (ich brachte dort wie an mehreren anderen Stellen in der Wand eine Marke mittels Rotstift an) äußerst unsichere Traverse nach rechts (westlich) auf ein abwärts ziehendes Gesimse, auf demselben 8 Meter nach rechts zu einem verborgenen, schmalen Riß, der die Wand schräg nach rechts aufwärts durchzieht. Schließlich, nach einer kurzen Unterbrechung, verschmälert er sich zu einem 2 Meter langen, ganz dünnen, nur der linken Hand Raum bietenden Spalt (zuvor für den Sichernden guter Stand). Das rechte, äußerste Ende der unteren, den Spalt bildenden Wand verläuft in einen Zacken, der hangelnd erreicht wird (schwere Stelle); am Zacken schwingt man den Körper nach rechts hinaus auf einen guten Stand. Nun auf sehr steiler, plattiger, bandartiger Rinne schräg links aufwärts auf ein kleines Köpfl. Auf einem Bande von demselben 2 Meter nach links (östlich) abwärts, dann über die senkrechte, brüchige Wand 8 Meter gerade hinauf auf ein geröllbedecktes Band, von dem man schräg
rechts über Schrofen und den plattigen Gipfelblock den Gipfel erreicht. (2 1/2 bis 3 Stunden Kletterei.)
Der Kamin ist äußerst anstrengend, mindestens ebenso schwer wie der Pfannkamin am Totenkirchl und die Durchkletterung der Gipfelwand stellenweise noch bösartiger als das unterste Wandstück bei der direkten Erkletterung des untersten Gratturmes im Südostgrate des Totenkirchls.
Josef Ostler-Kufstein.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1905, Folge 695, Seite 225

Erster Aufstieg über die eigentliche Nordkante. (Hans Matjk, am 8. September 1908. Zweite Begehung. am 26. Juni 1910.)
Aus der Steinernen Rinne verfolgt man die erste schöne Kaminreihe, sich in derselben ständig rechts haltend, in die sogenannte Beichtstuhlscharte. über Schreien und einige Blöcke klettert, man an das Hauptmassiv der Nordkante. Dasselbe kennzeichnet sich durch eine senkrechte Wand und ist mit einer Verschneidung von links nach rechts scharf aufwärts durchzogen. Der Einstieg befindet sich in gleicher Höbe des letzten Blockes und, geht an wenigen Griffen an der unscheinbarsten Stelle nach links in den Riß hinein. Nun in demselben einige Meter empor, auf einem Bande nach rechts und über eine Wandstufe wieder hinauf in die Verschneidung. Von hier ziehen zwei kaminartige Rinnen weiter. Man klettert in der linken zu dem schon vorn Einstiege gut sicht¬baren Überhang hinauf. Derselbe ist sehr schwer und ausgesetzt, oben guter Stand und Steinmann. Dann verfolgt man ein Kriechband ca. 6 m nach linke in die nächste Verschneidung. In der Mitte derselben liegt lose ein Block, unter dem man knapp durchschlüpfen kann (hier ist äußerste Vorsicht notwendig; die Stelle läßt sich aber auch umgehen), und weiter durch einen stark nach rechts überhängenden, glatten, sehr engen Riß, oben wieder guter Stand. Nach einem weiteren Kaminstück geht es über sehr steile Platten auf die Spitze dieses Gratturmes. Von da absteigen in jene Scharte, in welche die Ostlerroute führt, und nun auf dem Grate leicht weiter über die Schlußwand zum Nordgipfel.

Quelle: XV. Jahresbericht der DÖAV Sektion Bayerland 1911, Seite 102

Dem Bergführer Rudolf Plonner, ebenfalls ein Mitglied der Hochtouristengruppe Kufstein, gelang zusammen mit Bergführer Wiechenthaler die erste Winterbegehung der bekannten Predigtstuhl-Nordkante.
Quelle: Der Bergsteiger 1961, Heft 8, seite 484
Datum erste Besteigung:
27.07.1904
Erste(r) Winter-Besteiger(in):
1961
Gipfel:
Predigtstuhl Nordgipfel
Erste(r) Besteiger(in):
Ostler Josef
Erste(r) Winter-Besteiger(in)
Plonner Rudolf
Wiechenthaler ???