Wiesinger Paula

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Biografie:
Paula und Hans Steiger feierten ihren Fünfundsiebzigsten in jugendlicher Frische. Über sich selbst sprechen sie nur selten. Über ihre Berge und die großartigen Routen, auf denen sie ihre Gipfel erreichten, lassen sie die andern reden. Sie haben in sehr charakteristischer und ei-genwilliger Diktion mitgeschrieben an der alpinen Geschichte der zwanziger und dreißiger Jahre. Aber viele ihrer großen Unternehmungen sind inzwischen stumm archiviert in Sammelbänden und Führerliteratur. Doch wer damit umgeht, wer sich vorbereitet auf schwierige Wände, Pfeiler und Grate der Dolomiten, stößt immer und immer wieder auf das Namenspaar Steger und Wiesinger. Beide 1907 geboren (Hans Steger am 4.4. in München, Paula Wiesinger am 27.2. in Bozen), am Ende des Ersten Weltkriegs je elf Jahre alt, waren sie sportlichen Höchstleistungen unterschiedlichster Arten von Kindheit an zugetan. Paula begann mit Schwimmen und Turmspringen, Hans mit Boxen und Kanufahren. Er wurde erst einmal deutscher Jugendmeister in irgendeiner Gewichtsklasse des Faustkampfes, lernte das Schreinerhandwerk, spezialisierte sich auf Kunst- und Möbeltischlerei, ging auf die Walz und wanderte zunftgetreu bis nach Nordafrika. Um 1926 lebte er in Rom. In Südtirol begegnete ihm Paula Wiesinger. Gemeinsam gingen die beiden Ski fahren und bergsteigen, klettern in schwierigstem Fels, letzte Probleme der Dolomiten zu lösen, um nach langen Jahren enger Freundschaft schließlich zu heiraten. Paula startete eine erfolgreiche Karriere als Skirennfahrerin. Eine Tafel im Rifugio Marmolada weist sie als Rekordinhaberin einer Marmolada-Direttissima »mit überlangen Skiern« aus. Bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen stand sie zum Empfang einer Bronzemedaille im Slalom auf dem Siegerpodest. Karl Ziak, Wiener Schriftsteller und Alpinismushistoriker, rechnet in seinem Standardwerk »Der Mensch und die Berge« Paula Wiesinger zu den erfolgreichsten Bergsteigerinnen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Sie war die erste Frau, die selbständig Routen des Vl. Grades führte. Gemeinsam eröffneten Hans Steger und Paula Wiesinger neue Anstiege durch die Rosengartenspitze-Ostwand, am Winklerturm, am Einserkofel und in anderen Dolomitengruppen. Gemeinsam begleiteten sie viele Jahre lang König Albert I. von Belgien auf Dolomitengipfel -Könige ihres Metiers in ihrem Land, die den Souverän seines Landes als Bergführer in ihre Mitte nehmen durften. Am denkbar attraktiven Platz der Seiser Alm im Angesicht von Schlern, Euringer- und Santner-spitze residieren Hans und Paula Steger heute in ihrem Hotel Steger-Dellaj. Einser und Civetta sind nicht sehr weit, Vajolettürme und Rosengarten gar in unmittelbarer Nähe. Das Hotel als erholsamer Standort, die Eheleute Steger zu orts- und Landeskundiger Fachberatung, gleichzeitig hochkarätige Gewährsleute zur alpinen Geschichte der Dolomiten für eine Epoche, die sie selbst mitgestalteten. Zuletzt waren wir mit Paula und Hans Anfang Juli am Fuß der Civetta-Nordwestwand im Rahmen des Bergsteigerinnen-Treffens beisammen; 1930 war ihnen die neunte Begehung der Solleder-Lettenbauer-Route geglückt: »Wir hatten uns in Alleghe vereinbart«, erzählte Hans, »da ging noch kein Bus, ich bin von der Sellagruppe zu Fuß nach Alleghe gelaufen, um Paula zu treffen. Nach der Civettawand mußte ich in der Palagruppe einen Gast führen — da bin ich halt auch wieder über die Berge in die Pala gelaufen.« Nochmals herzlichen Glückwunsch, bestimmt auch im Namen vieler Leser!
Quelle: Der Bergsteiger 1982, Heft 11, Seite 79

