Barth Hermann von

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Biografie:
geboren im Schloß Erasburg (Bayern-Deutschland)
gestorben durch Freitod (Herzschuß)
stammt aus einer bayerischen Adelsfamilie; war in Sonthofen Rechtspraktikant;
An ihn erinnert ein Denkmal am Kleinen Ahornboden im Karwendel sowie die Hermann v. Barthhütte in den Allgäuer Alpen;
Er war ein großer Alleingeher. Sein Spruch (1870) - "Wer mit mir geht, der sei bereit zum sterben!";
1870 im Karwendel 88 Gipfel erstiegen; Viele Erstbegehungen in den Berchtesgadener Alpen, im Karwendel, Wetterstein, Mieminger Kette und den Allgäuer Alpen;
Im Jahre 1876 im Auftrage der portugiesischen Regierung nach Angola und Benguelle als Geologe gereist, erkrankt dort, kehrt nach Loanda zurück und macht in einem Anfall von Fieberwahn seinem Leben ein Ende.

Dr. Hermann v. Barth.
Wenn der Tod den Menschen am Abend eines viel bewegten Lebens nach befriedigendem Abschluss einer thatenreichen Laufbahn und Erreichung vorgesteckter Ziele abruft, so werden die Ueberlebenden zwar schmerzerfüllt und trauernd in das Grab des Dahingegangenen blicken, jedoch mit einer gewissen Resignation dem unabänderlichen Gesetze der Natur sich gegenüber stellen. Anders aber wenn der Tod dem Leben eines Mannes, dessen geistige Begabung zu den grössten Hoffnungen berechtigte, in der Blüthe der Jahre, in Mitte rastloser, fruchtbringender Thätigkeit und am Beginn einer grossen und ehrenvollen Laufbahn plötzlich ein Ende macht. Viel zu früh ! haben gewiss alle gerufen, welche die überraschende Nachricht vom Tode Hermann von Barth's vernommen und den hoffnungsvollen jungen Gelehrten gekannt haben. An Barth hat der Deutsche und Österreichische Alpenverein einen langjährigen und verdienstvollen Clubgenossen verloren, dessen bedeutende Verdienste für alpine Forschungen hier in diesem Rückblicke auf das kurze aber höchst thätige Leben des jungen Forschers eine eingehende Darlegung seiner Leistungen zur Pflicht machen. In früher Jungend Thatendurst und ungewöhnliche Energie. Er bezog die Universität München und widmete sich dem Studium der Jurisprudenz. Mit der ihm innewohnenden Eigenschaft, alles Angefangene zu einem vollendeten Abschlüsse zu bringen, legte er sich mit grössten Eifer auf die Vorbereitungsstudien zum Staatsconcurse, welchen er im Jahre 1870 glänzend bestand. Seine Praxis als Rechtspractikant führte ihn nach Regensburg, Berchtesgaden und Sonthofen. In Berchtesgaden erwachte in ihm der Trieb zur Durchforschung der Alpen. Barth, der zuvor nie einen Berg bestiegen, wurde zum Theil, wie er selbst mittheilte, durch die vielen Erzählungen der überstandenen Mühen und Gefahren, welche von den in Berchtesgaden im Sommer sich zahlreich aufhaltenden Bergtouristen vorgetragen wurden, zum Bergsteigen angeeifert. Wurde auch diese Lust durch die herrliche Natur und den ihm innewohnenden Sinn für die Grossartigkeit derselben angeregt, so verdross es ihn, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, dass jeder Neuling durch ausführliche Schilderungen überstandener Gefahren und glücklich durchführter Felsenklettereien als kühner Bergsteiger sich auszugeben suchte. Barth versuchte nun selbst zuerst leichtere Gipfelbesteigungen, dann schwierigere Partien und hierauf die kühnsten und gefährlichsten Spitzen, bis zuletzt kaum ein Gipfel des ganzen Berchtesgadener Landes von ihm unerstiegen blieb. Schon bei diesen Erstlingstouren, die ihm bald den Ruf eines ungewöhnlich kühnen Steigers verschafften, zeigte Barth besondere Eigenthümlichkeiten in der Auffassung des Zweckes von Alpenwanderungen, welche bei seinen späteren Leistungen auf alpinen Gebieten noch schärfer hervortraten und gewissermassen seine ganze spätere Richtung kundgaben. Barth stellte sich den Alpen gleichsam als Entdecker gegenüber, ihm waren die Berggebiete mit ihren entlegenen Hochthälern, versteckten Klüften, öilen Karen und unnahbaren Felszinnen Ländergebiete, welche ihrer Durchforschung harrten. Ohne