Abderhalden Seth

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Biografie:
geboren in Nesslau/Toggenburg (Schweiz)
gestorben am Säntis (Schweiz) durch eine Lawine

1948 bis 1959 mehr als 30 äußerst schwierige Erstbegehungen im Alpstein, Rätikon, Churfirsten und Berner Alpen.
12. und 13. März 1954 - Erste Begehung der Direkten Nordwand des Scheideggwetterhorn (3361m - Berner Alpen) mit M- Niedermann;
28. und 29. September 1957 - Erste Begehung der Direkten Südwand des Großen Drusenturms (Rätikon) mit Peter Diener
Mai 1958 - Erster Anstieg zum Drusenfluh-Ostgipfel mit Ueli Hürlimann
1958 - Erste Begehung der "Abderhalden-Gedächtnisführe" an den Drei Türmen mit Peter Diener;
27. und 28. Mai 1954- Erste Begehung der Südwandverschneidung des Zweiten Kreuzbergs (1970m - Alpstein) mit M. Niedermann;
Quelle: Archiv Proksch (Österr. Alpenklub)

SETH ABDERHALDEN (+)
Am Sonntag, den 20. November, ging ein herrlicher Morgen über dem Alpstein auf. Die Nacht hatte viel Schnee gebracht. Nun brach die Sonne durch die letzten Wolkenfetzen und tauchte eine winterliche Landschaft in ihr Licht. Dutzende von Skifahrern übten am Fusse der Nordflanke des Säntis, auf der Schwägalp, ihre ersten Schwünge. Sie alle bewunderten die stäubenden Massen eines kleinen Schneebrettes, das sich gegen 11 Uhr hoch oben löste. Keiner ahnte, dass mit diesem Schneebrett Seth Abderhalden seinen letzten Weg angetreten hatte. Er hatte am Morgen mit einem Kameraden Schwägalp verlassen, um auf dem normalen Säntisweg zum Training mit seinen Steigeisen und dem Pickel die Tierwies zu erreichen.
In ihm verliert die schweizerische Bergsteigerschaft ohne Zweifel einen ihrer Besten. Seth Abderhalden lebte für die Berge. Sein ganzes Sinnen und Träumen war darauf gerichtet, und seine ganze Lebensweise war von ihnen bestimmt. Sommer und Winter war er unterwegs. Täglich trainierte er und erwarb sich so eine körperliche Härte gegen sich selbst, wie sie in der heutigen Zeit nur noch wenige Menschen kennen. Ungezählte Nächte biwakierte er in vielen Wänden, in Kälte und Regen, in Sturm und auch in der Ruhe einer Mondnacht. Sein aussergewöhnliches Können befähigte ihn, die grössten Touren auszuführen. Er kannte die schwersten Dolomiten-Routen, die Nordwand der westlichen Zinne, die er als erster wieder mit Haken versehen konnte, nachdem alle entfernt worden waren, die Südwestwand der Marmolada, die schwersten Wege in der Civetta-Gruppe. Er beging die Westwand der Drus, aber er fühlte sich auch zuhause im Firn und Schnee unserer höchsten Gipfel. Die Sentinelle Rouge und die Monte Rosa-Ostwand, die Roseg-Nordostwand zu wiederholten Malen und viele andere Routen wurden von ihm begangen. Seth Abderhalden ging die schwersten Routen in unsern Kalkbergen im Winter an, und die Zahl seiner Erstbegehungen überschreitet die zwanzig bei weitem. Im Jahre 1959 durfte er die höchsten Träume eines Bergsteigers verwirklichen: er war Teilnehmer der Anden-Expedition des Schweizer Alpenclubs und zeichnete sich dort als einer der Besten aus. Auf allen seinen Touren war er bei aller Sicherheit und Schnelligkeit von einer ausserordentlichen Vorsicht. Er verfiel nie in die Haltung mancher Spitzenbergsteiger, die glauben, leichte Touren belächeln zu können und die Schwierigkeiten einer gemachten Fahrt herabsetzen zu müssen. Im Gegenteil, auch bei den einfachsten Klettereien mahnte er zur Vorsicht und empfand Achtung vor dem Berg auch dort, wo er sich ihm von der leichten Seite zeigte. So völlig hingegeben sein Leben an die Berge war, so war er ohne jeden Leben an die Berge war, so war er ohne jeden verkrampften Fanatismus und ohne die Besessenheit des Ehrgeizes. Er ging in die Berge, weil er dort glücklich war, weil er dort das ihm gemässe Erleben fand, seine Freunde, seine Be¬währung als Mann und Kamerad.
Und so war er auch einer unserer Besten als Mensch. Wie alles und wie vor allem das Bergsteigen, so nahm er auch Beruf und Pflicht gegenüber seinen Eltern äusserst ernst; sein Arbeitgeber hatte an ihm einen treuen und völlig zuverlässigen Mitarbeiter und seine Eltern einen guten Sohn. Es gibt wohl wenig Menschen, die so ohne jedes Falsch waren, wie er. Er war restlos offen, völlig ehrlich, gegenüber keinem Menschen hegte er irgendeinen Hintergedanken, er war von einer fast kindlichen Aufrichtigkeit, die seine Umwelt oft beschämte.
Den Bergen hat Seth Abderhalden sein Leben gewidmet; sie haben es ihm nun schon im Alter von 34 Jahren genommen. Er starb auf dem Höhepunkt seiner Kraft, vollständig glücklich, nach einem Leben, das bescheiden war, aber unerhört reich an Erlebnissen und tiefen Eindrücken. Ihm blieb der Abstieg erspart, den alle antreten müssen, die ihn überleben, der Abstieg von der Vollkraft der Jugend in die Gebrechlichkeit des Alters. Und wenn man sich die Frage´stellt: Wie hätte er gelebt ohne die Berge? dann hat dieser frühe Tod auf dem Höhepunkt seines Lebens vielleicht doch etwas Tröstliches.
Seth Abderhalden war Mitglied der SAC-Sektion Toggenburg und der Bergsteigergruppe Kletterklub Alpstein. Er wird einen Platz in der alpinen Geschichte unseres Landes behaupten, und er wird unvergessen bleiben bei all jenen, die das Glück hatten, ihn als Freund zu besitzen.
Ruedi Schatz
Quelle: Die Alpen 1961, Seite 7

