Ostwand

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Routen Details:
Es galt nun auf dem kürzesten Wege die Mittereckspitze zu erreichen. Der »Hochtourist« spricht von einer »schwierigen Klettertour« und verweist auf das Firschnitztörl und den Ostgrat. Daß dieser Weg möglich ist, konnten wir wohl erkennen, aber uns dünkte doch eine andere Route besser. In der Ostwand bemerkten wir eine schmale Schneekehle, die durch die Felsen hinanzog, und es schien, daß sich dieselbe als steile Schneerinne weiter hinauf fortsetzen werde; in den linken Begrenzungsfelsen derselben vermuteten wir hinaufkommen zu können.
Um nicht an Höhe zu verlieren, wollten wir von der Terrasse aus gleich die Schutthänge queren; ein senkrechter Plattenabsturz trieb uns aber schon nach einigen Minuten wieder zurück. Wir mußten uns etwas gegen Osten wenden, gelangten dann abfahrend tiefer hinunter und umgingen auf diese Weise den Absturz. Über Geröll und schmale Schneefelder stiegen wir sodann wieder "an und standen bald am Eingang der Rinne. Zu unserer Freude sahen wir unsere Vermutungen bestätigt. Sehr steil ging es nun durch den bereits erweichten Schnee aufwärts. An einer günstigen Stelle betraten wir die Felsen zur Rechten, in denen wir nun flott emporkletterten. Schmale Grasstreifen vermittelten immer wieder einen unschwierigen Weg durch die Platten. Endlich querten wir wieder in die Rinne und stiegen nun durch dieselbe empor bis zu einigen großen Blöcken, welche die Passage absperren. Hechenbleikner kletterte über dieselben sehr schwierig empor, während ich inzwischen einige Schritte zurückging und einen Riß rechterhand zum Anstieg benützte, was auch leichter ist, als gerade durch die Rinne aufzusteigen. Nun benutzten wir wieder die Felsen und gelangten über dieselben in eine steile, sekundäre Schneerinne, in der wir Stufen herstellen mußten. Bald darauf hatten wir über unschwierige Schrofen den Gipfelgrat und wenige Minuten arnach den höchsten Punkt desselben erreicht.
Von einer vorhergegangenen Ersteigung des Gipfels war nichts zu sehen und es regten sich in uns Zweifel, ob eine solche überhaupt stattgefunden hatte. Die Aussicht ist natürlich ähnlich derjenigen von der Bretterspitze. Diese selbst konnten wir sehr gut überblicken und wir fanden jetzt auch leicht den besten Anstieg auf letztere heraus. Er ist sehr einfach: Aus dem südlich gelegenen Kar wendet man sich durch eine Rinne auf den östlichen Vorkopf, von dem man in kürzester Zeit auf den Gipfel gelangt.
Quelle: Zeitschrift des DÖAV 1908, Seite 320
Datum erste Besteigung:
17.07.1905
Gipfel:
Mittereggspitze
Erste(r) Besteiger(in):
Franzelin Eduard
Hechenbleikner Ingenuin
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