Schmid Anton

(Bearbeiten)

Biografie:
geboren in Kochel (Deutschland)
gestorben in München (Deutschland)

Quelle: Der Bergsteiger 1957, Seite 94 f

Dr. Anton Schmid zum 70. Geburtstag.
Am 4. April wurde der Münchner Bergsteiger und Kunsthistoriker Dr. Anton Schmid 70 Jahre alt. Nach einem fruchtbaren Wirken als Staatsarchivdirektor, nach einem Bergsteigerleben voll Sturm und Drang, das ihn auf den Gipfel weiser Abgeklärtheit führte, nach einer starken Ausstrahlung seines schriftstellerischen Schaffens vollendete Dr. Anton Schmid sein 7. Lebensjahrzehnt.
Als junger Stürmer hat er sich vor 50 Jahren vor allem dem Wettersteingebirge verschrieben. Mehr als ein Dutzend Erst-begehungen sind uns bekannt: das Schmidband in der Musterstein-Südwand, Ost- und Westwand der Riffelwandspitze, die Riffelkante, die Nordschlucht des Kleinen Waxensteins, die Ostwand des Südlichen Zundernkopfs und die Nordwand des Kleinen Wanners. Oft ging Anton Schmid allein, manchmal reizte ihn der verwegene Abstieg von einem Gipfel in den Abgrund. So stieg er als erster über die Musterstein-Südostwand, über die Scharnitzspitz-Südwand und über die Hochwanner-Nordwand ab. Es gehörte damals für einen Alleingänger wirklich Mut und Entschlossenheit dazu, über die 1400 Meter hohe Mauer, in die sich erst wenige Menschen gewagt hatten, abzusteigen. Eine Gewalttour war auch seine vollständige Umrahmung des Leutascher Platts im Wetterstein. Aber Anton Schmid war nicht nur ein Kletterer. Im Sommer 1908 erlebte er mit Josef Ittlinger die wilde Bergwelt des Dauphiné: Meije und Barre des Ecrins, zweite führerlose Begehung des Grivola-Nordgrats, erste Begehung der Ostwand des Piccolo Paradiso und auf teilweise neuem Weg Nordgrat des Gran Paradiso. Dieses Bergsteigerjahr ? eines seiner glanzvollsten ? beschloß Anton Schmid mit der ersten Winterdurchsteigung der Musterstein-Südwand. Auch nach dem ersten Weltkrieg waren ihm noch Neutouren im Wetterstein beschieden, so der Südgrat der Westlichen Plattspitze und ein Aufstieg über die Wetterwand. In späteren Jahren konnte er in sein Fahrtenbuch manch beschaulich erwanderte Vorbergskuppe, manchen schroffen Felsgipfel und manchen Dreitausender der Zentralalpen eintragen.
Im alpinen Vereinsleben wirkte sich die Persönlichkeit Dr. Anton Schmids ausgleichend und förderlich aus. Seit 1907 gehört er dem Alpenklub Berggeist an, dessen Ehrenmitgliedschaft ihm verliehen wurde. Zeitweise leitete er die Sektionen Bayerland, Berggeist und Landshut als 1. Vorsitzender. Beim Wiederaufbau des Alpenvereins nach 1947 stellte er sich in kulturellen Angelegenheiten mit Rat und Hilfe zur Verfügung. Als Kunsthistoriker im bergsteigerischen Bereich würdigte er vor allem das Schaffen bedeutender Alpenmaler wie Albin Egger-Lienz, Fritz Baer, Otto Bauriedl, Adalbert Holzer und Ernst Platz. Für Dr. Anton Schmid ist höchste Kunstäußerung des Bergmalers nicht die bloße Wiedergabe der Landschaft, sondern die erlebnishafte Durchdringung des Geschauten.
Zu einem Lebensproblem wurde für Dr. Anton Schmid die Beziehung des Menschen zur Natur und zu Gott. Er schrieb einmal: ?Ein religiöses Gefühl überkommt vielfach den Bergsteiger; es wird ihm der Berg zum Zeugen der Größe Gottes, der Fichtenstamm zum Ausdruck seiner Willenskraft, im zarten Grase fühlt er die Feinheit, aus der Blüte der Bergrose ahnt er seine Liebe . . .
F. Sch.
Quelle: Mitteilungen des DAV 1958, Heft 4, Seite 60

