Specht Joseph Anton

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Biografie:
Specht Joseph Anton, * in Lindenberg (Westallgäu), später Schweiz, Italien, 1845 Nürnberg,
ab 1849 Wien, + in Wien

Der gebürtige Allgäuer Joseph Anton Specht war einer der besten Bergsteiger seiner Zeit. Er gilt als einer der wichtigsten Ostalpenpioniere seiner Zeit und war aufgrund seiner zahlreichen Erstbesteigungen bahnbrechend für die Erschließung der Ötztaler und Stubaier Alpen.
Häufig gemeinsam mit seinem langjährigen Bergführer,dem Montafoner Gemsenjäger Franz Pöll,machte er zahlreiche tourist. Erstbesteigungen. Der alpine Veteran hatte schon zu einer Zeit,wo es noch keine alpine Vereine gab und das Führerwesen noch nicht existierte,großartige Bergfahrten unternommen. Bereits ab 1850 dürfte Specht erste Bergtouren unternommen haben. Spechts Touren waren oft Erforschungs-und Entdeckungsreisen im besten Sinne des Wortes. Seine Unternehmungen sind verhältnismäßig wenig in die alpine Öffentlichkeit gedrungen. Somit sind nur die Aufzeichnungen seiner Bergpartner und vor allem senes Leibführers Franz Anton Pöll bekannt geworden. Er machte viele Besteigungen im Verwall,Silvretta,Bernina,Adamello,Ortler.
Specht beschränkte seine Reisen nicht allein auf das Alpengebiet,sondern suchte auch fernere Erdteile auf und bestieg unter anderem auch den Pic de Teyde auf Teneriffa.
Weil ihn aber auch keine wissenschaftlichen oder andere Motive auf die Berge trieben, so darf Specht als das Urbild eines Bergsteigers aus Leidenschaft bezeichnet werden.
Specht war 1869 Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins und ab 1873 Mitglied der Sektion Austria des DÖAV, ferner war er Mitglied des Österreichischen Alpenklubs.
Spechts Berggefährten waren: Franz Pöll,Albert Wachtler, Johann Jakob Weilenmann.
1857 1.Best.Lange Wand-Nordgipfel,3087m, (Glocknergruppe)
1857 1.Beg.Lange Wand-Südgipfel-Südwestkamm,3027m, (Glocknergruppe)
1857 Best.Großglockner,3798m, (Hohe Tauern)
1857 Best.Großvenediger,3555m, (Hohe Tauern)
1857 1.Touristische Best.Wildspitze-Südgipfel,3770m, (Ötztaler Alpen)
1860 Beg.Vers.Ortler „Stickle Pleiߓ,3902m, (Ortleralpen)
1860 1.Tourist.Best.Heiligkruzkofel,2907m, (Fanes,Dolomiten)
1861 1.Touristische Best.Weißkugel über Steinschlagferner u.Hintereisjoch,3739m, (Ötztaler Alpen)
1861 Best.Similaun,3606m, (Ötztaler Alpen)
1862 1.Best.Schaufelspitze von Südosten,3332m, (Stubaier Alpen)
1862 1.Best.Zuckerhütl über Ostgrat „Normalweg“,3507m, (Stubaier Alpen)
1864 1.Beg.Blankahorn-Südgrat,3129m, (Verwall)
1864 1.Überg.Blankahorn,3129m, zum Hohen Riffler,3163m, (Verwall)
1864 1.Best.Hoher Riffler,3163m, (Verwall)
1864 3.Best.u.1.Beg.Königspitze (Gran Zebrù)-Ostwand „Specht-Führe“,III,50°,3859m, (Ortlergruppe)
1864 1.Best.Dremelspitze,2733m, (Lechtaler Alpen)
1865 1.Best.Piz Buin über Westflanke und Nordwestgrat,3312m, (Silvretta)
1865 1.Best.Crast 'Agüzza über Westgrat,3854m, (Bernina)
1866 1.Best.Vesulspitze,3092m, (Samnaungruppe)
1866 1.Best.Fasulspitze,2835m, (Verwall)
1969 1.Best.Hoher Riffler,3168m, (Verwall)
1869 1.Best.Parseierspitze über Südostflanke,3036m, (Lechtaler Alpen)
1872 1.Best.Schrottenkegel,2886m, (Verwall)
1872 2.Best.Fluchthorn,3399m, (Silvretta)
1874 1.touristische Best.Patteriol über Westseite,3059m, (Verwall)
1876 1.Best.Hintere Jamspitze,3156m, (Silvretta)
1878 Best.Karkopf,2948m, (Verwall)
1878 Best.Seekopf,3061m, (Verwall)
1.Best.Küchelspitze-Südlicher Vorgipfel,3147m, (Verwall)
Best.Piz Roseg Nordgipfel,
Best.Pic de Teyde (Pico del Teide),3718m, (Teneriffa,Kanarischen Inseln)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Specht Josef Anton, Alpinist und Unternehmer.Geb. Lindenberg, Bayern (Lindenberg im Allgäu, Dtld.), 29. 2. 1828; gest.Wien, 14. 4. 1894; Sohn eines Landwirts. Nach dem Schulbesuch und Aufenthalten in der Schweiz und in Italien begann Specht 1845 eine Kaufmannslehre in Nürnberg und trat 1849 in eine Wr. Exportfa. ein, die er 1854 als Teilhaber übernahm und unter dem Namen Luschka & Specht weiterführte. Bereits ab 1850 dürfte S. erste Bergtouren unternommen haben. 1857 gelang ihm, gem. mit dem Bozener Kaufmann Albert Wachtler, die Ersteigung des Großglockners und – ohne Führer – des Großvenedigers sowie kurz danach der Ötztaler Wildspitze. In der Folge unternahm er, häufig gemeinsam mit seinem langjährigen Bergführer, dem Montafoner Gemsenjäger Franz Pöll, zahlreiche tourist. Erstbesteigungen:
1861 Weißkugel und Similaun in den Ötztaler Alpen,
1862/63 Schaufelspitze und Zuckerhütl im Stubai,
1864 Hoher Riffler im Verwall, kurz darauf auf neuer Route die Königsspitze.
1865 bezwang S. den Piz Buin in der Silvretta, wenige Tage später als einer der ersten Ostalpentouristen die Crast’Agüzza in der Bernina.
1866 Die Erstbesteigung der Vesulspitze
1869 führte eine Tour auf die Parseierspitze,
1874 stand Specht als erster Tourist auf der Spitze des Pateriol in der Verwallgruppe. Seine letzten Gipfelerfolge erzielte er vermutl.
1878 ebendort auf dem Karkopf und dem Seekopf. S. beschränkte seine Expeditionen jedoch nicht nur auf das Alpengebiet, sondern suchte auch entferntere Regionen auf und bestieg etwa den Pico del Teide auf Teneriffa. 1869 war Specht Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins und ab 1873 Mitglied der Sektion Austria des DÖAV, ferner war er Mitglied des Österreichischen Alpenklubs. Specht gilt als einer der wichtigsten Ostalpenpioniere seiner Zeit und war aufgrund seiner zahlreichen Erstbesteigungen bahnbrechend für die Erschließung der Ötztaler und Stubaier Alpen.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1894, S. 112;

