Krobath Ferdinand

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Biografie:
Ferdinand Krobath
10. Dezember 1908 — 8. Februar 1964
Mitten aus einem schaffensreichen Leben, allzufrüh, nicht nur für seine Angehörigen, hat uns Ing. Ferdinand Krobath für immer verlassen. Es geziemt sich für uns Bergsteiger einen Augenblick des Mannes zu gedenken, der eine kurze Zeit das Bild des Alpinismus mitgeformt hat.
In Graz geboren, verlebte er seine Kindheit und Jugend in Kärnten, Tirol und Wien. Den Vater verlor er bereits im frühesten Kindesalter, die Mutter als Sechzehnjähriger. Zeitweise hatte er ein schweres Schicksal zu tragen, an entbehrungsreichen Jahren fehlte es nicht. Die Generation, welcher er zugehörig war, wuchs ja in jene Zeit politischer Wirren hinein, die verbunden war mit einer Unsicherheit auf wirtschaftlichem Gebiet, so daß die Jugend, als sie gerade voll arbeitsfähig geworden war, um den Aufbau einer Existenz bangen mußte.
Den Bewohnern der Alpenländer ist die Liebe zur Natur, den Bergen und zum Wandern eingeboren. So fand er schon in Wien den Anschluß an eine Gruppe Gleichgesinnter, mit denen er die Berge der Umgebung Wiens und des Gesäuses erwanderte. Seiner ihm eigenen Tatkraft stellte er sich mit zunehmendem Können immer höhere Ziele. Ich bin wenigen begegnet, welche als Bergsteiger so universell veranlagt und begabt waren, wie Ferdinand Krobath. Schwierigkeiten im Fels wie im Eis vermochte er spielend zu meistern, und so war es nur selbstverständlich, daß er sich mit noch offenen Problemen beschäftigte und an ihre Lösung herantrat. Das Bergsteigen war in jenen Tagen, mehr als zuvor und später, ein Ventil für die Jungen in den Sturm- und Drangjahren, aus dem die überschüssige Kraft verströmen konnte. Darüber hatten wir uns mehr als einmal unterhalten und er bedauerte es tief, daß uns Geschlagenen nach dem ersten großen Kriege offenbar dieser einzige Weg vorgezeichnet war. Jeder andere Weg sich zu bewähren schien verschlossen. Im Bergsteigen sah er keinen Selbstzweck, es sollte Ergänzung sein zu anderem Tun. Jahre später hat er dies bewiesen.
Bald nach seiner Lehrzeit trat er als Zeitverpflichteter in das Bundesheer ein. Bei den Pionieren in Villach nützte er die Gelegenheit zu Bergfahrten in den Julischen Alpen, wo er einer der maßgeblichen Späterschließer gewesen ist. Zahlreiche Neutouren zeugen davon, darunter gibt es Wege, welche noch heute viel und gern begangen werden. In den Nordwänden der Hohen und Wilden Gamsmutter, der Wischberg-Ostwand, Korspitze-Nordkante, Weißenbach-Kante aus dem Kar (diese wurde aus einem Band in der Mitte 1916 von Stagl und Klug erreicht und im oberen Teil von diesen erstmals begangen) und in vielen anderen hat er seinen Namen eingetragen. Von den Bergfahrten in den Westalpen verdient eine besonders hervorgehoben zu werden, eine Bergfahrt, die seinerzeit größte Beachtung fand, die erste vollständige Überschreitung des Peutereygrates von der Aiguille Noire über die Brèche Sud des Domes Anglaises, Brèche Nord, Aiguille Blanche zum Montblanc. Dies war eine alpine Großtat ersten Ranges. Die Gefährten am großen Grat waren der am Nanga Parbat gebliebene Adolf Göttner und der in Tibet verunglückte Ludwig Schmaderer.
Strahlend leuchtete der „Große Weg" in sein späteres Dasein, und keine andere große Bergfahrt hat in der Erinnerung so nachhaltig und lebhaft gewirkt wie diese, von keiner anderen mochte er so gerne erzählen.