Führer, ohne Anleitung, sich selbst oft kaum mit den nöthigsten Proviant versehend, richtete er selbstständig seine Angriffslinien in die an vielen Stellen noch ganz und gar unbekannten Felsenöden. Er wollte selbst Wege finden und nur allein auf eigenen Füssen stehend das Berggebiet kennen lernen und Gipfel für Gipfel erklimmen. Die vielen Umwege, welche diese Methode des Bergsteigens dem Unermüdlichen verursachen musste, schreckten ihn keineswegs ab, sondern dienten ganz und gar seinem Zwecke. Wenn man auch einen Gipfel drei und viermal vergeblich ansteigt, das fünfte Mal gelingt es doch, war Barth's Ausspruch.
Die genaue Kenntniss der topographischen Verhältnisse eines Berges, eines ganzen Gebirgsstockes, war für Barth zunächst das Hauptziel seiner gründlichen Wanderungen. Wenn ihm auch bei seinen ersten Touren im Berchtesgadener Lande noch alle jene Kenntnisse und Erfahrungen mangelten, welche zu genauen orographischen Studien unbedingt nothwendig sind, so hat er dennoch schon über diese ersten Touren alle Beobachtungen in Bezug auf Plastik des Gebirgsbaues und Gliederung^ der einzelnen Ketten und Stöcke mit grösstem Fleisse und Bekundung einer außerordentlichen Orientirungsgabe, wobei ihn sein ausgezeichnetes Gedächtniss wesentlich unterstützte, schriftlich niedergelegt. Das Produkt seines Fleisses bildet ein umfangreiches Manuscript, dessen Inhalt die ganze Berchtesgadener Gebirgsgruppe zum Gegenstande hat.
Während seines Aufenthalts in Sonthofen als Praktikant am dortigen k. Bezirksamt richtete er seine Aufmerksamkeit zunächst auf die gipfelreichen Algäuer Alpen. Mit gewohnter Ausdauer und mit dem in Berchtesgaden gewonnenen Selbstvertrauen auf die eigene Kraft stellte er sich die bedeutende Aufgabe, alle Gipfel der gesaramten Gruppe ohne Ausnahme zu besteigen, um die Topographie des ganzen Gebietes in allen Einzelnheiten aufs Genaueste kennen zu lernen. Diese grosse Aufgabe hat Barth gelöst und die in mehreren autographirten Exemplaren niedergelegte eingebende Beschreibung seiner Touren gibt Zeugniss von seiner Unermüdlichkeit und sorgfältigen Beobachtung des topographischen Details. Nachdem Barth die Allgäuer Alpen in dieser systematischen Weise durchwandert, und auch die schwierigsten Gipfel von ihm bezwungen waren, fasste er bei seiner Uebersiedlung nach München den Plan, in gleicher Weise die Kalkalpen zwischen Fernpass und Achensee, nämlich das Wetterstein- und Mieminger Gebirge und die vor ihm noch wenig bekannten Parallelketten der Karwendelgruppe und des Isarquellgebietes in gleicher Weise zu durchwandern und eine gründliche topographische und touristische Beschreibung dieser umfangreichen Gebirgsgruppen zu veröffentlichen. Während einiger Sommermonate hat Barth in diesem zum Theil höchst wilden und unzugänglichen Gebirgsgebiete Unglaubliches geleistet. In den Kalkalpen zwischen Scharnitz und Achensee bestieg er allein über 80 Gipfel, von welchen eine grosse Zahl bisher kaum dem Namen nach bekannt waren. Seine Ausdauer, seine ungewöhnliche Kühnheit und Zähigkeit erregte in den dortigen Thälern selbst bei den waghalsigsten Gemsenjägern Staunen und wer selbst, wie der Verfasser dieses Necrologes unter Zugrundelegung der von Barth zur eingehenden Bereisung des Gebietes demselben notirten Routenverzeichnisse, sich von der Schwierigkeit dieser kühnen Wanderung überzeugen konnte, wird die von Barth niedergelegten Schilderungen seiner Wanderungen sicherlich als getreue Berichte überstandener Gefahren beurtheilen. Bei diesen Bergbesteigungen begnügte sich Barth nicht mit Erreichung der Gipfelpunkte allein, es war ihm, wie aus dem Vorhergehenden bereits hervorgehen dürfte, vorzugsweise um topographische und orographische Entdeckungsreisen und um genaue Aufnahme und Beschreibung des Gesehenen und Erforschten zu thun Von den meisten Gipfeln aus hat Barth die Contouren der umliegenden Ketten aufgenommen, um möglichst vielseitige Ansichten eines jeden einzelnen Gebirgsstockes zu bekommen.
