Thurwieser Peter Karl

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Biografie:
geboren in Kramsach in Tirol (Östererich)
gestorben in Salzburg (Östererich)

War Meteorologe, Alpinist und Theologieprofessor in Salzburg, .

Ca.1000 Gipfelbesteigungen
1822 1.touristische Erstbest.Ankogel,3252m, (Hohe Tauern)
1824 Best.Großglockner,3798m, (Hohe Tauern)
1825 1.Best.Großes Mühlsturzhorn,2236m, (Berchtesgadener Alpen)
1825 1.Best.Großer Hundstod,2594m, (Berchtesgadener Alpen)
1826 1.touristische Best.Ackerlspitze,2331m, (Wilder Kaiser)
1826 1.Best.Schönfeldspitze,2653m, (Steinernes Meer,Berchtesgadener Alpen)
1826 1.Best.Hochkönig von Osten,2941m, (Hochköniggruppe,Berchtesgadener Alpen)
1826 1.touristische Best.Maukspitze,2327m, (Wilder Kaiser)
1826 1.Best.Ackerlspitze,2331m, (Wilder Kaiser)
1831 1.touristische Best.Birnhorn,2634 m, (Leoganger Steinberge)
1832 1.Beg.(Allein)Watzmann Südspitze-Südsüdwestflanke vom Wimbachtal,2712m,
(Berchtesgadener Alpen)
1833 1.Best. Hochkalter über „Schöner Fleck“, Normalweg, 2608m, (Berchtesgadener Alpen)
1833 Best.Wildspitze,3768m, (Ötztaler Alpen)
1833 Best.Similaun,3599m, (Ötztaler Alpen)
1833 Best.Strahlkogel,3288m, (Stubaier Alpen)
1833 1.touristische Best.Mitterhorn von Süden,2506m, (Loferer Steinberge)
1834 2.Best.und 1.touristische Best.Hoher Dachstein über Gosaugletscher und Westgrat,2993m,(Dachsteingebirge)
1834 4.touristische Best.Ortler,3902m, (Ortlergruppe)
1936 2.Best.u.1.touristische Best.Lüsenser Fernerkogel über Westwand,3298m, (Stubaier Alpen)
1836 1.touristische Best.Habicht,3277m, (Stubaier Alpen)
1836 1.touristische Best.Saile(Nockspitze),2403m, (Stubaier Alpen)
1840 1.Best.Ahornspitze,2976m, (Zillertaler Alpen)
1846 1.Best.Großer Mörchner vom Schwarzensteinkees,3283m, (Zillertaler Alpen)
1847 1.Best.Schrammacher über Südgrat,3411m, (Tuxer Hauptkamm,Zillertaler Alpen)
1847 Best.Ankogel,3252m, (Ankogelgruppe,Hohe Tauern)
Quelle: Gerhard Schauer, Isny im Allgäu

