Solleder Emil

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Biografie:
Solleder Emil „Zacke“,Bergführer,* 23.8.1899 München/Burghausen, ab 1930 St.Anton am Arlberg
+ 27.7.1931 Meije (Absturz beim Abseilen)

Emil Solleder war Mitglied des Alpinclub Hochempor und war ein Bergführer und Extremkletterer. Er gehörte in den zwanziger Jahren zu den besten und erfolgreichsten Bergsteigern.
Emil Solleder wurde am 23. August 1899 in München geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und absolvierte eine Lehre als Maschinenbauer. Nach dem Kriegsende, als Zweiundzwanzigjähriger, wollte er seinen Traumberuf Bergführer ,ergreifen und arbeitete fortan als Helfer auf Schutzhütten sowie als Bewirtschafter einer Brennhütte in den Kitzbüheler Bergen. 1925 erhielt er die Autorisierung zum Bergführer. Innerhalb weniger Jahre wurde er einer der bekanntesten und begehrtesten Führer der Ostalpen.
Solleder war in Alaska gewesen und hatte sich dort als Goldgräber versucht. Nach Europa zurückgekehrt, hatte er sich so fürs Bergsteigen begeistert, dass er 1925 das Ski-und Bergführerdiplom erwarb und machte sein Hobby zum Beruf.
Emil Solleder war außerdem ein erfolgreicher Skilangläufer. 1926 gewann er den Bayerischen 35-Kilometer-Langlauf und auch bei dem 50-Kilometer-Lauf am Holmenkollen erreichte er eine beachtliche Leistung. Da er auch als Skilehrer autorisiert war, wirkte er auch als Trainer.
Ihm gelangen etwa 20 bedeutende Erstbegehungen. Auch als Winterbergsteiger war er sehr erfolgreich. Allein im Winter 1926/1927 stand er auf 20 Viertausender.
Er beging schon 1920 als erster mit Georg Hausmann die Oberreintalturm-Südwestkante „Fahrradlkante“,V-,280 HM im Oberreintal (Wetterstein).
Emil Solleder hatte sich mit kühnen Taten in den Dolomiten in die Geschichtsbücher geschrieben. Der schwierige Anstieg auf die Sass Maor über die Ostwandroute am 2.September 1926 von Emil Solleder und Franz Klammer nimmt eine besondere Stellung ein. Sie gehörte zu den klassischen vier Touren im Dolomitenraum. Solleder und Kummer waren erst gegen 11.30 Uhr eingestiegen, gelangten aber noch am gleichen Tag auf den Gipfel.
1925 wurde die Route an der Furchetta-Nordwand, die von Hans Dülfer und Luis Trenker angefangen wurde, von Emil Solleder und Fritz Wießner vollendet.
Am 27. Juli 1931 verunglückte Emil Solleder, 34 Jahre alt, tödlich, als bei einer Überschreitung der Meije ein Abseilblock ausbrach und er 600 Meter über die Südwand abstürzte. Er wurde in St. Jakob am Arlberg beigesetzt.

