Nordwand

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Routen Details:
Rabenstein (1479m). I. Ersteigung über die Nordwand. 22. Juni 1902.
Ein langer, wolkenbruchartiger Regen hatte eben aufgehört, als ich um 2 U. nachmittags in Gesellschaft der Herren med. R. Kaltenbrunner, Dr. Günther Freih. v. Saar und Ing. F. Kleinhans den Bodenbauer (877m) verließ; in südsüdwestlicher Richtung über das steinige Joserbachbett hinüber und zu einer seichten Verschneidung, welche (vielfache Pfadspuren) durch Wald steil gegen den Westrand der Nordwand unseres Gipfels emporleitet und oben in eine Schutthalde übergeht. Kurz vor den Felsen über den waldigen Rücken nach links hinüber und auf Geröll und über grasige Schrofen zum eigentlichen Einstiege (2 U. 35 bis 2 U. 40), einer Einbuchtung in den sehr steilen Wänden, etwas rechts von dem westlichen Ende der noch hoch oben befindlichen ersten Terrasse in der Nordwand. Nun links auf einer jähen Steinschicht (unten eine kurze Holzleiter und gleich darüber ein Eisenstift) empor zu einem Absätze und weiter durch eine seichte Rinne nach links aufwärts, bis man (etwas absteigend) eine links befindliche tiefe Runse kurz ober ihrem Abbruche betreten kann. Durch dieselbe — oben ein schöner plattiger Absatz — zur ersten Terrasse. Auf derselben, einem deutlichen Gemssteiglein folgend, über zwei vorspringende Köpfln, zwischen welchen sich ein Schrofenabsatz befindet, gegen links, bis man auf bewachsenem Boden nach rechts zur zweiten Terrasse emporsteigen kann; knapp an den Wänden zur Linken auf Schutt weiter, an einer Höhlung (4 U. 15 bis 4 U. 45) vorbei. Auf begrünten Schrofen neben steilem Fels rechts aufwärtssteigend, gelangt man bis unter einen seichten, senkrechten Riß in der Wand zur Linken. Rechts von demselben folgt man (schwierig) einem sanft ansteigenden, aber völlig plattigen und stark herausdrängenden Bande etwa 15 Meter nach rechts und erreicht dann über steilen, oben grasdurchsetzten Fels eine kleine, etwas links befindliche Nische. Rechts von derselben durch eine Verschneidung, aus welcher man bald rechts herausklettert, empor, oben quer über dieselbe nach links hinüber und durch eine Rinne zu einem engen Schartl, welches ein abstehender Block mit der eigentlichen Gipfelwand bildet; hier etwa 8 Meter waagrecht gegen links hinüber und auf gras- und latschenbewachsenem Fels zum etwas links gelegenen höchsten Punkte hinauf (6 U. 15). Ab 6 U. 25 auf kleinen Waldsteiglein erst nach Südwesten, bald jedoch gegen Westnordwesten ins Josertal hinunter, welches wir ein Stück ober der Meßneralpe (958m) betraten; Bodenbauer an 7 U. 15 abends.Wiederholter heftiger Regen hatte den Aufstieg sehr verzögert.
Dr. Viktor Wolf v. Glanvell, Graz.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1905, Folge 685, Seite 105
Datum erste Besteigung:
22.06.1902
Gipfel:
Rabenstein
Erste(r) Besteiger(in):
Glanvell Victor Wolf Edlen von Dr.
Kaltenbrunner Roderich
Kleinhans Franz
Saar Günther von