Almer Christian

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Biografie:
geboren in Grindelwald (Schweiz)
gestorben in Grindelwald (Schweiz)
erster patentierter Bergführer der Schweiz;
vorerst Käser auf der Alp Grindelwald und längere Zeit "Gletscherhirt" auf dem Jäsenberg. Träger für durchreisende Freunde;
ca. 50 Erstbegehungen.
Erste Ersteigung des Eiger über die Westflanke am 11. August 1858 mit Charles Barrington und dem Bergführer Peter Bohren;
Erste Begehung der Nordwand des Weißhorn (4512 - Walliser Alpen) im Jahre 1871 mit Ulrich Almer und Kitson;
Zweite Begehung der Nordwand des Weißhorn imJahre 1871 mit W.A.B. Coolidge und Miss Brevoort sowie Bergführer Ulrich Almer;
Erste Begehung des Südwestgrates am Eiger im Jahre 1874 mit W.A.B. Coolidge und Miss Brevoort sowie Bergführer Ulrich Almer;

Am 17. Mai ist Christian Almer im Alter von 72 Jahren friedlich entschlummert. Sein Tod bildet den Abschluss des ersten und wichtigsten Abschnittes in der Geschichte des modernen Bergsteigens, denn er hat nicht nur früher als irgend einer der lebenden Führer begonnen Berge zu ersteigen, sondern
er hat seine Thätigkeit auch noch bis zum letzten Herbst fortgesetzt, und erst im vergangenen Winter begannen Alm er's Kräfte nachzulassen. Schon 1851 hatte er die Jungfrau versucht (Mangel an Zeit verhinderte das Erreichen des Gipfels, nachdem die Partie bereits über den Roththalsattel hinaus war).
Indessen erst die erste Ersteigung des Wetterhorns von Grindelwald aus (1854) mit Mr. Wills machte Alm er's Namen in weiteren Kreisen bekannt, während die Ueberschreitung des benachbarten Lauteraarjoches im Herbste 1897 seine letzte Eistour war. Im Laufe dieser 43 Jahre hat Alm er die Alpen von einem Ende zum anderen durchwandert, vom Dachstein und Grossglockner bis zu den Seealpen. Seine zahlreichen „Herren" (von denen der am längsten Ausdauernde — nämlich von 1868—1884 — gewesen zu sein, ich mir zur Ehre anrechne) konnten unmöglich jene Worte finden, welche in genügender Weise ihre Achtung vor Almer als Mann und ihre Bewunderung seiner staunenswerthen Führereigenschaften zum Ausdrucke bringen sollten. Keiner seiner Genossen kann eine so erstaunlich lange Liste „erster Ersteigungen" in allen Theilen der Alpen aufweisen. Die vielleicht denkwürdigsten davon sind die Erstersteigungen des Mönchs (1857), des Eigers (1858), des Grossen Viescherhorns (1862), das ihm zu Ehren „Almerhorn" genannt wurde, des Sesiajoches (1862), der Pointe des Ecrins (1864), der Aiguille Verte (1865) und der Südlichen Aiguille d'Arves (1878), während die nachfolgenden Erstlingstouren überhaupt nicht wiederholt wurden: Silberhorn von Norden (1865), Ebnefluhjoch (1866), Weisshorn vom Biesgletscher (1871), Monte Viso von Nordosten (1881). Soweit mir bekannt, war Alm er nur zweimal in den Ostalpen: 1866 mit Mr. Tuckett und 1876 mit mir. 1866 erstieg er den Dachstein, den Grossglockner, den Grossvenediger (bis auf die letzten 100 m., woran ein furchtbarer Schneesturm hinderte), den Schrankogel, die Punta Taviela, den Monte Rosole (letztere beiden als Erster) und den Cevedale (II. Ersteigung). 1876 besuchte er mit mir den Adamello, die Presanella, die Cima Tosa, den Cimon della Pala (III. Ersteigung), den Antelao, den Pelmo und die Marmolata. Alm er war auch der erste Führer, welcher Hochgipfel im Winter erstieg, so das Wetterhorn und die Jungfrau (1874) und das Grosse Schreckhorn (1879). Im Jänner 1885 (nicht mit mir) hatte er an der Jungfrau das Unglück, an einem seiner Beine schweren Frostschaden zu erleiden; er verlor sämmtliche Zehen dieses Fusses. Dennoch erlaubte ihm seine unbeugsame Unternehmungslust auch dann nicht, dem Bergsteigen zu entsagen, und die noch in den Jahren 1895—1896 ausgeführten Ersteigungen des Bietschhorns und der Meije (jeder dieser Gipfel war vorher von ihm nur einmal erreicht worden) in seinem 70. Lebensjahre und trotz des verkrüppelten Fusses können auf eine Stufe gestellt werden mit seinen berühmten Leistungen seiner jungen Jahre.
Ich habe Almer gerade 30 Jahre gekannt und betrauere in seinem Tode den Verlust eines treuen Freundes, Gefährten und Führers. Stets werde ich es als eine Gunst des Schicksals betrachten, dass es mir vergönnt war, mit dem grössten Führer, der je lebte, so lang und so innig bekannt zu sein. Seiner wunderbaren Geschicklichkeit, Vorsicht und Anhänglichkeit verdanke ich viele der glücklichsten Tage meines Lebens — seinem Andenken widme ich nun diesen letzten Tribut meiner Verehrung und Zuneigung.
Am Tage nach dem Feste Christi Himmelfahrt (welcher Tag konnte sich besser dafür eignen!) wurde Alm er auf dem Friedhofe seines Heimatsortes Grindelwald zu Grabe getragen.
Mehrere hundert Trauergäste folgten dem Sarge, darunter alle Grindelwalder Führer und Vertreter der Führer von Meiringen und Lauterbrunnen, sowie alle zur Zeit in Grindelwald anwesenden Fremden. Als der Trauerzug Almer's Haus verliess und nochmals als der Sarg in das Grab versenkt worden war, donnerten Lawinen an den Hängen der benachbarten Berge herab: ein letzter Gruss der Bergriesen für den Ruheplatz Eines, dessen ganzes Leben einem friedlichen Kriege mit ihnen gewidmet war.
Almer hinterlässt eine Witwe (die er noch 1896 zur Feier der goldenen Hochzeit auf das Wetterhorn geführt hatte), elf Kinder (von denen die fünf Söhne bestbekannte Führer: würdige Söhne eines würdigen Vaters sind) und nicht weniger als 31 Enkel! Kequiescat in pace!
Grindelwald, 23. Mai 1898. W. A. B. Coolidge
Quelle. Mitteilungen des DÖAV 1898, Seite 140-141

