Zsigmondy Otto

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Biografie:
Otto Zsigmondy (+)
Ein Nachruf von Karl Schulz.
Der Kreis der älteren Alpenfreunde hat einen herben Verlust erlitten. Am 30. Juni d. J. ist Otto Zsigmondy nach längerem Leiden im 58. Lebensjahre in Wien sanft entschlafen.
Mir war es vergönnt, die Brüder Otto und Emil Zsigmondy mit dem uns auch viel zu früh entrissenen, unvergeßlichen Ludwig Purtscheller im Jahre 1884 kennen zu lernen und ihren berühmten Siegeszug durch die Dolomiten und Schweizer Hochalpen unter ihrer Führung mitzumachen. Unvergeßlich sind mir aus diesem Jahre die erste mit ihnen gemachte schwierige Ersteigung des Nordgipfels der Dreischusterspitze von Innerfeld aus, die Überschreitung des Matterhorns von Zermatt nach Breuil, wobei wir in der verwahrlosten italienischen Cabane an der Cravate übernachten mußten, und die herrliche erste Ersteigung des gewaltigen Bietschhorns von Süden aus dem Rämi mit Abstieg in das Lötschental. Das Jahr 1885 führte die Freunde wieder zusammen in die Alpen des Dauphins. Auf die prächtig gelungenen Touren auf die Meije von Norden und von La Grave aus, auf die Grande Ruine und die Aiguille du Plat folgte der Versuch auf die Meije von Süden, der von den Brüdern Zsigmondy in aufopfernder Weise unternommen wurde, um dem Schreiber dieser Zeilen, der an der Besteigung der Meije von La Grave aus nicht hatte teilnehmen können, die Bekanntschaft mit dem stolzen Gipfel der Jungfrau des Dauphine, der Meije, zu vermitteln. Es ist noch in der Erinnerung aller, besonders der älteren Alpenfreunde, wie dieser Versuch mit dem Absturz und Tod Emils endete. Es waren die furchtbarsten Stunden im Leben Ottos: mit der Gewißheit vom Tode des Bruders nach dem Fall über eine viele hundert Meter hohe, nahezu senkrechte Felswand mit mir den schwierigen, mehrstündigen Abstieg zum Glacier des Etancons zu machen, auf dem wir die zerschmetterte Leiche fanden. Ein tief ernster Zug breitete sich seitdem über Ottos Leben.
Die Brüder Otto und Emil waren nahezu gleichwertig im sicheren und klaren Urteil über die Gangbarkeit eines neuen Weges in den Bergen, über die zu erwartenden Schwierigkeiten, aber sie waren ganz ungleich in der Kühnheit des Entschlusses.
Wie auch aus seinem Buche über die Gefahren der Alpen hervorgeht, war Emil im berechtigten Vertrauen auf seine Leistungsfähigkeit geneigt, auch das Schwierigste und selbst das Gefährlichste zu wagen, während Otto vorsichtig und zögernd abwog und zurückhaltend zur Vorsicht ermahnte. Sie ergänzten sich so auf das Beste.
Es ist mir unvergeßlich, wie Otto vor dem Versuche auf die Meije von Süden, die Schwierigkeiten dieser Besteigung zu groß fand und abmahnte, wobei ich ihm zustimmte und um Einschlagen des alten Weges bat. Emil antwortete mir darauf: „Lassen Sie es doch bei unserem Plane; Sie wissen ja, dass es Otto immer so macht. Bei der Ausführung ist er dann so tüchtig, wie wir es nur wünschen können."
Bei einem etwas schwächeren und zarteren Körperbau gegenüber dem des Bruders war Otto doch ungewöhnlich ausdauernd und zäh. Ihm gebührt von dem Ruhme des Brüderpaares Zsigmondy als Pioniere in der Frühjahrsperiode der führerlosen Alpentouren in Urteil und praktischer Durchführung ein voller, gleichwertiger Anteil. Nur die Verschiedenheit in dem Temperament brachte es mit sich, dass Emil unter den vier Genossen der Bergtouren von 1884 und 1885, ohne dass er es erstrebte und beanspruchte, der leitende und oft entscheidende Kopf war, dabei vortrefflich unterstützt durch Purtschellers große Erfahrung und alpine Tüchtigkeit.
Ich habe es dabei immer anerkannt, dass für mich jene herrlichen Bergturen eigentlich keine führerlosen waren, sondern dass Otto, Emil und Purtscheller meine lieben Freunde und zugleich meine vortrefflichen und vertrauenswürdigsten Führer waren. Wie Emil in seinem genannten Buche, hat es auch Otto abgelehnt, das Bergsteigen als einen Sport im eigentlichen Sinne aufzufassen. Auch in Otto lebte, wie in jedem rechten Bergsteiger, eine höhere und edlere Auffassung, ein „ethisches Moment", wie es Emil mit Vorliebe nannte. Ihm war die Ausbildung des Charakters in dem mühevollen Ringen nach einem schwierigen Ziele und die Freude am selbsterkämpften Erfolge der schönste Lohn des Alpinisten. Kein Bergsteiger mit solchen Erfolgen wie Otto konnte bescheidener sein und weniger geneigt, auch nur den Freunden rühmend von seinen Taten zu erzählen. Er hat nur wenige seiner Touren beschrieben und veröffentlicht 1); Emil war es, der sorgfältig ein genaues Tagebuch führte, die Aufzeichnungen zumeist unmittelbar nach den Touren machte und den Kreis der Alpenfreunde mit seinen Schilderungen erfreute. Gern und mit großer Einsicht hat Otto jedoch die zweite Auflage des Buches über die Gefahren der Alpen nach dem Tode des Bruders herausgegeben. Die Liebe zu den Bergen ist Otto auch nach dem schmerzlichen Verluste des Bruders geblieben. Aber nur leichte, ganz ungefährliche Touren hat er seitdem gemacht. Unermüdlich und treu in seinem von ihm hochgehaltenen Berufe als Zahnarzt, verehrt von seinen Patienten, ein warmherziger Sohn seiner ihm lange im Tode vorangegangenen Eltern und besonders der ihm am längsten gebliebenen Mutter, ein treuer Bruder und ein lieber Freund — mit diesen Zügen wird das Charakterbild des erfolgreichen Alpinisten ergänzt. So lebt er im Kreise der ihm Nahestehenden fort, und dass er so bei allen Alpenfreunden fortlebe, dazu mögen diese Zeilen beitragen.
1) Die meisten sind wiedergegeben in dem der Erinnerung an Emil Zsigmondy gewidmeten Buche „Im Hochgebirge, Wanderungen von C. I. Herausgegeben von K. Schulz; Leipzig 1889.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1917, Seite 89-90