Quelle: Der Bergkamerad 1970, Heft 2, Seite 32
Quelle: Der Bergsteiger 1976, Seite 666 und 675

Herrn Dr. Anton Schmid zum 90. Geburtstag am 4.4.1978.
Dr. Schmid dürfte den Lesern der Mitteilungen und des Alpenvereinsjahrbuches kein Unbekannter sein. Im vergangenen Jahr hatten wir die Freude, in beiden Publikationen Stichproben seiner Feder vorzustellen. Die Vielseitigkeit der Themen, die er in zahllosen Aufsätzen (und in einem Roman - „Sonnenstieg" - erschienen 1919 im Musarionverlag) behandelt hat, entspricht dem Horizont seiner Interessen. Kurz nach der Jahrhundertwende hat er - wie schon mehrfach in diesen Heften berichtet (z. B. in Heft 3/77, Seite 120) - unter anderem die ersten großen Kletterwege aus dem Oberreintal erschlossen. Die Ausgangsorte seiner Dolomitenfahrten - darunter die 1. Begehung der Südostwand am Langkofeleck (1907) - erwanderte er von Garmisch aus zu Fuß. Zur Vorbereitung auf einen gemeinsamen Westalpenurlaub (Meije-Überschreitung, Grivola-Nordgrat u.a.) durchstieg er mit Josef Ittlinger die Nordostwand der Grubenkarspitze und die Kaltwasserkarspitze-Nordwand im Karwendel.
Wenn er heute von den Tücken des Objektes erzählt, die er und seine Kameraden ebenfalls kurz nach der Jahrhundertwende als angehende Skipioniere im heimischen Wetterstein z. B. mit den Patentschraubverschlüssen (I) ihrer Bindungen zu bestehen hatten, erfüllt ihn die gleiche jugendlich-spitzbübische Heiterkeit, wie bei dem „Geständnis", daß sie Richard Strauß bei der Premiere seines „Rosenkavalier" ausgepfiffen hätten, weil sie ihm nach einer „Elektra" einen derartigen Seitensprung zur „leichten Muse" nicht verzeihen wollten...
Seine wache Anteilnahme an den kulturellen Entwicklungen seiner Zeit bestimmte nicht nur Studium und Beruf - Staatsarchivdirektor in München - sondern auch seine Anstrengungen zur Förderung der alpinen Kunst: sämtliche alpinen Kunstausstellungen der Nachkriegszeit, zuletzt die anläßlich der 100-Jahrfeier des DAV 1969, sind auf seine Initiative zurückzuführen.
Seine vielseitigen Interessen haben ihn wohl jung erhalten und vor greisenhafter Weltflucht bewahrt. Zwar glaubt er heute, daß sie, als sie noch zu Fuß zum Kletterurlaub in den Dolomiten aufbrachen, wohl weniger, aber das Wenige intensiver erlebt hätten, doch hindert ihn die Tatsache, daß heute vieles anders geworden ist - nicht nur beim Bergsteigen - nicht daran, diese Veränderungen kritisch aber vorurteilslos zu beobachten - und auch vorbehaltlos anzuerkennen, was ihm an diesen Neuerungen imponiert - z. B. die Leistungen der jungen Bergfilmer...
Ehrenmitglied ist Dr. Anton Schmid bei den Sektionen Bayerland und Berggeist.
Quelle: DAV Mitteilungen 1978, Heft 2, Seite 88

