Nordwestgrat Gesamter
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Routen Details:
1. Überschreitung des Grates vom Niederen Kreuz zum Hohen Dachstein.
Niederes Kreuz (2632 m), Überschreitung von Ost nach Süd—Hohes Kreuz (2839m), 1. Überschreitung von Nord nach Süd - Wallnerkopfl, Überschreitung von Nord nach Süd—Niederer Dachstein (2926m), I. Ersteigung aus der Steinerscharte über den Nordgrat - 1. direkter Abstieg in die Techniker-Alpenklubscharte—Hoher Dachstein (2996m), II. Ersteigung über den Nordgrat. 3. Juli 1903.
Ab Simonyhütte 6 U. In anfangs gemäßigtem Tempo — wir hatten tags zuvor Torstein, Mitter- spitze und Dachstein überschritten — zur Ostwand des Niederen Kreuzes und über Schrofen zum Beginn einer steilen, oben durch eine Wachte abgeschlossenen Eisrinne. Durch diese und in der sie durch furchenden Lawinenrinne zu den in ihrem oberen Teile an Neigung abnehmenden Felsen linkerhand. Über dieselben in anregender Kletterei auf den vom Gipfel gegen Norden ziehenden plateauartigen Rücken und weiter auf die Spitze. 8 U. 10—8 U. 30. Auf sonst begangenem Wege auf das Hohe Kreuz. 9 U. 10 - 9 U. 35. Über den gutgestuften, in seinem letzten Teile interessante Kletterstellen bietenden Südgrat (bisher einzige Begehung durch Dr. Wessely und Lelaut im Aufstieg) hinab zur Simonyscharte. 10 U. 30 - 10 U. 45. Die Überschreitung des Wallnerköpfls bot keinerlei Hindernisse, so daß wir schon kurze Zeit darauf den bisher unbegangenen Nordgrat des Niederen Dachsteins in Angriff nehmen konnten. Ab Steinerscharte ll U. 12. Über ein horizontales Gratstück zum ersten sich entgegenstellenden Ab bruch, denselben links umkletternd und über den schmalen Grat auf die nun folgende selbständige Er hebung. Nach Errichtung eines Steinmannes überraschend leicht in die dahinter befindliche Scharte. Die Überschreitung der nächsten Gratstrecke vollzog sich fast durchwegs auf der Schneide, worauf über gutgriffige Steilstufen in schöner Kletterei der Gipfel erreicht wurde. 12 U. - 12 U. 10. Den zuerst von Keidel und Dr. Wessely begangenen Südgrat überschritten wir bis zum senkrecht ober der Techniker- Alpenklubscharte aufstrebenden Pfeiler. Während die Genannten von hier durch einen Kamin und über schwierige Wandpartien zum Hallstättergletscher abstiegen, war unser Bestreben, direkt in die Techniker- Alpenklubscharte zu gelangen. Durch den den Pfeiler in der Mitte spaltenden senkrechten Kamin etwa 20 Meter hinab, hierauf kurzer schwieriger Quergang rechts auf den hier wieder ansetzenden Grat. Auf diesem steil, schließlich überhangend an guten Griffen in die Techniker-Alpenklubscharte. 12U. 50—iU. Über den schöne Kletterstellen bietenden, reichlich von Schmelzwasser überronnenen Nordgrat auf den Hohen Dachstein. 1 U. 45 - 2 U. 15. Abstieg zum Gosaugletscher und nach Überschreitung der Windleger scharte hinab zur Bachleralpe. 6 U.
Der ununterbrochene Abblick auf den Gosau- und Hallstättergletscher macht diese Gratwanderung zu einer der empfehlenswertesten in der Dachsteingruppe. Die für dieselbe beanspruchte Zeit dürfte als Mindestmaß in Betracht zu ziehen sein.
Gustav Jahn, Otto Laubheimer, Wien
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1903, Folge 642, Seite 214-215
Datum erste Besteigung:
03.07.1903
Gipfel:
Dachstein Niederer
Erste(r) Besteiger(in):
Jahn Gustav
Laubheimer Otto