Böhm August Dr.

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Biografie:
geboren in Wien (Östererich)
gestorben in Graz (Österreich)

Mitglied der Sektion Austria des ÖAV
Mitgründer des D. u. Oe.A.V. und dessen erster Schriftführer. Gilt als erfinder des "Berg Heil" Grußes.
Verfechter der Wiener Schule als Führerloser;
Seine Seilgefährten waren die Brüder Emil und Otto Zsigmondy, Carl Diener, Eduard Suchanek und J.A. Specht;
Beging am 6. Oktober 1878 mit den Brüdern Zsigmondy den Zirbenriegelsteig, eine der ersten schweren Raxdurchstiege;
1883 - Erschließertätigkeit im Venedigergebiet und im weiteren Sinne in den Ostalpen-Erschließung maßgeblich beteiligt;
Erste Touristische Ersteigung des Laserzer Seekofel (2744m - Lienzer Dolomiten) mit St. Kernreuter am 28. Juli 1890;
A.v. Böhm war in seinen jungen Jahren viel in den Kletterschulen der Umgebung Wiens. Am "Matterhördl (Mödling)" hatte er sieben Anstiege mit Farbe markiert. Liebevoll nannte er diesen alleinstehenden Felsen einen "Alpinen Kindergarten".
Quelle: Archiv Proksch (Österr. Alpenklub)

Univ.-Prof. Dr. August von Böhm (+)
Von Ing. Eduard Pichl, Wien
„Es ist unsagbar trauig, im Alter die Bekannten und Freunde aus der Jugendzeit einen nach dem anderen hinsterben zu sehen!“ So schrieb Böhm im Sommer dieses Jahres an mich, als er mir Aufschlüsse über die Mitglieder des Wiener „Zentralausschusses“ des D.u.Ö.A.V. 1880-1882 gab und dabei seine Meinung aussprach, dass er der einzige Überlebende dieses Zentralausschusses sei.
Im Sommer weilte er noch in seinem geliebten Hochschwabgebiet beim Bodenbauer und bestieg auch, trotz seiner 72 Jahre, den von ihm etwa 130mal besuchten Hochschwabgipfel in ungebrochener Rüstigkeit. Wenige Wochen später, am 19.Oktober 1930, machte eine eingetretene Lungenentzündung einem hochwertigen, seiner Familie, der Wissenschaft und den Bergen gewidmeten Leben ein unerwartetes schmerzliches Ende.
Am 22. Oktober trugen sie ihn auf dem St.Peter-Friedhofe in Graz zur letzten Ruhe. Namens des akademischen Senates sprach am Grabe Dekan Univ.-Prof. Dr. Rella, für das Geographische Institut der Universität Graz dessen Vorstand, Univ.-Prof. Dr. Otto Maull, in ausgezeichneter, die hohe wissenschaftliche Bedeutung Böhms eingehend behandelnder Rede. Die Sektion Austria und den gesamten D. u.Ö.A.V. vertrat Hofrat Ing. Ed. Pichl, der Böhm als alpinen Erschließer und Bergsteiger und als treuen Sohn des Alpenvereins würdigte, Phil. Proske dankte dem Dahingegangenen im Namen des Geographenvereins.
Prof. Dr. Maull zeichnete ein Lebensbild Böhms:
August Böhm, Edler von Böhmersheim wurde am 27. April 1858 in Wien als Sohn eines Arztes geboren und studierte an der Wiener Universität Petrographie; er untersuchte die Gesteine des Wechsels und entdeckte dabei kristallographisch geregelte Streifung der Quarze (Böhmsche Streifung), die nach seiner von der Wissenschaft anerkannten Deutung unter dem Einfluß starker Pressung entstanden war. Über die Alpen, die er bei seinen wissenschaftlichen Forschungen kennen und lieben lernte, gelangte er zur Geographie. Unter der Führung und den Einflüssen von Friedrich Simony, Ferd. von Richthofen, Albrecht Penck u.a. wandte er sich der Gletscherforschung zu. Im Jahre 1885 gab er eine Studie heraus „Über die alten Gletscher der Enns und Steyr“, im folgenden Jahre verfaßte er eine „Einteilung der Ostalpen“, die er später über die ganzen Alpen ausdehnte. Als die Sektion Breslau 1887 ein Preisausschreiben für die beste glazialmorphologische Untersuchung veröffentlichte, bewarb sich Böhm mit Brückner und Penck um den Preis. Er durchforschte das ihm zugefallene Gebiet und ließ 1900 als preisgekrönte Studie „Die alten Gletscher der Mur und Mürz“ erscheinen. Andere Abhandlungen sind „Die Hochseen der Ostalpen“, „Geschichte der Moränenkunde“ und „Abplattungen und Gebirgsbildung“, in welcher Schrift eine neue Gebirgsbildungstheorie begründet wird. Als Ergänzung und teilweise Erwiderung auf die Pencksche Biographie Simonys gab Böhm 1889 eine Schrift heraus: „Zur Biographie Simonys“.
Böhm war zuerst Volutär an der Geologischen Reichsanstalt in Wien; wurde 1887 Privatdozent der Geographie an der Wiener Technik und 1902 ordentlicher Professor. Von 1898 bis 1907 leitete er die Mitteilungen und Verhandlungen der k. u. k. Geographischen Gesellschaft in Wien. Auf Grund einer letztwilligen Verfügung Simonys setzte er ab 1890 die Beobachtungen am Karls-Eisfeld im Dachsteingebiet fort. Das nüchterne Flachland um Cernowitz, an dessen Universität er 1908 berufen wurde, führte den alpengewohnten Gelehrten zu einem besonderen Zweig, zur mathematischen Geographie, die ihm mehrere wichtige Arbeiten verdankt. Im Herbst 1920 kam er nach der durch den Krieg erfolgten zeitweiligen Schließung der Universität Cernowitz, da ihm der dortige Aufenthalt durch die Romanisierung der Hochschule verleidet worden war, als Honorardozent nach Graz mit der besonderen Aufgabe, mathematische Geographie und Kartographie zu pflegen. Mit dem 1922 erfolgten Übertritt in den Ruhestand war die Verleihung des Hofratsttitels verbunden, doch für ihn gab es keinen Ruhestand. Als Univ.-Prof. Dr. Sieger 1926 starb, supplierte Böhm die Lehrkanzel für Geographie und übernahm im vergangenen Semester die Vorlesungen über Ozeanographie. Böhm war Ehrenmitglied der Geographischen Gesellschaft in Wien und Hannover, Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher, korrespondierendes Mitglied der Geologischen Reichsanstalt in Wien und Kurator des Technischen Museums Für Industrie und Gewerbe in Wien.
Quelle: Mitteilungen des DÖAV 1930, Seite 229-230

