Südwestgrat

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Routen Details:
Zur Erschließung der Granatspitzgruppe. (Auszug Seite 94)
Von Hans Donabaum in St. Polten.
......Wir setzten unsere Tur fort, indem wir den Anstieg auf den Landeckkopf von Süden in Angriff nahmen, über teilweise mit Moos bewachsene steile Felsen, auf denen eine herrliche Alpenflora angesiedelt ist. Bald aber kamen wir an die von der Spitze gegen Südwesten in den obersten Kessel des Landecktals fast senkrecht abstürzenden, vollkommen glatten Felsen, an deren Überschreitung nicht zu denken war. Wir gingen deshalb an die Nordseite des Grats, sahen aber, daß diese in fast vertikalen Steilwänden von zirka 600 m Höhe zur Ammertaler öd und dem gleichnamigen See abstürzt. Es war, um auf die Westseite des Landeckkopfes zu gelangen, nur die Möglichkeit gegeben, in einer unter den kolossalen, gegen die Nordseite überhängenden Gipfelfelsen sich längs der Nordwand hinziehenden Rinne auf dem Bauche liegend uns hinüberzuarbeiten, was eine sehr luftige Kletterei war und im wirklichen Sinne des Wortes «glatt» vonstatten ging. Maier, der, auf dem Bauche kriechend, die hinderlichen Pickel immer ein Stück vorauswarf, gewährte mit seiner stattlichen Leibesfülle und seinem Rucksack, der über der senkrechten Wand baumelte, einen Anblick, der Heiterkeit erweckte, wenngleich wir natürlieh besorgt waren, wie es hinter der Rinne, die sich im weiteren Verlaufe etwas senkte, so daß der Körper von selbst etwas rutschte, aussehen würde. Als Maier meldete, daß wieder gute Felsen da wären, kroch ich nach und nun kamen wir auf die breiteren Platten ganz wenig unterhalb des Gipfels. Um 9 U. 30 standen wir auf dem Landeckkopf, 2910 m, der im Mittelpunkte der Granatspitz*Gruppe aufragt. Die Rundsicht ist herrlieh und reicht vom Watzmann und der Schönfeldspitze im Steinernen Meer sowie dem Hochkönig über das Wiesbachhorn, den Hocheiser, den Großglockner und die Dolomiten, von denen uns besonders die Drei Zinnen und die Marmolata auffielen, bis zur Venediger Gruppe mit dem in nächster Nähe imposant aufsteigenden Großvenediger und weiter zu den Zillertaler Alpen. Ganz besonders prachtvoll aber ist der Blick auf die nächste Umgebung, die Ammertaler öd mit ihren schauerlichen, 600 m tiefen Felsabstürzen und den jäh abfallenden zerrissenen Gletschern, an deren Ende der herrliche, große, smaragdgrüne Ammertaler See, 2300m, heraufschimmert. Wie großartig muß vom See aus der Talschluß erscheinen! Aber kein Turist kommt in dieses wilde, öde Hochtal, das seinerzeit Sonklar wegen der ungewöhnlichen Steilheit seiner Wände als eine «hohle Gasse» bezeichnete, «die durch ihr absonderliches Aussehen in dieser Richtung ihresgleichen sucht». Eine halbe Stunde saßen wir bei herrlichstem Sonnenschein und vollkommener Windstille auf diesem prachtvollen Platze, uns an dem mitgenommenen Mundvorrate labend. Dieser schöne Gipfel, der seiner zentralen Lage im Tauernhauptkamme wegen der Granatspitz*Gruppe eigentlich den Namen Landeck*Gruppe geben sollte, würde nach Fertigstellung des Höhenwegs von der Ammertalerscharte her ohne Schwierigkeit zu erreichen sein. Um 10 U. 25 stiegen wir mit frischen Kräften die Felsen steil hinab zu einer Scharte zwischen Landeckköpf und Ammertaler- oder Landeckhöhe und jenseits zu dieser Erhebung wieder hinauf. .......
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1909, Seite 93 (Auszug)
Datum erste Besteigung:
10.07.1908
Gipfel:
Großer Landeckkopf
Erste(r) Besteiger(in):
Donabaum H.
Maier F.
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