von Norden
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Routen Details:
Erste Begehung im Alleingang
Fermedaturm (2867m). I. Ersteigung von Norden am 20. August 1904.
Von der Regensburgerhiitte über die Jochscharte auf die Nordseite des Fermedastockes. Einstieg 9 U. Ich verfolgte die Nordroute auf die kleine Fermeda, welche sich in ihrem unteren Teile in der Nordwand des Fermedaturmes bewegt, bis zur Schlucht zwischen beiden Gipfeln. (10 U. Zirka 80 Meter über dem Einstiege.) Diese Schlucht war mit blankem Eise erfüllt; an ihrem östlichen Rande stieg ich nun über Schutt, teilweise über Eis stufenhackend, zirka 20—30 Meter empor bis an den Eingang einer Kaminreihe, welche sich in die Wand zur Linken einschneidet. In diesen Kaminen, durch welche fortwährend kleine Steine heruntersprangen, hinter mehreren eingeklemmten Blöcken durch, dann schwieriger über einige Blöcke an ihrer Außenseite in Stemm- und Spreizarbeit empor. Die Kaminreihe vertieft sich mehr und mehr zur Steilschlucht, welche nun durch eine Reihe von Überhängen gesperrt wird; unterhalb eines schmalen, moosigen Risses traversierte ich auf einem mit rotem Sande bedeckten Bande nach links und kletterte über die die Schlucht links begrenzende schrofige Kante zirka 10 Meter aufwärts, um dann wieder in die Schlucht zurückzukehren, welche sogleich durch einen neuen Block geschlossen wird. An der senkrechten Wand rechts desselben mit Hilfe einer kleinen schrägen Rampe sehr schwierig empor, dann ein kurzes Stück in der sanderfüllten Schluchtsohle weiter, bis schrofiger Fels wiederum den Aufstieg auf die linke Seitenrippe gestattete; von dieser aus an der linken Seitenwand der Schlucht sehr exponiert rechts aufwärts, durch eine Runse gerade empor und Traverse nach rechts, zuletzt absteigend in die Schluchtsohle. Den folgenden Überhang umkletterte ich wiederum sehr schwierig über die rechte Seitenwand. Es folgte ein eingeklemmter Block, hinter dem man durchklettern könnte, jedoch sind die Felsen derart mit Erde bedeckt, daß ich die Umgehung an der linken Seitenwand vorzog.
Damit hatte ich die Scharte erreicht, mit welcher die Kaminreihe endigt. Eine kurze Traverse brachte mich auf schrofiges Terrain, von wo aus ich links unter mir die Fermedascharte erblickte. (1 U. 50 bis 2 U. 20, 240 Meter über dem Einstiege.)
Da die gelben Gipfelwände einen direkten Anstieg zum Gipfel zu sehr in Frage stellten, so suchte ich mich zur Nordostkante durchzuschlagen. Links oberhalb befindet sich in derselben ein kleiner Zacken, zu welchem schrofiges Terrain hinaufleitet. Diesem zustrebend, querte ich einige sandbedeckte Bänder und kletterte über die gutgriffigen Schrofen links aufwärts bis zu einer von der Nordostkante trennenden Einsenkung. Diese überschritt ich dicht unter den Steilwänden, hinter einem kleinen Zacken durch, dann — sehr exponiert, 100 Meter direkt über der Fermedascharte — auf fußbreiten Gesimsen und kam durch einen Kamin in das Schärtchen, das der erwähnte Zacken in der Nordostkante bildet. (3 U. 10, 300 Meter.)
Nun nach links auf den Nordostweg, den man unter der kleinen, zum Grate führenden Schlucht gewinnt, und zu dem noch 100 Meter höheren Gipfel (zirka 3 U. 30).
Die neue Route, welche sich, wie aus dem Obigen ersichtlich, zu 3/4 in der Nordwand hält, ist fast durchwegs sehr schwierig und anstrengend und unterscheidet sich von den anderen Wegen auf den Fermedaturm durch ihr vielfach sehr brüchiges Gestein. Besonders unangenehm ist der erdige Sand, welcher die Schluchten und Kamine erfüllt.
Dr. Georg Leuchs-München.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1905, Folge 692, Seite
Datum erste Besteigung:
20.08.1904
Gipfel:
Fermedaturm (La Peles)
Erste(r) Besteiger(in):
Leuchs Georg