Peter Carl Thurwieser zum 100. Geburtstag
Von Fritz Bieler, Innsbruck
Im Tiroler Unterland, wo der weißgrüne Inn knapp vor dem tausendjährigen malerischen Städtchen Rattenberg eine Kniebeuge macht, liegt vor den Hängen des Rofan das Dorf Kramsach. Im Sommer ziehen tausende Menschen dorthin zu den Reintaler Seen. An einer Weggabel am Feldweg zum Krummsee steht ein Denkmal aus ziegelrotem Stein. Darauf das Reliefbild eines Geistlichen: des Theologie-Professors Peter Carl Thurwieser.
Peter Carl Thurwieser aus Kramsach in Tirol steht als Bergsteiger ebenbürtig neben Erzherzog Johann, Fürstbischof Graf Salm, Schultes, Vierthaler und anderen, als Bahnbrecher des Alpinismus, als Erforscher der österreichischen Alpen. Und er ging nicht nur in die Berge aus wissenschaftlichem Interesse. Er sagt selbst darüber: „Eine besonders frohe Empfindung regte sich in mir von frühester Jugend beim Anblick der Berge . . . Das Gehen, Laufen, Steigen kam mir immer leicht an und ich fühlte allezeit, daß solche Bewegungen in der reinen Luft und die Freude und der Frohsinn, welche besonders auf Bergen wohnen, die besten Mittel seien, der Verzärtelung vorzubeugen und die Gesundheit zu stärken ..."
Dr. Josef Schöpf, k. k. Theologieprofessor und Freund Thurwiesers, schreibt 1871 über ihn: „In Kramsach Tyrol wurde am 30. Mai 1789 dem ehrsamen Müller Peter Thurwieser und dessen Eheweibe Anna Pertl ein Sohn gegeben, den namens des dortigen Herrschaftsbesitzers, Freiherrn von Lichtenthurn die Züchtige Jungfrau Antonia Koch als Peter Carl aus der Taufe hob. Der Bub war ein schwächliches Kind: ,Zur Bauerschaft und zum Handwerk taugt unser Beda nix, meinte der Alte und detto glaubte die Mutter. Glücklicherweise zeigte der "Beda" bald ein lichtes Köpflein und excellierte in der Dorfschule. Peter Carl wurde zur Studi bestimmt..."
Nach dem Gymnasium in Hall studierte er Philosophie in Innsbruck. 1812 wurde er in Salzburg zum Priester geweiht. Seine erste Anstellung als HilfsPriester erhielt er in Siezenheim bei Salzburg, und hier begann Thurwiesers alpine Tätigkeit. Seiner Kenntnis der morgenländischen Sprachen wegen wurde er 1820 zum Professor „des alten Bundes und der morgenländischen Sprachen" an der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg ernannt. Die von ihm 1821 verfaßten Notizen über Absicht und Zweck beim Bergsteigen lassen erkennen, welch lautere und edle Beweggründe und welch tiefsinnige und poetische Gemütsstimmung ihn bei seinen Bergtouren beherrschten. „Schon von Kindheit an habe ich ein besonderes Vergnügen empfunden an der Anschauung der Werke des Schöpfers - der Sonne,
des Mondes, der Sterne, der Erde . . . Für meinen Geist ist das Verweilen auf Bergen eine große Freude und eine dauernde Erheiterung. Schon der Anstieg macht mir ein Vergnügen, wenn ich aus der schwülen Sommerluft des Landes hinaufwandere zur schneidenden Winterkälte des Hochgebirges . . . Der Gewinn des Bergsteigens ist allerdings größer, wenn er mit wissenschaftlichen Beobachtungen, Untersuchungen und Sammlungen verbunden wird. Allein bei dem bunten Gemenge der Gedanken und Absichten überläßt man sich entweder nur einem Dinge und nimmt sich so selbst Freude und Zeit für das Übrige, oder man leistet in jedem Ding nur Halbes und der Gewinn im Ganzen ist klein. Ich denke, besser Eines recht, als Vieles schlecht. Meine Absicht bei Bergreisen ist und wird fein:
1. Die bisherige Tätigkeit meiner Natur zu erhalten,
2. die Herrlichkeit der Werke Gottes zu bewundern und
3. mich gründlich aufzuheitern und zu erholen."
Thurwieser unternahm alle Bergtouren nur in Begleitung. Seine Instrumente trug er immer selbst. Er ging im damaligen Anzug eines Weltgeistlichen: Schnallenschuhe, schwarze Strümpfe, Kniehosen, langer Rock. Freude und Staunen erfaßten ihn immer wieder: „So weit das Auge reicht, ziehen Berge an Berge hin, in hundertfachen Gestalten, und zerfallen dennoch allmählich in Trümmer, die sich unter ihrem Scheitel wie steinerne Felder herabziehen. Große und ernste Gedanken regen sich da oben in mir. Ich fühle mich dem Himmel näher, sein Blau erscheint mir dunkler und ehrwürdiger . . . Ein einziger Tag auf hohem Berg bringt in das gewöhnliche Leben eine frohere und nachhaltigere Abwechslung als die buntesten Vergnügen im Tal."
Die alpine Tätigkeit Thurwiesers umfaßt rund 40 Jahre. Nur ein paar Gipfelziele seien genannt, um zu zeigen, wo überall hin er kam: Untersberg, Watzmann, Hohe Salve, Schlern, Patscherkofel, Frau Hitt (1822), Ankogel, Großglockner (1824 mit Prof. Stampfer), Wiesbachhorn, Hochkönig, Großer Priel (1827); Venter Wildspitze, Similaun und Strahlkogel (1833, drei touristische Erstersteigungen); Hoher Dachstein, Ortler (beide 1834), 1836 Erstersteigung des Lüsenser Fernerkogels im Sellrain. Oft war er in den Zillertalern, im Ötztal, in den bayrischen Bergen, in den Tauern, in den Dolomiten. 1855 schließen die Aufzeichnungen Thurwiesers. Das Gebiet, das er während 40 Jahren durchwandert hat, ist so groß, daß ihm auch Bergsteiger von heute ihre Anerkennung nicht versagen können.
Thurwieser ward das damals seltene Glück zuteil, das 50jährige Priesterjubiläum zu feiern. Weihnachten 1864 wurde er in den Ruhestand versetzt und starb im Jänner 1865 im 76. Lebensjahre.
Thurwiesers Name lebt in einer der schönsten Spitzen der Ortlergruppe. Kein Geringerer als Dr. Edmund von Mossisowics, einer der Gründer unseres Alpenvereins, hatte sie „Thurwieser-Spitze" (3646 m) getauft. Wenn man erwägt, unter welchen Umständen und Schwierigkeiten Thurwieser seine Bergfahrten unternahm, kann man ihn nur bewundern. Und er tat es nur aus lauteren Beweggründen, aus reiner Freude und warmer Liebe zu unseren Bergen.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1965, Heft 3/4, Seite 29