Steger-Wiesinger Paula, * Bozen,später Seiser Alm, + Seiser Alm
Paula Wiesinger gehörte zu den erfolgreichsten Bergsteigerinnen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Unter den Frauen ihrer Zeit war Paula Wiesinger eine seltene Ausnahme,weil sie im schwierigen Fels auch den Vorstieg übernahm.Gemeinsam mit ihrem Seilpartner und späteren Mann Hans Steger gelangen Paula eine Reihe schwerster Erstbegehungen.
1924 2.Beg.Monte Pelmo-Nordwand,VI,850 HN,3168m, (Ampezzaner,Dolomiten)
1928 Beg.Kleinste Zinne (Preußturm)-Nordostwand „Preußriß“,V,250 HM,2700m, (Sextener Dolomiten)
1928 1.Beg.Zinne-Direkte Nordostkante, (Sextener Dolomiten)
1928 1.Beg.Einserkofel-Nordpfeiler-Nordkante „Weg der Jugend“,VI-/A1,800 HM,2698m,
(Sextener Dolomiten)
1928 1.Beg.Einserkofel-Direkte Nordwand,V+,900 HM,2698m, (Sextener Dolomiten)
1929 1.Beg.Winklerturm-Direkte Südwand „Stegerführe“,VI,120 HM,2800 m,
(Vajolettürme,Rosengarten,Dolomiten)
1929 1.Best.Guglia Franca über Südflanke,2500m, (Rosengarten)
1929 1.Beg.Rosengartenspitze-Direkte Ostwand „Steger“,VI-,600 HM,2981m, (Rosengarten,Dolomiten)
1929 1.Beg.Punta Emma-Südostwand „Steger“,V+,240 HM,2617m, (Rosengarten)
1929 1.Beg.Punta Emma-Südkante,V+/A0,260 KM,2617m, (Rosengarten,Dolomiten)
1929 1.Beg.Schlern-Burgstall-Ostwand „Pfeilerrisse“, (Schlern,Dolomiten)
1830 2.Beg.1.Frauenbeg.Monte Pelmo-Nordwand „Rossi-Simon“,VI,880 Hm,3168m,
(Ampezzaner,Dolomiten)
1930 8.Beg.u.1.Frauenbeg.Civetta-Nordwestwand „Solleder-Lettenbauer“,VI/A1,1100 HM,3218m,
(Civetta,Dolomiten)
1931 1.Beg.Elferturm-Nordwestkante,2820m, (Sextener Dolomiten)
1932 97.Beg.Cima della Madonna-Nordwestkante „Schleierkante“,IV+/A0,400 HM,2733m, (Pala)
1932 2.Beg.Hoher Zwölferkofel-Nordkante,VI-/A0,700 HM,3094m, (Sextener Dolomiten)
1932 4.Beg.Marmolata di Penia-Südpfeiler „Micheluzzipfeiler,La Direttissima“,VI/A0,550 HM,3344m,
(Dolomiten)
1933 1.Beg.Punta di Campiglio-Westgipfel-Südwand „Steger-Führe“,IV,700 HM,2876m,
(Brenta,Dolomiten)
1934 4.Beg.Marmolata Punta Penia-Südpfeiler „Micheluzzi-Führe“,VI/A0,600 KM,3344m, (Dolomiten)
1.Beg.Rosengartenspitze Nordgipfel-Nordwand „Piazverschneidung-Direkte Variante",2919m,
(Rosengarten)
2.Beg.Zwölferkofel-Nordwand,3094m, (Sextener Dolomiten)
Überschr.Vajolett-Türme,IV+,2805m, (Rosengarten)
Beg.Fleischbank-Südostwand „Wießner-Rossi“,V+,2187m, (Wilder Kaiser)
Beg.Montblanc-Peutereygrat,4807m, (Montblancgebiet)

1932 1.Platz Skiweltmeisterschaften im Abfahrtslauf in Cortina
1931-1936 15 mal italienische Meisterin Abfahrt,Slalom und Kombination
Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Geboren am:
27.02.1907
Gestorben am:
12.06.2001

Erste Route-Begehung

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