Hasse Dieter

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Biografie:
Dietrich Hasse
Vita *24.3.1933 in Dresden; Studienrat an einem Münchner Gymnasium (Biologie, Geographie, Politik); verheiratet.
Chronik Ende der fünfziger Jahre setzte Dietrich Hasse neue Maßstäbe im Klettern. Im sächsischen Elbsandsteingebirge groß geworden, waren er und Lothar Brandler an schwierigste Freikletterei gewöhnt und beherrschten sie perfekt (im sächsischen Sandstein wurden künstliche Hilfsmittel nie zur Fortbewegung benutzt!). Da die damals einzige Nordwandroute an der Großen Zinne (Comici) den zentralen Wandteil nicht berührt, sann Dieter, wie ihn seine Freunde nennen, nach einer Erstbegehungsmöglichkeit. Zusammen mit Lothar Brandler, Jörg Lehne (t) und Sigi Löw (t) gelang ihm ein Jahr später auch die Erstbegehung der Direttissima, von der Wiederholer (Desmaison, Maestri) sagten, »das ist der VII. Grad« (den Hasse und Brandler im Elbsandsteingebirge schon lange vorher geklettert hat-ten). Es kam damals nicht zur Erweiterung der sechsgradigen Schwierigkeitsskala, weil die Wiederholer eine ganze Reihe Haken hinzuschlugen und die vermehrten Haken auch als notwendig erachte-ten. Das Klettern steckte noch mitten im »Eisenzeitalter«. Dietrich Hasse und seine Kameraden benutzten dagegen nur die Sicherungs- und Fortbewegungshaken, die sie hinterließen. Der VII. Grad ist von den Erstbegehern damals schon geklettert worden. Nur— er konnte sich nicht halten. Die Zeit war noch nicht reif. Dietrich Hasse und Lothar Brandler durchstiegen in dieser Zeit auch erstmals die Südwestwand der Rotwand im Rosengarten auf einer neuen Direktroute (Buhl-Weg). Mit Sepp Schrott gelangen Dietrich Hasse ebenso schwierige Direktrouten an der Nordwestwand des Delago-Turms und am Südpfeiler des lnnerkofler-Turms. Es folgten Expeditionen mit Erstbegehungen und Erst-besteigungen im Hindukusch (1960) und in Südamerika (1969). Dietrich Hasses Unternehmungsgeist hielt weiterhin an. Es folgten wieder Erstbegehungen in den Dolomiten, dann im Hoggargebirge (1972) und am Nordkap (1974). Mitte der siebziger Jahre entdeckte er das Meteoragebiet in Griechenland als Klettergebiet und begann mit Freunden die Erschließung. Neben mehr als 100 (!) Erstbegehungen (einschließlich Erstbesteigungen) gelangen ihm zusammen mit Kameraden der Sektion Berggeist, der er auch angehört, zwei überragende Neutouren: die Ostwandroute am Alyssos und der Talweg am Kastrakiturm. — Die Begriffe »Rotpunkt« und »af« gab es in den fünfziger Jahren noch nicht. Vom sächsischen Sandstein an echte Freikletterei gewöhnt, durchstieg Dietrich Hasse schon 1955 (!) die Gelbe Kante an der Kleinen Zinne ohne künstliche Hilfsmittel zur Fortbewegung — im heutigen Sinne rotpunkt.
Dietrich Hasse setzte sich auch immer wieder für die alpine Sicherheit ein. Sein tollkühner Si-cherungsversuch auf der Schwä-bischen Alb ging in die Geschichte ein. Er erarbeitete viele Verbes-serungsvorschläge. So geht auch die Seilkennzeichnung 1/2 und ? auf ihn zurück. Siehe auch Bergsteiger 3/83, Seite 35.
Pit Schubert
Quelle: Der Bergsteiger 1984, Heft 9, Seite 85-86


Geboren am:
24.03.1933
application/pdf Hasse Dietrich - Bergsteiger 1983-3, Seite 35.pdf

Erste Route-Begehung