Anton Schmid (+)
Kurz vor Vollendung seines 94. Lebensjahres starb am 21. 2. 1982 Dr. Anton Schmid, ein Alpinist und Wetterstein-Erschließer von Format. Beruflich erwarb er sich als Direktor des Bayerischen Staatsarchivs Verdienste um seine Heimat. Er wurde am 4. 4. 1888 in Kochel geboren. Schon als vierzehnjähriger Junge kam er ins Wettersteingebirge, überschritt die Riffelscharte und bestieg die Zugspitze. In der Folgezeit wurde ihm dieses Gebirge zur Bergheimat. Den »Hausmeister vom Wetterstein« nannten ihn seine Freunde scherzhaft, weil er überall Bescheid wußte und den Schlüssel zu mancher unbegangenen Wand kannte. Im Herbst 1907 durchkletterte er allein die 1400 m hohe Hochwanner-Nordwand und stieg auf derselben Route wieder ins Reintal ab; damals eine beachtliche Leistung. Im nächsten Sommer (1908) begann er eigene Routen zu suchen: Riffelköpfe, Musterstein-Südwand (Schmidband) und Kleiner-Wanner-Nordwand. Mit Hugo Behrendt erkletterte er den langen Westgrat der Partenkirchner Dreitorspitze. 1911 eröffneten die beiden einen weiteren Durchstieg durch die Musterstein-Südwand. 1921 fand er mit Kameraden vom Alpenklub Berggeist eine neue Route durch die Wetterwand.
Dr. Anton Schmid gehörte zu den Entdeckern und Früherschließern der Berge um das Oberreintal. Der Schachenwirt Franz Dengg empfahl Anselm Barth als Begleiter, und noch im gleichen Sommer durchkletterten die beiden den 100-Meter-Kamin an der Nordkante, der heute noch mit dem Schwierigkeitsgrad IV bewertet wird. Die Erstbegehung hatte ein Nachspiel. Als Anton Schmid den Turm Oberreintalturm und die anschließenden Erhebungen Oberreintalköpfe taufte, entrüsteten sich die Zeitgenossen und schrieben Proteste ins Buch der Meilerhütte. Den Türmen wurde damals noch keine Gipfelwürde zuerkannt. Heute ist der Oberreintalturm eines der Hauptkletterziele des Gebietes.
Als Anton Schmid 1909 den Dreitorspitze-Westgrat erstmals beging, wagte er wegen der gemachten Erfahrungen als Gipfeltäufer keine Benennung der ersten Graterhebung, die später Unterer Berggeistturm getauft wurde. Später gab es um den Teufelsturm eine Diskussion. Der sich schließlich dafür eingebürgerte Name Oberreintaldom stammt auch von Anton Schmid.
Weit über das heimatliche Wettersteingebirge hinaus suchte sich Anton Schmid in den Ost- und Westalpen seine Ziele, von den Julischen Alpen bis zum Dauphiné. In den Dolomiten gelang ihm 1907 mit Hermann Delago die Erstbegehung der Langkofeleck-Südwand.
Dr. Anton Schmid gehörte 75 Jahre dem Alpenklub Berggeist an. Von 1919 bis 1924 war er Vorsitzender und wurde für seine Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. 1919 trat er in die Sektion Bayerland des DAV ein, und als 1927 ein Vorsitzender gesucht wurde, stellte sich der konziliante Mann zur Verfügung. Erwähnt werden muß seine Mitwirkung am Zustandekommen und in der Jury der Kunstaus-stellungen des Deutschen Alpenvereins von 1950 bis 1969.
Als letzter Veteran aus der Erschließerzeit um die Jahrhundertwende ragte Dr. Anton Schmid in die bergsteigerische Gegenwart. Er erlebte aktiv die Entwicklung des Bergsteigens vom Nagelschuh bis zur Profilgummisohle, vom Hanf- zum Perlonseil, vom unbekümmerten Gipfelstürmen bis zum Sportklettern von heute. Anton Schmid war Ehrenbürger von Kochel. Die Urne mit seiner Asche wurde am 6. 3. auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde beigesetzt.
Fritz Schmitt
Quelle: Der Bergsteiger 1982, Heft 5, Seite 65