Durch eine einfache, wenn auch unvollkommene Aufnahmsmethodt 1 , deren Mängel übrigens durch ungemein zahlreiche Beobachtungen ausgeglichen wurden, verschaffte er sich in horizontaler Projektion Kartenbilder der einzelnen Gebirgsglieder, so dass er wohl mit Recht von seinen Wanderungen einstmals sagen konnte: ich habe die Berge des Karwendel so gründlich durchwandert, dass ich jeden der Felsklötze aus Teig ziemlich genau zu modelliren wüsste. Eine Anzahl von Aufsätzen in der Alpenvereins-Zeitschrift, in Amthors Alpenfreund und im Ausland bekundeten schon damals seine gründlichen Detailstudien und zugleich aber auch eine lebendige formgewandte Darstellung. Wir erinnern nur an die prächtige Dreithorspitz-Beschreibung, an die Schilderung der Rossloch-Gruppe und der Walser Kerle, an die Wanderung in den Ketten des Hallthales u. s. w. Ein grösseres Werk „Aus den nördlichen Kalkalpen", im Jahre 1874 herausgegeben, veröffentlichte die interessantesten und wichtigsten seiner Erfahrungen und Forschungen in den weitgedehnten Gebieten der Kalkalpen zwischen Bodensee und Salzkammergut, und der frische, kecke Ton der niedergelegten Schilderungen harmonirt prächtig mit seinen muthvollen Wanderungen und den kühnen Zielen, welche er verfolgte. Das selbstbewusste „Ich hab's gewagt", welches seine lebendigen Darstellungen oft scheinbar auf Kosten objectiver Ruhe durchzieht, findet durch seine in den nördlichen Kalkalpen bis jetzt wohl einzig dastehenden Leistungen sicherlich volle Berechtigung. Werthvolle Manuscripte und Zeichnungen über viele noch nicht veröffentlichte Wanderungen Barth's in den nördlichen Kalkalpen sollten auf Wunsch des Verlebten mit den Ergebnissen meiner Wanderungen in diesen Gebieten zu einer eingehenden gemeinsamen Bearbeitung vereinigt werden. Die Herausgabe dieser Forschungen erscheint sicherlich nunmehr doppelt als Pflicht.