Bruder von Emil,Karl und Richard Zsigmondy.
In der Zeit von 1880 bis 1885 bestieg Otto Zsigmondy,meist mit seinem Bruder Emil Zsigmondy und Ludwig Purtscheller,etwa 100 Drei-und Viertausender,einige davon als Erstbegehungen. In Wien haben sie mit der selbstständigen Erkletterung schwieriger Grate und Wände, vor allem in den Ennstaler Alpen und in der Hochschwabgruppe, auf sich aufmerksam gemacht. Als das große Trio der Führerlosen gingen sie in die alpine Geschichte ein.

1874 Best.Falkenmauer-Thörl bei Michelsdorf,1569m, (Oberösterreich)
1876 Best.Reißeck von Millstatt,2965m, (Ankogelgruppe)
1876 Best.Hochschwab,2278m, (Hochschwabgruppe)
1878 Best.Hochalmspitze,3360m, (Ankogelgruppe)
1878 1.Beg.Zirbenriegelsteig, eine der ersten schweren Raxdurchstiege,2007m, (Rax,Schneeberg)
1879 1.Best.Olperer-Nordgrat,II,350 KM,3476m, (Tuxer Hauptkamm,Zillertaler Alpen)
1879 1.Best.Zsigmondyspitze (Feldkopf) über Westwand,3085m, (Zillertaler Alpen)
1879 1.Beg.Großer Möseler (Mösele)-Nordwand „Firndreieck“,bis 60°,3478m, (Zillertaler Alpen)
1879 Best.Große Zinne,2999m, (Sextener Dolomiten)
1881 1.Beg.Hohe Angelusspitze (Große Angelusspitze)-Nordostwand,3521m, (Ortleralpen)
1881 1.Best.Weißspitze,3300m, (Venediger-Gruppe)
1881 1.Beg.Weißspitze-Nordwestcouloir,3300m, (Venediger-Gruppe)
1881 1.Beg.Weißspitze-Südanstieg,3300m, (Venediger-Gruppe)
1881 1.Beg.Vertainspitze-Ostflanke,3545m, (Ortler Alpen)
1881 1.Best.Hoher Zaun über Südostkamm,3457m, (Venedigergruppe)
1881 1.Best.Sagwandspitze,3227m, (Zillertaler Alpen)
1881 1.Überg.Sagwandspitze,3227m, zum Schrammacher,3411m, (Zillertaler Alpen)
1881 1.Beg.Schrammacher-Westgrat im Abstieg,3411m, (Zillertaler Alpen)
1881 1.Beg.Roßruggspitze-Nordgrat „Roßruggen“,III,450 HM,3304m, (Zillertaler Alpen)
1881 Best.Pflerscher Tribulaun,3097m, (Stubaier Alpen)
1881 Best.Olperer,3476m, (Tuxer Hauptkamm,Zillertaler Alpen)
1881 1.Beg.Fußstein-Südwestwand,3380m, (Zillertaler Alpen)
1881 Best.Hochfeiler,3509m, (Zillertaler Alpen)
1881 Best.Königspitze,2859m, (Ortlergruppe)
1881 Beg.Ortler-Hochjochgrat vom Hochjoch,3902m, (Ortlergruppe)
1881 Überschr.Haunold,2966m, (Sextener Dolomiten)
1881 Best.Sextener Rotwand,2936m, (Sextener Dolomiten)
1881 Best.Dreischusterspitze,3245m, (Sextener Dolomiten)