Archivrat Dr. Anton Schmid (München) vollendet am 4. April das 50. Lebensjahr. Geboren in Ort bei Kochel, unternahm er schon in jungen Jahren beachtliche Bergfahrten, besonders in den Ostalpen, die er in lebensprühender Weise in unseren Vereinsschriften und in anderen Blättern schilderte. Bestens bekannt wurde er auch durch seine feinsinnigen Monographien über alpine Maler (Egger-Lienz, Holzer und Platz). Sein bergsteigerisches Bekenntnisbuch „Sonnenstieg" (1922) atmet innige Bergbegeisterung. Auch im alpinen Vereinsleben betätigte er sich einige Jahre als Vorstand der Sektion Bergland und der Sektion Landshut. - A. T.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1938, Folge 4,Seite 96

1902 Überschr.Riffelscharte, (Wetterstein)
1902 Best.Zugspitze durch das Reintal, (Wetterstein)
1907 Alleinbeg.Hochwanner-Nordwand, (Wetterstein)
1907 1.Beg.Langkofeleck-Südostwand "Delago-Schietzoldkamin",IV,3069m, (Langkofelgruppe)
1908 Best.Scharnitzspitze,2463m, (Wetterstein)
1908 1.Beg.(Alleinbeg.)Westlicher Riffelkopf-Nordostgrad "Riffelkante",IV, u. Alleinüberschr.Riffelköpfe,2459m, (Wetterstein)
1908 1.Beg.Kleine Riffelwandspitze-Westgrat,III,2536m, (Wetterstein)
1908 1.Beg.Musterstein-Südwand "Schmidband",III,2478m, (Wetterstein)
1908 1.Best.Oberreintalturm über Nordkante,IV und "Schmid-Barth-Kamin",IV,2027m und
Überschreitung zum Oberreintalschrofen, (Wetterstein)
1908 1.Beg.Kleiner Wanner-Nordwand "Ass?n-Schmid-Führe",III,2546m, (Wetterstein)
1908 Beg.Leutascher Dreitorspitze-Südwand,2673m, (Wetterstein)
1908 1.Beg.Leutascher Dreitorspitze-Ostgrat,2673m, (Wetterstein)
1908 1.Beg.Leutascher Dreitorspitze-Westwand "Hübel-Schmid-Route",2673m, (Wetterstein)
1908 1.Beg.Partenkirchner Dreitorspitze Westgipfel-Westgrat,2633m, (Wettersteingebirge)
1908 1.Beg.Frauenalplkopf-Nordwand,III,2351m, (Wetterstein)
1908 1.Winterbeg.Musterstein-Südwand,2478m, (Wetterstein)
1909 1.Best.Berggeistturm,2250m, (Oberreintal,Wetterstein)
1909 1.Best.Oberreintaldom (Teufelturm) über den Westgrat "Behrendt-Schmid-Führe",IV,2371m, (Wetterstein)
1909 1.Beg.Partenkirchner Dreitorspitze Westgipfel-Westgrat,IV,2633m, (Wettersteingebirge)
1909 1.Best.Unterer Berggeistturm,ca.2000m, (Oberreintal,Wettersteingebirge)
Alleinbeg.Südlicher Zundernkopf-Ostwand, (Oberreintal,Wetterstein)
1909 1.Beg.Kleiner Waxenstein-Mandl-Nordwandschlucht,IV,2163m, (Wetterstein)
1909 Best.Hochwanner u.1.Abstieg (Alleinbeg.)Hochwanner-Nordwand, (Wetterstein)
1909 1.Beg.Kleine Riffelwandspitze-Westwand,2536m, (Wetterstein)
1910 1.Beg.Musterstein-Südwand "Schmid-Behrendt",2478m, (Wetterstein)
1912 1.Beg.Schüsselkarspitze-Südwand "Pfeilerrisse,Schmid-Deye",VI, 100 HM,2537m, (Wettersteingebirge)
1921 1.Beg.Wetterwandeck-Direkte Wetterwand,IV,2698m, (Wetterstein)
1922 1.Beg.Ehrwalder Wetterwand "Schmid-Führe", (Zugspitzmassiv,Wetterstein)
1922 1.Beg.Westliche Plattspitze-Südgrat,2678m, (Wetterstein)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Geboren am:
04.04.1888
Gestorben am:
21.02.1982

Erste Route-Begehung