Barths Bergwanderungen gaben Anlass zu seinen nachfolgenden Studien der Geologie und Paläontologie. Die vielen grossartigen Probleme über Aufbau der gewaltigen Gebirgsmassen, welche dem aufmerksamen kühnen Steiger stets von Neuem Stoff zum Denken gaben, machten ihm den Mangel geologischer Kenntnisse mehr und mehr fühlbar. Er war, wie er mir wiederholt gestand, unzufrieden mit seinen Leistungen, er wollte mehr als Topographie, er wollte die grossen Eäthsel des Gebirgsbaues, der Bildung der Schluchten und Kare, Thäler und Felsthürme lösen lernen. Dieses lebendige Verlangen brachte den Entschluss Geologie zu studiren zar Reife. Neben seinen Berufsgeschäften als Accessist an der k. Regierung zu Augsburg vertiefte er sich in das Studium geologischer Werke, brachte jede freie Stunde in dem dortigen paläontologischen Museum zu und suchte die zahlreichen Hilfswissenschaften dieser umfangreichen Disciplin sich anzueignen. Bald fühlte er jedoch, dass solche umfangreiche Studien sich nicht mit den Berufsarbeiten eines künftigen Verwaltungsbeamten vereinen lassen. Er nahm zuerst Urlaub vom Staatsdienst und trat später ganz aus demselben, um sich mit voller Kraft den Studien hingeben zu können. Einzelne Wanderungen, die er noch unternahm, waren nicht mehr der Bergbesteigung an sich, sondern der geologischen und paläontologischen Forschung gewidmet, welche sich insbesondere auf die Nummuliten-Formationen bei Sonthofen erstreckten. Unter der Leitung des ausgezeichneten Paläontologen Zittel studierte nunmehr Barth in München mit unausgesetztem Fleisse Paläontologie und Geologie, lernte nebenbei in kurzer Zeit Englisch und Russisch und fand noch Zeit eine Reihe geistreicher Artikel für das „Ausland* zu liefern, wozu seine naturwissenschaftlichen Studien und die Vertiefung in Haeckels „Generelle Morphologie" Veranlassung gaben. Ausserdem bearbeitete er in dem kurzem Zeiträume von sechs Monaten ein Werk über die Erforschungsreisen in Ostafrika, welches seinen Namen in wissenschaftlichen Kreisen bekannt machte und besonders die Aufmerksamkeit der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft in Berlin und dann der portugiesischen Regierung auf den jungen Gelehrten lenkte. Letztere bot ihm die Stelle eines Landes-Geologen für die portugiesischen Besitzungen in Westafrika an, und damit war dem Thatendrang und unerschrockenen Muth des jungen Naturforschers ein würdiges Ziel eröffnet.
Nachdem Barth noch die philosophische Doctorwürde erworben, verIiess er am 9. Januar 1876 München und gelangte am 27. Januar nach Lissabon. Einen zweimonatlichen Aufenthalt auf den Cap Verdischen Inseln benützte er zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse in der portugiesischen Sprache und zu zahlreichen Wanderungen in den dortigen Gebirgen. Seine Bergsteigerlust, veredelt durch seine naturwissenschaftlichen Bestrebungen, erwachte dort in ihm gewaltig von Neuem. Er durchwanderte kreuz und quer die Inseln S. Jago und S. Antao und nahm eine Karte dieser Inseln auf. Aus den mir von Barth zugekommenen Nachrichten sind gewiss nachstehende Zeilen von Interesse für die Vereinsgenossen.
„Ich babe zwei der grössten Inseln, S. Jago und S. Antao kreuz und quer durchlaufen; da gibt es auch recht nette Berge, nicht ganz so hoch wie bei uns, aber von zuweilen ganz verwegenen Formen; und der Unterschied, dass man hier meist vom Meeresspiegel oder nahe demselben aufsteigt, ist auch in Betracht zu ziehen; die Tour vom Engenhos-Thale auf S. Jago nach dem 1360 m hohen P. d'Antonia hinauf war ungefähr eine Nebelhorn-Partie von Oberstdorf aus und von Tarrafal auf S. Antos bis auf den Topo da Coroa 1980 m ist ungefähr Mädelegabel-Partie. Aussicht stellenweise brillant, meist grossentheils Meer, aber auch das Innere der Inseln ist recht hübsch, und viele Thäler sind so wildschroff, dass ich Morgens allemale die Augen rieb und mich verwundert fragte, in welchem Tiroler oder Algäuer Thale ich etwa stecke. Dass Alles vulkanisch ist, thut dem landschaftlichen Charakter wenig Eintrag, hie und da erscheinen wohl die kleineren und grösseren Kegel- und Kraterbecken, die Haupttätigkeit der Gebirgsmeisselung fiel dann doch dem erodirenden Wasser zu und dieses hat hier die nämlichen Gestaltungen geschaffen wie in unseren Alpen auch. Die Verwegenheit, mit welcher Wege und zwar Wege, die zu Pferde oder Maulthieren geritten werden, oft an fast senkrechten Wänden im Zickzack auf und abgeführt sind, übersteigt alle Begriffe und ich, der ich in den Alpen doch Einiges gesehen, habe gar keinen Vergleich dafür. "
Im Juni 1876 erreichte Barth San Paola de Loanda, den Ausgangspunkt seines neuen Wirkungskreises und die höchst anziehende Schilderung der „ Angola-Fahrt" im „Ausland" enthebt von eingehender Beschreibung der Reise an seinen neuen Bestimmungsort und gibt ein sprechendes Zeugniss von dem seinen auf tiefe Kenntnisse gestützten Sinn für Naturbeobachtung und seiner gewandten Darstellungsgabe. Nur einige Stellen.aus dem letzten Briefe, den ich von meinem Freunde aus Afrika erhielt, mögen hier noch Platz finden.
