Moldan Karl

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Biografie:
Karl Moldan (+)
Eine kurze Zeitungsnotiz: Opfer der Berge. Zwei Kletterer in der Fleischbank-Ostwand tödlich verunglückt. Dann die Namen. Ein Name. Wahnsinn! Das ist nicht möglich, das muß ein Irrtum sein. Unerbittlich starrt der schwarze Drucke entgegen, kalt und gefühllos. – Der zweiundzwanzigjährige Techniker Karl Moldan…
Man kann es noch immer nicht glauben, klammert sich an einen winzigen Hoffnungsstrahl: Zeitungen bringen oft Fehlnachrichten. Vielleicht ist der Freund ausgerutscht, hat sich den Fuß verstaucht, gebrochen, oder ist auch schwer verletzt. Aber tot? Alles wehrt sich gegen den Gedanken, daß ein Mensch, der das Leben selbst war, nicht mehr ist. An so viel Lebenskraft kann doch der Tod nicht heran.
Ich eile zu Menschen, die ihn kannten, mit ihm befreundet waren. Zögernd frage ich: „Es ist doch nicht wahr?“ – Einer weiß schon Genaues. „Morgen ist das Begräbnis in Salzburg“.
Die Straßenbahnen fahren wie sonst, Autos hupen, Menschen hasten vorüber mit stumpfen, geschäftlichen Mienen. Lichtreklame blendet. Nichts ist anders. Die walze des Alltags geht weiter, gleichgültig unerbittlich, wie der Druck der Zeitung. Ein Name ist tot. Eine Reihe von Buchstaben. Uns ist ein Freund gestorben, der sonnige, treue.
Aufhalten will man die Laffen und Teilnahmslosen, ihnen in das Ohr brüllen, wer gestorben ist. Aber dann weiß man: Die würden einen nie verstehen, blasiert lächeln und viel trauriger sein, wenn man ihnen verbieten würde, heute in das Kino zu gehen. So bleibt man nur fassungslos, daß der Kamerad, ein Kämpfer, tot ist und Tausende von Feiglingen und Schleichern weiterleben.
Leben? Worte von Hermann Löns fallen mir ein. „…. Aber hoch zu wachsen und vom Blitz getroffen zu werden – schließlich ist es doch besser, als krüpplig zu werden und verschont vom Blitz und Sturm. Es gibt Menschen, die anders denken, die nur leben, um im Alter nicht zu verhungern. Aber das ist dann auch kein Leben…“
Mir wird seltsam frei um das Herz. Moldan fiel. Fiel im Kampf um eine Wand, um ein Ziel. Er lernte das Altern, die Schwäche nie kennen. Darum wollen wir nicht weibisch um ihn klagen. Vergessen werden wir ihn nie. Ihn, der sein letztes Stück Brot dem Kameraden gab, der anderen Lasten abnahm, wenn er auch noch so viel u schleppen hatte, der sein Leben oft eingesetzt hat für das andere. Der verantwortungsvolle, selbstloseste Kamerad war er oben, ein heldenhafter Mann. Ein ganz Großer. Und dann konnte er wieder sein wie ein ausgelassener Junge. Über sein ganzes bildhübsches Jungengesicht konnte Karli lachen und alle mitreißen. Alle liebten ihn, die ihn kannten.
Die Nörgler und Spießer, die Schlappen und Feigen, die nicht verstehen können, daß man sein Leben für eine große Sache einsetzen kann, zucken die Achseln: „Wozu?“
Wir aber, die wir die schwierigen Wege gehen, wissen 2wozu“. Eine Wand hat man noch nie durch Nörgeln erobert, sondern nur durch eine kühne Tat. Ein Volk hat sein Schicksal noch nie durch feiges Zusehen geschmiedet, sondern immer durch Kampf, sei es mit geistigen Waffen, sei es durch Stahl. Dieser Kampfgeist, dieser lebensbejahende Optimismus – das ist das Wertvollste, was uns die Berge heute geben.
Karl Moldan war so ein Kämpfer.
Nein! Wir wollen nicht um ihn klagen. Klagen ist zu seicht. Zu oberflächlich. Aber eine unsagbare tiefe Trauer meißelt den Freund ewig in unsere Erinnerung.
Kurt Maix, Wien
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1932, Seite 349