1881 4.Best.Kleine Zinne,2857m, (Sextener Dolomiten)
1882 1.Beg.Elferkogel-Südgipfel (Gipfelaufbau) aus dem „Inneren Loch“
von Süden,II,3068m, (Sextener Dolomiten)
1882 Best.Zwölferkofel,3094m, (Sextener Dolomiten)
1882 Best.Monticello,2803m, (Marmarole,Dolomiten)
1882 Best.Foppa di Mattia,3155m, (Ampezzaner Dolomiten)
1882 Best.Punta Sorapis,3205m, (Ampezzaner Dolomiten)
1882 Best.Monte Pelmo,3168m, (Ampezzaner Dolomiten)
1882 Best.Pala di San Martino,2987m, (Pala)
1882 Best.Cimone della Pala,3184m, (Pala)
1882 Best.Marmolata-Hauptgipfel Punta Penia,3343m, (Dolomiten)
1882 1.Beg.Piz Linard-Südwandrippe,3411m,(Silvretta)
1882 Best.Marmolata-Punta Rocca,3309m und Hauptgipfel Punta Penia,3344m, (Dolomiten)
1882 1.Beg.Laaser Spitze (Orgelspitze)-Nordostgrat,3304m, (Ortleralpen)
1882 1.Beg.Hinterer Maurerkeeskopf-Direkter Ostgrat,3313m, (Venediger-Gruppe)
1882 1.Beg.Mittlerer Maurerkeeskopf-Südabstieg,3281m, (Venedigergruppe,Hohe Tauern)
1882 1.Beg.Piz Linard-Südwandrippe und oberer Südwestgrat,3411m, (Silvretta)
1884 4.Best.u.1.Beg.Kleine Zinne „Zsigmondykamin“,IV-,2857m, (Sextener Dolomiten)
1884 Best.Großer Vernel (Gran Vernél),3210m, (Marmolata-Gruppe,Dolomiten)
1884 1.Beg.Sasso di Mur-Westgrat,2554m, (Dolomiten)
1884 1.Überschr.Sass de Mura-Westgipfel-Ostgipfel,2554 m, (Maiazzagruppe,Feltriner Dolomiten)
1884 1.Best.Croda da Lago,2701m, (Ampezzaner Dolomiten)
1884 1.führerlose Best.Monte Civetta,3218m, (Dolomiten)
1884 Best.Sass Maor,2814m, (Dolomiten)
1884 4.Best.u.1.führerlose Beg.Kleine Zinne „Zsigmondykamin“.IV-,2857m, (Sextener Dolom.)
1884 1.Führerlose Überschr.Matterhorn,Hörnligrat,III,-Italienergrat,IV,4476m, (Walliser Alpen)
1884 Beg.Bietschhorn-Südwand,3934m, (Walliser Alpen)
1884 4.Beg.u.1.Führerlose Beg.Monte Rosa-Ostwand,(Dufourspitze) III-IV,1600 HM mit
Überschreitung,4634m, (Walliser Alpen)
1885 10.Best.u.1.führerlose Überschr.Meije v. Pic Central zum Grand Pic,3987m, (Dauphiné)
1889 Best.Montblanc,4809m, (Montblancgebiet)
1889 Best.Mont Velan,3731m, (Walliser Alpen)
1891 1.Beg.Dome du Gouter vom Domgletscher,4306m, (Montblancgebiet)
1892 1.Beg.Marmolada di Rocca-(Punta Rocca)-Westgrat, (Marmolatagruppe,Dolomiten)

Gerd Schauer, Isny im Allgäu


Gestorben am:
30.06.1917

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