Spody Karl Graf

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Biografie:
Graf Karl Spody, Wien,

1881 Best.Watzmann-Mittelspitze,2714m, (Berchtesgadener Alpen)

Gerd Schauer, Isny im Allgäu

Karl Spody (+)
Es war am 24. November. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne warfen ihre glanzlosen Lichter auf ein frisch geschaufeltes Grab. Eine kleine Gruppe treuer, teilnehmen­ der Freunde stand schweigend, von aufrichtiger Trauer erfüllt, an der offenen Grube, in welche eben, weil es das herbe Schicksal so wollte, ein guter Freund, ein unvergeßlicher Berg- und Wandergenosse für immer und alle Zeit versenkt wurde. Dieselben Berge seiner engsten Heimat, die der Verstorbene so oft und von reinster Begeisterung erfüllt an Freundesseite in froher Stimmung durchstreifte, blicken trauernd nieder zum Kirchhof, und ihre Wälder übergeben freundlichen Lüften einzelne gelbe Blätter und Blüten, die leise niedersinken auf den frischen Grabhügel: Ein allerletzter Gruß dem einst so wanderlustigen Herzen, das hier zur Ruhe kam. Zur Ehre seines Andenkens mögen die folgenden wenigen und einfachen Worte in diesen Blättern gebührend Raum finden. Der Heimgegangene war ein treues Mitglied unseres Klubs, dem er fast seit der Grün­dung und mit allen Fasern seines Herzens angehörte. Wenn er es auch nicht liebte, lieh in den Vordergrund zu treten oder sich öffentlich an den Geschäften unseres Vereins zu beteiligen, so wirkte er doch im Stillen, im kleinen Kreise, das Klubinteresse stets fördernd, und seine Meinung und Ansicht ward in früheren Jahren in so manch ernster Angelegenheit von einem jeweiligen Präsidium nicht nur gern gehört, sondern wurde des öfteren auch die richtunggebende. Das Wesen unseres unvergeßlichen Freundes verband die größte Bescheidenheit und sympathische Einfachheit. Schlicht wie die Bewohner der Berge und dabei starr und klar. Seinen Prinzipien und Ansichten, welche er einmal als richtig erkannt, ist er sein ganzes Leben hindurch unwandelbar treu geblieben, unbekümmert um die Gunst der gerade herr­schenden Tagesmeinung! Er war ein voller Charakter, eine feste, geschlossene Persönlich­keit. Niederes hat niemals in seinem Herzen Raum gefunden. Seiner Konversation wußte Spody einen eigentümlichen Zauber zu verleihen, dem sich nicht leicht jemand zu entziehen vermochte; sein Gespräch war anregend und geistreich, eine gewisse Ursprünglichkeit, gepart mit vielem reichen Wissen; seine große Belesenheit ver­mehrte den Reiz der Unterhaltung. Auf ihn können die Worte, die der Dichter der „ Fürstengruft“ mahnend seinem Sohne zurief: „Nur nicht viel lesen, sonst gute Nacht, Originalität“! keinerlei Anwendung finden: Karl Spody war ein Original. Es ist mir leider hier nicht möglich, weder Form noch Inhalt einiger seiner oft so an­ ziehenden Gespräche, seiner so treffenden Bemerkungen und Einfälle auch nur andeutend wieder­ zugeben. Sein berechtigtes Selbstgefühl legte auch immer zu wenig Wert darauf, die Blicke Anderer auf sich zu ziehen, von der Welt in der ganzen 'Tiefe seines Wesens und seiner Lebensauffassung richtig erkannt und geschätzt zu werden: Jetzt, wo vor dem Toten alles Irdische, Lob und 'Tadel, Gunst und Spott längst ausgeglichen, jetzt möge dies gesagt werden. Ganz besonders ausgeprägt war bei unserem lieben Freunde die Freude am Bergsteigen, die Liebe zur Natur, zu den Alpen, die er auch nach allen Richtungen hin durchwandert hat. Schon leidend und der größten Schonung bedürftig, zog es ihn noch immer mächtig zu man­chem Gipfel hinan; er hat seiner unendlichen Liebe zu den Bergen auch den größten 'Tribut gezollt, das höchste Opfer gebracht: sich selbst. Mir aber ist’s, indem ich dieses bescheidene, immergrüne Kränzlein der Erinnerung auf sein frühes Grab lege, als ob ich in letztem Liebesdienste dem teuren 'Toten die Augen zu ewigem Schlummer zudrückte.
Julius Hossinger.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 650, Seite 330-331

Gestorben am:
11.1903