Durch den Peutereygrat aufmerksam geworden, erhielt er von unserem unvergessenen Rudl Schwarzgruber die Einladung zur Teilnahme an der Kaukasuskundfahrt 1935. Hier glückten ihm mit Gefährten die Erstersteigung mehrerer Viertausender sowie Neuanstiege auf Fünftausender. Auf Grund des erfolgreichen Verlaufes der KE 1935 bewarb sich Prof. Schwarzgruber für 1936 um eine Genehmigung für eine Kundfahrt in den Pamir. Da einige Wochen vor der vorgesehenen Abreise Unruhen bzw. Zwischenfälle an der Grenze Russisch-Chinesischturkestan aufgetreten waren und die Einreise für Zivilpersonen gesperrt wurde, entschied sich Schwarzgruber als Ausweg wiederum für den Kaukasus. Die Anden bzw. Kordilleren, welche ebenfalls von Anbeginn zur Wahl gestanden haben, kamen wegen Zeitnot nicht mehr in Betracht. Und so fuhr Schwarzgruber mit seinen Mannen, einer von ihnen war Krobath, zum zweiten Male in den Kaukasus. Erwähnt sei besonders die erste Überschreitung des Grates Dychtau—Koschtantau in zwei Etappen, Diese Überschreitung ist auch im Kaukasus die längste Bergfahrt, außer man verbindet damit noch eine weitere Überschreitung, wie es die Russen heute manchmal tun; aber solche Verbindungen reihen nur Bergfahrt an Bergfahrt und sind nicht mehr als Einzelunternehmungen anzusprechen. Reich an Erfolgen kehrten sie heim.
Für 1938 bereitete Schwarzgruber eine Kundfahrt in den Garhwal-Himalaya vor. Krobath sollte dabei sein. Inzwischen hatte unser Kontinent ein anderes Gesicht bekommen, Österreich kam in den Verband des Deutschen Reiches. Seit 1937 bei der Baufirma Vianova tätig, bekam Krobath im Jahre 1938 als Bauleiter ein selbständiges Baulos. Um den beruflichen Aufstieg nicht zu unterbrechen schied er schweren Herzens vom Expeditionsbergsteigen. Er konnte nicht anders. Gewohnt, einer Sache mit Hingabe und Einsatz aller verfügbaren Energien zu dienen, mußte das Bergsteigen zurücktreten.
Nach seiner Verehelichung blieb ihm nur ein kurzes Glück in der Heimat beschieden. Als der Weltenbrand zum zweiten Male ausbrach, wurde er als Offiziersanwärter zu den Waffen gerufen. An den Fronten im Osten und Norden eingesetzt, erlitt er bei Petsamo eine schwere Verwundung, die ihn längere Zeit ans Krankenbett fesselte. Seiner Tüchtigkeit und glänzenden Führungseigenschaften war es zuzuschreiben, daß er mitten im Kriege Hauptmann wurde und nach seiner Genesung die Führung eines Bataillons übertragen erhielt.
Die Existenzsorgen nach 1945 überschatteten alles andere. Langsam ging es aufwärts, bis wieder mit den steigenden Anforderungen an die Bauwirtschaft eine Beruhigung und damit Festigung der Existenz eintrat. Auf große Bergfahrten ist Krobath nicht mehr gekommen, das verboten ihm die Folgen seiner Verwundung, aber auf Wanderungen, besonders im Winter mit Frau und Kindern konnte man ihn häufig sehen.
Alles was er angriff durfte nicht Mittelmaß sein; erst zufrieden, wenn es vollendet, wendete er sich anderen Aufgaben zu. Die Teilnahme an seinem Begräbnis bewies, wie sehr er geschätzt und geachtet war, und man konnte erahnen,, welchen Verlust die Firma durch sein Hinscheiden erlitten hat. In seinem Wohnzimmer hängt ein Bild vom „Großen Grat" und ich konnte mehr als einmal sehen wie seine Augen leuchteten, wenn die Erinnerung an seine wohl größte Bergsteigertat aufloderte; dieses Wissen darum läßt ihn mir im Gedenken noch strahlender erscheinen.
Wir, seine Freunde, werden ihn sehr vermissen.
Leo Spannraft
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1964 September/Oktober, Folge 1337, Seite 153-155

1933 1.Beg.Hohe Weißenbachspitze-Direkte Nordkante,IV,2257m, (Julische Alpen)
1934 1.Beg.Montblanc-Peutereygrat von Breche Nord über Aiguille Noire-Südostgrat,
Bréches des Domes,Anglaises und Aiguille Blanche,4807m, (Montblancgebiet)
1927 1.Beg.Kleiner Buchstein-Südwestgipfel-Mittlere Südwand "Krobath Variante",1985m,
(Ennstaler Alpen)
1929 1.Beg.Leitmeritzer Spitze-Nordgipfel-Westwand,2643m, (Gailtaler Alpen)
1935 Best.mehrerer Viertausender sowie Erstbesteigungen von Fünftausender im Kaukasus
1936 1.Gratüberschr.Dychtau,5204m,zum Koschtantau,5145m, (Kaukasus)
1.Beg.Hohen Gamsmutter-Nordwand,2518m, (Julische Alpen)
1.Beg.Wischberg-Ostwand,2666m, (Julische Alpen)
1.Beg.Korspitze-Nordkante,2368m, (Julische Alpen)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu





Geboren am:
10.12.1908
Gestorben am:
08.02.1964

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