1949 1.Best.Scherenspitzen-Direkte Südwand,VI,1926m, (Alpstein,Schweiz)
1952 1.Beg.Erster Kreuzberg-Ostwand „Ostwandriß“,VI/A3,1884m, (Alpstein)
1954 1.Beg.Zweiter Kreuzberg-Südwandverschneidung,VI/A2,300 HM,1970m, (Alpstein,Schweiz)
1954 1.Beg.3.Kreuzberg-Südwand „Abderhalden-Niedermann-Führe“,VI/A3,2020m, (Alpstein)
1954 1.Beg.Scheidegg-Wetterhorn-Direkte Nordwand,VI/A3,1300 HM,3361m, (Berner Alpen)
1956 1.Beg.Schibenstoll Westgipfel-Südwand,2234m, (Churfirsten,Schweiz)
1957 1.Beg.Wildhuser Schafberg-Brust-Westkante,VI-/A2,2373m, (Alpstein,Schweiz)
1957 1.Beg.Stoß Mittagswand-Südpfeiler des Däumlings,VI,2111m, (Alpstein, Schweiz)
1957 1.Beg.Höhlenstock-Nordwand, (Glarner Alpen)
1957 1.Beg.Laucherenstock-Südwand,2639m, (Unterwaldner Voralpen)
1957 1.Beg.Großer Drusenturm Südwestpfeiler„Diener Abderhalden-Führe“,VI/A2,2830m, (Rätikon)
1958 1.Beg.Großer Drusenturm-Südwestwand „Abderhalden Gedächtnisführe“,VI/A2,2830m, (Rätikon)
1958 1.Beg.Drusenfluh-Ostgipfel-Südwand „Hürlimann-Abderhalden-Führe“,VI,/A3,2750m, (Rätikon)
1958 1.Beg.Chreialpfirst „Dohlenriß“,VI/A2,2126m, (Alpstein)
1958 1.Winterbeg.Brisi-Südwand,2279m, (Churfirsten,Appenzell,Schweiz)
1959 1.Beg.Scheienfluh-Westwand Direkter Ausstieg,VI+/A3,300 HM,2628m, (Rätikon)
1959 Teiln.Schweizer Anden-Expedition
1959 3.Best.Pumasillo,6050m, (Anden,Peru)
1960 Beg.Marmolata Punta Penia-Südwestwand „Solda-Conforto Route“,VI+/A2,550 HM,3343m,
(Dolomiten)
Beg.Westliche Zinne-Nordwand,2973m, (Sextener Dolomiten)
Beg.Petit Aiguille du Dru-Westwand,3733m, (Montblancgebiet)
Beg.Montblanc-Brenvaflanke „Sentinelle Rouge”,III,bis 55°,1300 HM,4810 m, (Montblancgebiet)
Beg.Monte Rosa-Ostwand,4634m, (Walliser Alpen)
Beg.Piz Roseg-Nordostwand,3942m, (Bernina)

Gerd Schauer, Isny



Geboren am:
18.01.1926
Gestorben am:
20.11.1960
application/pdf WIKIAbderhalden Seth - Bergkamerad 1960-61-272.pdf
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