1918 Beg.Totenkirchl-Westwand,2193m, (Wilder Kaiser)
1920 Beg.Lalidererspitze-Nordkante "Herzogkante",IV+,583 HM,2583m, (Karwendel)
1920 1.Beg.Geiselstein-Nordwand "Alte Nordwand-Herzogweg",IV+/A0,450 HM,1884m, (Ammergauer Alpen)
1920 1.Beg.Nordwestlicher Zundernkopf-Nordgrat,2324m, (Wetterstein)
1920 1.Beg.Südlicher Zundernkopf-Nordgrat,IV,2400m, (Wetterstein)
1920 1.Beg.Oberreintalturm-Südwestkante "Fahrradlkante",V-,280 HM,1940m, (Wetterstein)
1925 1.Beg.Kuhlochspitze(Kuhljochspitze)-Gerade Nordwand,2297m, (Erlspitzgruppe,Karwendel)
1925 1.Beg.Kuhlochspitze(Kuhljochspitze)-Westwand,2297m, (Erlspitzgruppe,Karwendel)
1925 1.Best.Freiungspitze-Ostgipfel,2302m, (Erlspitzgruppe,Karwendel)
1925 1.Beg.Freiungspitze-Ostgipfel-Nordwand,2302m, (Erlspitzgruppe,Karwendel)
1925 1.Beg.Freiungspitze-Ostgipfel-Ostwand,2302m, (Erlspitzgruppe,Karwendel)
1925 1.Beg.Civetta-Nordwestwand "Solleder-Lettenbauer",VI/A1,1100 HM,3218m, (Civetta,Dolomiten)
1925 1.Beg.Torre Firenze-Westwand "Solleder",V,2500m, (Puezgruppe)
1925 1.Beg.Furchetta-Nordwand "Solleder",VI-,700 HM,3025m, (Geisler-Gruppe,Dolomiten)
1926 1.Beg.Furchetta-Südwand "Solleder-Kummer-Führe",V,3025m, (Geisler-Gruppe,Dolomiten)
1926 1.Best.Punta Gretel über Ostwand, (Pala)
1926 1.Beg.Sass Maor-Ostwand "Sollederweg", VI/A1,1000 HM,2814m, (Pala,Dolomiten)
1926 1.Beg.Rosengartenspitze Nordgipfel-Nordwand "Solleder-Kummer",V,300 HM,2981m, (Rosengarten,Dolomiten)
1926 1.Beg.Pala di San Martino-Nordwand "Solleder-Kummer",V+,350 HM,2987m, (Pala,Dolomiten)
1826 1.Beg.Cima Wilma-Westwand "Solleder-Kummer",IV+,280 HM,2777m, (Pala,Dolomiten)
1926 2.Beg.Fleischbank-Südostwand "Wießner-Rossi",V+/A1,270 HM,2187m, (Wilder Kaiser)
1927 Winterbest.von 20 Viertausender
1930 1.Beg.Cima Immink-Westkante "Solleder-Fontain",V,550 KM,2855m, (Pala,Dolomiten)
1927 1.Winterbeg.(Alleinbeg.)Piz Bianco-Biancograt im Auf-.u.Abstieg,3998m, (Bernina)
Beg.Totenkirchl-Direkte-Westwand "Dülferführe",V+/A1, 450 HM,2193m, (Wilder Kaiser)

Gerd Schauer, Isny im Allgäu

Quelle: Der Bergsteiger 1931, Seite 254 ff
Quelle: Der Bergsteiger 1932/33, Seite 38

Emil Solleder
Vita *23. August 1899 München, (+) 27. Juli 1931 Meije (Absturz); Schulzeit und Maschinenbauerlehre, Soldat im Ersten Weltkrieg; Berg- und Skiführer (1925), staatlich geprüfter Skilehrer (1927); lebte die letzten Jahre in St. Anton am Arlberg, wo er mit Hannes Schneider arbeitete und ein Haus besaß.
Chronik Emil Solleder gehörte in den zwanziger Jahren zu den erfolgreichsten Bergsteigern, dem an die 20 bedeutende Erstbegehungen geglückt waren, u. a. 1925 Furchetta-Nordwand mit Fritz Wiessner, die durch gescheiterte Versuche von Hans Dülfer und Luis Trenker einen großen Nimbus hatte; eine Woche später fiel nach einem Versuch am 7. 8. die 1200 m hohe Civetta-Nordwestwand, zusammen mit Gustav Lettenbauer — beide Anstiege genießen noch heute großes Ansehen; 1926 Sass-Maor-Ostwand mit Felix Kummer, Rosengartenspitze-Nordwand und Pala-di-San-Martino-Nordwand. Emil Solleder war auch aktiver Winterbergsteiger; allein im Winter 1926/27 stand er auf 20 Viertausendern, darunter die 1. Winterbegehung des Biancogrates am Piz Bernina als Alleingeher im Auf- und Abstieg. Nicht zuletzt war er auch ein starker Skilangläufer, der sich 1927 am Holmenkollen im 50-km-Lauf den 33. Platz holte, was damals für einen Mitteleuropäer ein großer Erfolg war. Er gehörte zu den wenigen deutschen Bergführern, die sich von ihrem Beruf ernähren konnten (im Winter als Skilehrer). Auch an der Meije war ei als Bergführer unterwegs: anläßlich der klassischen Überschreitung brach beim Abseilen der Abseilblock aus.
-th
Quelle: Der Bergsteiger 1982, Heft 5, Seite 55-56

Quelle: Der Bergsteiger 1984. Heft 6, Seite 61 ff (siehe Anhang)




Geboren am:
23.08.1899
Gestorben am:
27.07.1931
application/pdf Solleder Emil - BST 1984-6.pdf

Erste Route-Begehung