Quelle: SAC Jahrbuch Band 34, 1898/99, Seite 199 f (siehe Anhang)

Christian Almer
(*29.3.1826, + 17.5.1898)
In Grindelwald geboren. Neben Melchior Anderegg einer der »Könige« der Schweizer Bergführer der »Goldenen Zeit«; 1856 autorisiert. Zu seinen Touristen gehörten die großen Engländer A. W. Moore und Edward Whymper und nach 1870 der Amerikaner W. A. B. Coolidge und Miß Brevoort. 1857 begann seine Erfolgsserie mit dem Mönch. Es folgten: Eiger, Großes Fiescherhorn, Grandes Jorasses (Pointe Whymper), Ecrins-Hauptgipfel, Gran Cornier, Aiguille Verte und ein Matterhornversuch von Süden. 1864/65 am »ostalpinen Triumphzug« der Briten F. F. Tuckett und D. W. Freshfield beteiligt. Von 1870 bis 1879: Pic Central de la Meije, Dent Blanche, Agassizhorn, Aiguille d'Arves, Droites-Westgipfel, Großes Schreckhorn. Wintertouren mit Schneereifen: Wetterhorn, Jungfrau, Fiescherhorn, Versuch am Montblanc bis über Grand Plateau. 70jährig stieg er zur Feier der goldenen Hochzeit mit seiner Frau aufs Wetterhorn.
Quelle: Der Bergsteiger 1982, Heft 8, Seite 36


Geboren am:
29.03.1826
Gestorben am:
17.05.1898
application/pdf WIKIAlmer Christian - SAC Jahrbuch 1898-99, Seite 199ff.pdf

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