„Die Küste ist auf der ganzen Erstreckung von Ambriz herunter steil und sandig, weiss und roth, und darüber, genau wie bei unseren Münchener Isarufern, erstreckt sich eine endlose mit einzelnen Bäumen besetzte Ebene, die Einem jede Lust zu Ausflügen gründlich benimmt; so lange man nicht wirklich eine Reise antritt, kann man getrost zu Hause bleiben. Ich habe mich hier im Hotel „Afrika" leidlich eingerichtet, mein Zimmer ist sehr gross, besitzt aber sehr mangelhaftes Meublement ; die Wände habe ich mit Landkarten tapezirt. Die Hitze habe ich bisher sehr mittelmässig gefunden. Hier haben wir ganz gemässigte Temperatur, Tag und Nacht fast constant 24° C.; freilich sind wir jetzt auf der Höhe des Winters und wenn Sie daheim Weihnachten feiern, wird es bei uns etwas heisser werden. Mit meiner Gesundheit bin ich jetzt recht zufrieden ; in der ersten Woche hier stellte sich als vorläufige Anmeldung der Tropenzone eine Magenvergallung ein, die mir Anfangs ziemlich ernstlich schien, war's aber nicht und ich bin jetzt wieder kreuzwohl und gebe weniger denn je auf alle Fiebergeschichten."
Leider dauerte das Wohlbefinden H.V.Barths nicht lange. Die von ihm späterhin nach Europa gelangten Nachrichten enthalten bereits düsteren Inhalt und die uns von befreundeter Hand zugekommenen nachfolgenden Mittheilungen gaben zu schlimmen Befürchtungen Anlass.
„In Begleitung von 2 schwarzen Dienern und 17 Negern als Träger des Gepäckes etc. brach er am 1. August von Loando auf und erreichte nach ca 8 tägigem Marsche Golungo Alto. Nachtquartiere mussten gehalten werden theils im Walde, theils an den Ufern des Bengo, nur einmal in einem kleinen Negerdorfe Fundo. Die Mosquitos machten sich schon sehr unangenehm bemerklich; das Land daselbst um Golungo ist ein prächtiges, wundervolles Gebirgspanorama mit üppigster Tropenvegetation. Nach kurzem Aufenthalt von wenigen Tagen wurde wieder abmarschirt und am 28. August der äusserste Ort des portugiesischen Territoriums Duque de Braganza erreicht, eine kleine Stadt mit Fort und Besatzung' in ziemlich ungesunder Lage. Der Marsch ging Ton Golungo über Ambaca, Nohango, Mussatala, kleine exponirte Militärposten. Das durchzogene Land wundervoll üppig, mitunter aber sehr einförmig, flach, sumpfig etc. namentlich in den Flussgegenden; herrliche und charakteristisch geformte Höhenzüge wechseln ab. Reizend gelegen ist Icolo e Bengo auf einer Anhöhe, das Thal daselbst äusserst fruchtbar ; man sieht grosse Mandioh- und Maispflanzungen und marschirt fast beständig im Schatten von Kokos und Palmen, von Orangen-, Mango- und Mofunnion-Bäumen. Die ganze Vegitation ist ungemein üppig und überwuchernd, echt tropisch. Der afrikanische Buschwald tritt jetzt ziemlich häufig auf. Auf diesem Marsche spürte Barth bereits ein unbehagliches Gefühl und in Duque de Braganza zeigten sich auch schon die ersten Fiebererscheinungen. Es lag in seiner Absicht, von Duque de Braganza aus in nord-westlicher Richtung den portugiesischen Posten Encoge zu gewinnen, und von da nach Berabe, Ambriz