Südwand
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Routen Details:
Fölzsteln (1956m). 1. Ersteigung über die Südwand. 29. Juni 1902.
In Gesellschaft der Herren Dr. Günther Freih. v. Saar und Ing. F. Kleinhans ab Fölzhotel (780m) 5 U. 20 früh und dem bekannten Wege durch die niedliche Fölzklamm folgend zu den Hütten (1472m) der Fölzalm (7 U. 30); hier links ab und auf anfänglich schwach ansteigendem Pfade unter dem Ostgrate unseres Berges durch zu dessen Südwand, an welcher über Geröll um 8 U. 8 der Einstieg erreicht wurde. Derselbe befindet sich am Beginne einer steil von rechts unten nach links oben empor ziehenden Terrasse fast in der Fallinie unter dem höchsten Punkte des Berges.
Ab 8 U. 48 und über den stellenweise plattigen Fels der Terrasse gegen links hinauf, wo dieselbe begrünt ist und endet. Ein Versuch, vermittelst des die Fortsetzung unserer Terrasse nach links hin bildenden, von rotem Gesteine überwölbten Bandes leichtere Felsen zu erreichen, kostete uns viel Zeit und mußte schließlich doch aufgegeben werden; deshalb kletterten wir über eine mannshohe Felsstufe links von einer kleinen Höhle vor dem Terrassenende zu einem kurzen und weiten, aber überhangenden Kamine hinauf, welcher uns (schwierig) auf einen Felskopf brachte. Nun quert man etwa 15 Meter gegen rechts in eine Art Nische, aus welcher es über die plattige Kante links in eine sehr steile Verschneidung geht, welche nach ungefähr 15 Meter auf eine Grasterrasse mündet. Nun links zum Beginne jenes großen Risses, welcher, oben kaminartig vertieft und nach rechts gedreht, geradenwegs von der Gipfelfläche herab zieht. In dem noch seichten Riß zunächst zu einer Höhle empor, hier rechts über plattigen Fels hinaus und oberhalb über ein schmales, aufwärtsführendes Band gegen links wieder zurück und hinauf zu einem tiefen Felsloche (12 U. 3o bis l U.), ober welchem der Riß als vielfach überhangender, wahrscheinlich ungangbarer Kamin weiterzieht. Unter der senkrechten Wand auf grasigem Boden links aufwärts zum Beginne eines dieselbe durchschneidenden, völlig lotrechten (sehr schwierigen) Kamines; nach etwa 15 Meter wird derselbe durch einen Überhang gesperrt: links über denselben äußerst schwierig und gefährlich empor in die ganz seichte und brüchige Fortsetzung des Kamines, welche auf die Höhe einer Rippe bringt (links ein überbrückter, wilder Felsspalt). Der Spalt wird weiter oben nach links gequert und auf seiner linksseitigen Begrenzungsrippe ein ebener Absatz erreicht; von diesem rechts hinüber in den Grund des vorhin erwähnten, zur Gipfelfläche emporleitenden Risses, der schon unten benützt wurde. Etwa 6 Meter rechts von einem bösen Absätze in demselben über ein schmales Band nach links hinauf zu einem zweiten Absätze des Risses, der zu einer kleinen Plattform leitet. Über ein weiteres (brüchiges) Kamin stück zu einem natürlichen Felstore; von innen auf die Brücke empor und nach links zum Ausstiege. Gipfel an 3 U. 50 nachmittags; ab 4 U. 35 in westlicher Richtung zur verlassenen Karlalm (5 U. 5 bis 5 U. 45) und den schönen Karlgraben hinaus auf gutem Jagdsteige zum Festlhofe und zum Bodenbauer (877 m), 7 U. 25 abends. Schöne, aber sehr ernsthafte und gefährliche Tur.
Dr. Viktor Wolf v. Glanvell, Graz.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1905, Folge 685, Seite 105
Datum erste Besteigung:
29.06.1902
Gipfel:
Fölzstein
Erste(r) Besteiger(in):
Glanvell Victor Wolf Edlen von Dr.
Kleinhans Franz
Saar Günther von