Raechl Walter

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Biografie:
Walter Raechl Zum Gedächtnis.
In den letzten Tagen des vergangenen Jahres 1934 ist der Geograph der Nanga-Parbat-Expedition, Walter Raechl, am Watzmann tödlich verunglückt, am Silvestertag haben die Teilnehmer der Expedition ihren Kameraden im stillen Haslach bei Traunstein, seiner Heimat, zu Grabe getragen. Was die deutschen Bergsteiger und die deutsche Wissenschaft an Walter Raechl verloren haben, das wissen in vollem Umfang nur wenige. Denn Schlichtheit und Bescheidenheit waren ebensosehr kennzeichnend für ihn, wie seine Tatkraft und Treue, seine Gründlichkeit, sein tiefes Wissen und starkes Streben. Voll Begeisterung und erfüllt von der Aufgabe, die ihm übertragen war, ist er in diesem Frühjahr mit uns hinausgezogen zum Nanga Parbat und hat gekämpft und gearbeitet unter Einsatz seiner ganzen Kraft. Er war bei der wissenschaftlichen
Gruppe und umkreiste mit ihr den Nanga Parbat, fast jeden zweiten Tag stand er dabei auf einem neuen Gipfel, photogrammetrierend und geographische Beobachtungen sammelnd. - Als das große Unglück über die Bergsteigergruppe hereinbrach, da war er todmüde aus dem Industal ins Hauptlager gekommen. Trotzdem ihm das Höhentraining für die höchsten Regionen fehlte, stieg er sofort mit den wenigen verfügbaren Trägern hinauf, um seinen bedrängten Kameraden zu helfen. Als letzter kehrte er von oben zurück. Ganzer Einsatz für seine Aufgabe und für seine Expeditionskameraden war für ihn Selbstverständlichkeit.
Raechl war geboren am 27. Februar 1902 in Ansdach, er studierte nach Besuch des Wilhelm-Gymnasiums in München Volkswirtschaft, er promovierte aus diesem Fach und legte das Lehramtsexamen für Wirtschafts-Wissenschaft und Geographie ab. Seit 1921 war er Mitglied des Akademischen Alpenvereins München. Als solches hat er eine umfangreiche bergsteigerische Tätigkeit entfaltet. Von Sommer- und Winterbergfahrten in allen Teilen der Alpen künden die Jahresberichte des Akademischen Alpenvereins München, darunter von schwierigen Kletterturen besonders im Montblancgebiet u. a., Schifahrten auf alle wichtigen Gipfel der Berner Alpen. Der Sommer 1929 sah ihn mit Merkl und Bechtold im Kaukasus, eine Reihe schwierigster, kühner Erstersteigungen und -begehungen gelang ihm bei diesem in vieler Hinficht vorbildlichen Unternehmen. Während der folgenden Jahre stand feine bergsteigerische Tätigkeit unter dem Zeichen der Wissenschaft. Er beteiligte sich am Gletscherkurs auf der Pasterze, an den photogrammetrischen Arbeiten für die Karten des Alpenvereins und begann eine große geographisch-morphologische Forschungsarbeit selbständiger Art im Pitztal. Wie wenigen, stand ihm so bergsteigerisches und wissenschaftliches Können zu Gebote, als der Ruf an ihn erging, bei der Nanga-Parbat-Expedition die deutsche Geographie zu vertreten. All das Schwere, was diese Expedition ihm gebracht hat, konnte er meistern und mit reichem Beobachtungsmaterial kehrte er in die Heimat zurück. Nun ging er mit doppelter Kraft an die Arbeit, er hatte eine Stellung als Studienrat an der Münchner Handelsschule übertragen bekommen, seine Freizeit widmete er der Auswertung des Expeditionsergebnisses. Nachdem er in den letzten Jahren einige kleinere Aufsätze im „Bergsteiger" und in den „Mitteilungen" veröffentlicht hatte, erschien vor kurzem sein erstes größeres literarisches Werk, der Beitrag zum Buch von Herzog: „Kampf um die Weltberge" für das er den Kaukasus bearbeitet hat. Da spricht zu uns das Können des gediegenen Fachmannes auf wissenschaftlichem Gebiet und des um höchste Ziele ringenden Bergsteigers, aber auch eine tiefe Liebe zur Natur und Großartigkeit der Berge.
Walter Raechl stand auf einem Höhepunkt seines Lebens, große Aufgaben standen ihm noch bevor, nun hat ihn der Tod erbarmungslos herausgerissen aus seinem Schaffen und aus unserer Mitte. Um ihn trauern in tiefem Schmerz mit seinen Angehörigen und seiner Braut wir Teilnehmer der Nanga.Parbat-Exftedition, die deutschen Bergsteiger und die deutsche Wissenschaft. Eine der besten Zukunftshoffnungen deutschen Bergsteigertums und deutscher Wissenschaft ist mit ihm ins Grab gesunken. Rein und klar aber soll das Bild dieses geraden, schlichten, kerndeutschen Mannes stets vor uns stehen, in tiefer Dankbarkeit werden wir stets dieses treuen Kameraden gedenken, möge sein trefflicher Charakter vorbildlich für alle Zukunft sein!
Richard Finsterwalder, Hannover.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1935, Seite 33

Raechl Walter, * Ansdach,später München,Haslach bei Traunstein, + Watzmann
Viele schwere Bergtouren im Montblancgebiet und Berner Alpen
1923 1.Beg.Totenkirchl-Nordwand „Bauerweg“,IV,150 HM,2193m, (Wilder Kaiser)
1929 Acht Erstbegehungen im Kaukasus
1929 1.Beg.Koschtan-Tau-Nordgrat,5145m, (Kaukasus)
1929 1.Beg.Kulak-Tau,4062m, (Swetgargruppe,Kaukasus)
1929 1.Beg.Tawiriani-Tau,4130m, (Swetgargruppe,Kaukasus)
1929 Best.Sarikol-Basch,4257m, (Kaukasus)
1929 3.oder 2.Beg.Uschba-Südgipfel „Schulzeweg“,4698m, (Kaukasus)
1929 Best.Elbrus,5629m, (Kaukasus)
1934 Teiln.Nanga Pabat-Expedition

Gerd Schauer, Isny


Geboren am:
27.02.1902
Gestorben am:
12.1934

Erste Route-Begehung

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