etc. hinauszugehen. Zwischen Encoge und Duque de Braganza liegt aber unabhängiges Negergebiet, unter so und so vielen Königen, Saba's und Positives. Obwohl fieberkrank, brach Barth am 13. September dennoch auf, kam nach Mambulu, nahe bei Kalandula, halbwegs nach Encoge; nun aber trat das Fieber mit aller Heftigkeit auf, steigerte sich bis zur tropischen Dyssenterie, jedes Marschiren wurde wegen Mattigkeit und Elend zur Unmöglichkeit; er musste umkehren und mit allen Beschwerlichkeiten, Mühsalen, Gefahren und Entbehrungen, mit endloser Schlepperei — gehen konnte er nicht mehr — nur noch mit 2 Schwarzen, kam er endlich total erschöpft und schwer erkrankt Anfangs November in Loando wieder an. Sein Bückweg ging über Ambaca nach Cazengo und Dondo am Cuanzaflusse, von wo ein Dampfer ihn nach Loand fuhr. Die letzten Briefe von ihm (November) lauteten nicht sehr günstig, sein Zustand war sehr leidend und er glaubte selbst längere Zeit zur Erholung zu bedürfen"
Die vollständige Dyssenterie der Tropen mit Fieberbegleitung entkräftete Barth vollständig, aber selbst in hohem Stadium seiner Krankheit verläugnete er seine Zähigkeit und Ausdauer nicht, indem er vor Lösung der gestellten Aufgabe selbst auf dringendes Anrathen des nach Europa zurückkehrenden Dr. Pogge nicht in die Heimat zurückkehren wollte. Am 7. December entriss ihn der Tod der Wissenschaft.
Alle seine Freunde, besonders auch die Clubgenossen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins werden dem auf dem Gebiete der Wissenschaft rastlos vorwärtsstrebenden Gelehrten, dem muthigen Pionier in den nördlichen Kalkalpen sicher ein dauerndes ehrendes Andenken bewahren.
A. Waltenberger.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1877, Seite 61-66

Hermann von Barth zum 90. Todestag.
Ist Friedrich Simony ein stetiges Feuer, das, einmal entzündet, über fünfzig Jahre seinem Gegenstande treu blieb, so ist Hermann von Barth eine helle Flamme, die heiß und kurz emporlodert und dann in sich zusammensinkt. Hermann von Barth entstammt einem alten bayrischen Geschlecht. Er wurde am 5. Juni 1845 auf Schloß Eurasburg im Loisachtal geboren. Er studiert in München die Jurisprudenz, 1868 ist er als Rechtspraktikant in Berchtesgaden, 1869 im Bezirksamt Sonthofen. Naturverbunden und mit den Bergen vertraut von Jugend auf verbringt Barth seine freie Zeit auf den Gipfeln der Berge seiner Umgebung. 1870 gehört ihm das Karwendel, 1871 das Wettersteingebirge, 1872 die Ötztaler, 1873 das Hagengebirge und die Mieminger. 1871 kam Barth nach Augsburg, wo er zur dortigen Sektion des Alpenvereins stößt. 1873 quittiert er den Staatsdienst und widmet sich geologischen und geographischen Studien. So sehr haben ihn die Nördlichen Kalkalpen in ihren Bann geschlagen, daß er alles über sie wissen und erforschen will. Seine Spannkraft und Leistungsfähigkeit sind erstaunlich. Er ist zäh und gründlich und ein Meister der Schilderung. Das einzige gedruckte Werk ist ,,Aus den Nördlichen Kalkalpen" (1874). Viele hundert Manuskriptseiten zeugen von seinem Fleiß.