Quelle. Eduard Richter, Die Erschließung der Ostalpen, Band 1–3, 1893–94, s. Reg.;
Quelle: W. Lehner, Die Eroberung der Alpen, 1924, bes. S. 116f.;
Eduard Pichl, Wiens Bergsteigertum, 1927,
Quelle. Berge und Heimat 7, 1952, S. 437 (m. B.);

Ein Schwabe aus Wien
Weil aber sein Bergfreund, der Allgäuer J. A. Specht aus Wien, in gleicher Weise und mit Pöll, auf dem Nordgipfel des Piz Roseg hatte umkehren müssen, so hatten sie nun ein Treffen in Galtür im Tiroler Paznaun vereinbart, einmal um dort ,,das Pöllele" und allenfalls einen weiteren Führer aufzunehmen und zum andern, um beim Übergang über die Silvretta ins Engadin wenn möglich gleich die Erstersteigung des noch unbetretenen Piz Buin zu versuchen. Von diesem Bergfreund J. A. Specht — einem Mitbegründer der Sektion Austria und damit des OeAV ! — wissen wir leider herzlich wenig oder doch nur von seinen Taten. Diese aber machen ihn zu einem der erfolgreichsten Pioniere der Erschließerzeit. Ich zähle nur seine allerwichtigsten Erstbesteigungen auf: Ötztaler Wildspitze und Weißkugel, Stubaier Zuckerhütl, Hoher Riffler und Patteriol im Verwall, die Parseierspitze in den Lechtaler Alpen, die Crastagüzza in der Bernina und - eben unsern Piz Buin. Im Gegensatz zu Weilenmann veröffentlichte der am 29.2. 1828 in Lindenberg im Allgäu geborene Specht kein Wort. Weil ihn aber auch keine wissenschaftlichen oder andere Motive auf die Berge trieben, so darf Specht als das Urbild eines Bergsteigers aus Leidenschaft bezeichnet werden.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1965, Heft 7/8, Seite 81 (Auszug aus dem Artikel "Noch zwei Jubiläen"; von Walther Flaig)
Quelle: Peter Grimm, in: Berg ‘91, Alpenvereinsjahrbuch Band 115, (1991), S. 49ff. (m. B.);

1864 - Neue Route am Gran Zebrù
1864 - Erstbesteigung der Dremelspitze mit Franz Pöll
1869 - Erstbesteigung der Parseierspitze mit Peter Siess


Geboren am:
29.02.1828
Gestorben am:
14.04.1894

Erste Route-Begehung