Peter Carl Thurwieser
Vita *30. 5. 1787 Kramsach, (+) 25. 1. 1867 Salzburg. Geistlicher, Theologieprofessor, Spezialist für orientalische Sprachen, vielseitiger Naturforscher. Lebte und lehrte den größten Teil seines Lebens in Salzburg.
Chronik In Thurwiesers Persönlichkeit verband sich der Eifer des Naturwissenschaftlers mit einer nahezu modernen Bergbegeisterung. Als einer der frühesten Pioniere des ostalpinen Bergsteigens hat er mehr als 1000 Gipfelbesteigungen unternommen, eine für jene Zeit ganz außerordentliche Anzahl, selbst wenn man davon seine 480 Besteigungen des Gaisbergs bei Salzburg abzieht. Er galt als zäh und abgehärtet, als Original, am Berg in geistlichem Habit unterwegs, am Gipfel oftmals ein Feuerwerk abbrennend. Er trug stets Thermometer und ein selbstentworfenes »Gefäß- und Stockbarometer« zur Höhenbestimmung mit sich und stand auf zahlreichen Gipfeln als erster oder zumindest als erster Tourist (die Angaben hierüber differieren in der Alpinchronik; die absoluten Erstersteigungen sind in der Folge mit (1.) gekennzeichnet):
1822: Ankogel, 3253 m; 1823: Hochpfeiler, 2596 m (Tennengebirge, 1.); 1825: Großes Mühl¬sturzhorn, 2235 m, Großer Hundstod, 2594 m (1.); 1826: Hochkönig 2850 m, Ackerlspitze, 2335 m, Maukspitze, 2227 m; 1830: Schönfeldspitze 2651 m (1.); 1831: Birnhorn, 2634 m; 1832: Watzmann¬Südspitze, 2712 m; 1833: Strahlkogel (Stubai), 3290 m (1.); Hinter¬horn (Loferer), 2503 m; 1834: Hoher Dachstein, 2996 m; 1836: Ha¬bicht, 3279 m, Lisenser Fernerkogel, 3300 m; 1840: Ahornspitze (Zillertaler Alpen), 2971 m; 1846: Großer Mörchner, 3270 m; 1847: Schrammacher, 3416 m (1.).
Außerdem bestieg er zahlreiche Gipfel im Pongau, im Pinzgau, im Gasteiner Gebiet, aber auch so anspruchsvolle Ziele wie den Großglockner (1824) und den Ortler (1827, 5. Erst.). Bis 1858 reichen die Aufzeichnungen Thurwiesers über seine Bergtouren: Seine letzten Gipfel waren Hochfelln und Hochplatte in den Chiemgauer Alpen. In der Ortlergruppe wurde die formschöne Thurwieserspitze nach ihm benannt.
-am-
Quelle: Der Bergsteiger 1983, Heft 6, Seite 59-60

Quelle: Der Bergsteiger 1986, Heft 2, Seite 36


Geboren am:
30.05.1789
Gestorben am:
25.01.1865

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