Cand. techn. Karl Moldan (+).
Ein selten schöner Oktobertag zog ins Land, weiß gekrönt leuchteten die Gipfel ins Salzachtal hernieder. Draußen am schönen Waldfriedhof zu Salzburg trugen die „Bergler" einen ihrer Besten zur letzten Ruhe. Karl Moldan war's, der hoffnungsvolle, erfolgreiche Bergsteiger, der, durch unglücklichen Zufall, mit seinem Bergfreund Hall an der Fleischbank-Ostwand sein junges Leben den Bergen gab. Durch seine große Bescheidenheit, sein immer freundliches Wesen erfreute sich Karl einer besonderen Beliebtheit. Besonders hervorgehoben sei seine erfolgreiche Fahrt im Kaukasus anläßlich der Österreichischen Expedition im Jahre 1921. Unvergeßlich wird er allen bleiben, die ihn gekannt haben, mit ihm in die Berge zogen.
H. R.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1933, Seite 16

Moldan Karl,*.Kuchl, später Wien, + Fleischbank-Ostwand (Absturz)
Karl Moldan galt als ein ganz Großer in den Alpistenkreisen und war als Felskünstler. Mit der Dachl-Nordwand gelang ihm zusammen mit Hugo Rößner und Sepp Schintlmeister die bisher schwerste Tour im Gesäuse. Mit Sepp Schintlmeister und Karl Poppinger überschritt er wenige Wochen danach die gewaltige Besengimauer im Kaukasus. Wenig später stürzte der Felsakrobat mit seinem Seilpartner Ludwig Hall an der Fleischbank-Ostwand zu Tode.
Karl Moldan gelangen18 Erstbegehungen in den Ostalpen,Wintererstbegehungen in den Berner-und Grajischen Alpen.
Moldan war Mitglied der Alpenvereins-Sektion Reichensteiner und Seilgefährte von Josef „Sepp“ Schintlmeister,Hugo Rößner,Karl Poppinger.

1929 1.Beg.Hochthron-Westgrat,2360m, (Tennengebirge)
1929 1.Beg.Gamsfeldkopf-Direkter-Nordwestgrat,2160m, (Dachsteingebirge)
1929 1.Beg.Glatscherofenkogel-Südliche Südostwand,2078m, (Dachsteingebirge)
1929 1.Beg.Großes Grundübelhorn-Südwand,2098m, (Berchtesgadener Alpen)
1930 1.Beg.Gamsmutterwand-Südwand „Moldan-Variation“,IV+,400 HM, (Tennengebirge)
1930 1.Beg.Tauernkogel-Westpfeiler,IV+,200 HM,2249m, (Tennengebirge)
1930 1.Beg.Westlicher Stuhllochspitz-Ostgrat,1925m, (Dachsteingebirge)
1930 1.Beg.Westlicher Stuhllochspitz-Nordwand,1925m, (Dachsteingebirge)
1930 1.Beg.Zahringkogel-Hauptgipfel-Direkte Nordwand,2125m, (Dachsteingebirge)
1931 1.Beg.Dachl-Nordwand „Moldan-Rößner-Schintlmeister-Führe“,VI-/A1,
630 HM,2204m, (Ennstaler Alpen,Gesäuse)
1931 1.Beg.Tetnuldi-Nordwestwand und Südostflanke,4858m, (Kaukasus)
1931 1.Beg.Katün (Katyn) Tau-Nordrippe,4979m (Kaukasus)
1931 1.Best.Misses Tau über Nordwand,4427m, (Kaukasus,Rußland)
1931 1.Überschr.Besengimauer,V+,13 Km,zwei Fünftausender,zwei Viertausender,5200m,
(Kaukasus)
1.Winterbest.Großes Grundübelhorn,2098m, (Berchtesgadener Alpen)
1.Winterbest.Grundübelturm,2050m, (Berchtesgadener Alpen)
1.Beg.Schwingerzipf-Nordturm (Wiener Turm)-Nordostkante,2276m, (Dachsteingebirge)
1.Beg.Cima d’Amola-Nordwand,3269m, (Adamello-Presanella-Gruppe,Dolomiten)
1.Beg.Stuhllochspitze-Nordwand,1981m, (Dachsteingebirge)?
1.Winterbeg.Becca di Monoisir, (Grajischen Alpen)
1.Winterbeg.Ciarforon,3642m, (Grajischen Alpen)
1.Winterbeg.Trsenta, (Grajischen Alpen)
Winterbest.Jungfrau,4158m, (Berner Alpen)
Winterbest.Mönch,4107m, (Berner Alpen)
Winterbest.Finsteraarhorn,4274m, (Berner Alpen)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Geboren am:
16.10.1909
Gestorben am:
09.10.1932

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