Zu ihrer Veröffentlichung ist es nicht mehr gekommen. Am 9. Jänner 1876 verläßt Barth München, um einer dreijährigen Verpflichtung durch die portugiesische Regierung als Landesgeologe nach Westafrika, Angola und Benguele, zu folgen, die er gerne eingegangen war. Am 7. Dezember 1876 setzt er in einem schweren Fieberanfall seinem Leben selbst ein Ende. Im 32. Lebensjahr verlischt diese heiße Flamme, Vorbild einer ganzen Generation junger ,,Erschließer" und unvergeßlich nicht nur seinen Zeitgenossen. Am Kleinen Ahornboden im Karwendel hat ihm seine Augsburger Sektion am 28. Mai 1882 ein würdiges Denkmal enthüllt.
Dr. Emil Hensler
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1967, Heft 3/4, Seite 41-42

Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1926, Seite 270 f. (siehe Anhang)
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1927, Seite 79 f. (siehe Anhang)
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1933, Seite 241 f.f (siehe Anhang)
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1955, Seite 138 f. (siehe Anhang)
Quelle: Der Bergsteiger Jahrgang 44, 1977, Seite 40f
Quelle: Alpinismus Jahrgang 15, 1977,Heft 1, Seite 11 (siehe Anhang)
Quelle: Mitteilungen des DAV 1977, Seite 333 ff und 351
Quelle: Jahrbuch des DAV/ÖAV/AVS, Jahrgang 102, 1977, Seite 221 ff (siehe Anhang)
Quelle: Der Bergsteiger Jahrgang 50, 1983, Heft 9, Seite 34 f.
Quelle: Bergwelt 1983, Heft 4, Seite 36 f
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1991, Heft 6, Seite 21

88 Gipelbesteigungen im Karwendel,12 Erstbesteigungen im Karwendel
69 Gipfelbesteigungen in den Berchtesgadener Alpen
10 Erstbegehungen in den Berchtesgadener Alpen
Hermann von Barth,1845 im bayerischen Voralpenland geboren,begann nach seinem Jurastudium in München seine bergsteigerische Karriere 1868 in Berchtesgaden. Dort gelangen ihm Erstbegehungen und entwickelte sich zu einem mutigen und verwegenen Alleingänger. Barth ging als erster ohne Führer in die Berge,oft ohne Seilpartner.Er war Initiator des führerlosen Bergsteigens.Kreuz und quer stieg er in den Berchtesgadener Alpen,in den Allgäuer Alpen,im Karwendel,Wetterstein,Stubaier Alpen herum.
Hermann von Barth war der bedeutenste Erschließer der Allgäuer Alpen. Am 1.Mai 1869 war er als Rechtspraktikant nach Sonthofen ins Allgäu gekommen und begann die Erkundung der Allgäuer Alpen. Ihm gelangen abenteuerliche Besteigungen und Durchquerungen. In nur wenigen Monaten bestieg er 44 Allgäuer Gipfel. Vor allem in der bis dahin beinahe unberührte Hornbachkette glückten ihm große Überschreitungen un waghalsige Klettereien. Die im Jahre 1900 errichtete Hermann von Barth-Hütte erinnert an den großen Erschließer.
Barths Schriften,Aufzeichnungen und Skizzen bleiben für das Allgäu ein unschätzbarer Wert und ermöglichte seinem Freund Anton Waltenberger den ersten Allgäu-Führer herauszugeben.
Gerd Schauer, Isny im Allgäu











Geboren am:
05.06.1845
Gestorben am:
07.09.1876
application/pdf WIKIBarth Hermann - DÖAV 1926.pdf
application/pdf WIKIBarth Hermann - DÖAV 1927.pdf
application/pdf WIKIBarth Hermann - Mitt. DÖAV 1933.pdf
application/pdf WIKIBarth Hermann - DAV 1955.pdf
application/pdf WIKIBarth Hermann - AV-Jahrbuch 1977-221.pdf
application/pdf WIKIBarth Hermann - Alpinismus 1977-1-11.pdf
application/pdf WIKIBarth Hermann von - ÖAV Mitteilungen 1991-6, Seite 21.pdf

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