1870 1.Best.Matterhörndls (Mödling)
1878 1.Beg.Zirbenriegelsteig, eine der ersten schweren Raxdurchstiege, (Rax)
1879 1.Beg.Olperer-Nordgrat,II,350 KM,3476m, (Tuxer Hauptkamm,Zillertaler Alpen)
1879 1.Beg.Großer Möseler(Mösele)-Nordwand
„Firndreieck“,bis 60°,3478m, (Zillertaler Alpen)
1880 1.Beg.Zsigmondyspitze-Südostgrat im Abstieg,II+,
3087m, (Zillertaler Alpen)
1881 Best.Olperer,3476m, (Tuxer Hauptkamm,Zillertaler Alpen)
1881 1.Beg.Fußstein-Südwestwand,3381m, (Zillertaler Alpen)
1881 1.Beg.Ankogel-Ostsüdostgrat,3250m, (Ankogelgruppe)
1881 Best.Hochfeiler,3510m, (Zillertaler Alpen)
1882 1.Best.Fuscherkarkopf-Nordwestgipfel über Südwestgrat
„Gamsgrubengrat",3331m, (Hohe Tauern)
1882 1.Beg.u.1.Überschr.Sonnenwelleck-Hauptgipfel-Südwestwand,3266m, (Glocknergruppe)
1883 1.Überschr.Prager Hütte-Grossvenediger,3673 m,-Hohes Aderl,3501 m,-
Rainerhorn,3559m,-Krystallkopf,3513 m,-Hoher Zaun,3447 m,-Krystallwand,3329 m,-
Hinterer Klexenkopf,3247 m,-Vorderer Klexenkopf ca.3230 m,-Frossnitz-Kees,-
Windisch-Matrey in 10 St. 41 Min.,(Hohe Tauern)
1883 1.Überg.Schwarze Wand,-zum Hohen Zaun,3447m, (Venedigergruppe)
1883 1.Beg.Hoher Zaun-Südanstieg,3447m, (Venedigergruppe)
1883 1.Beg.Kristallwand-Südwestkamm,3329m, (Venedigergruppe)
1883 1.Beg.Rainerhorn-Westkamm,3559m, (Venedigergruppe)
1883 1.Beg.Rainerhorn-Nordostrücken,3559m, (Venedigergruppe)
1983 1.Beg.Großer Scheiblingstein-Nordostflanke,2197m, (Ennstaler Alpen)
1983 1.Überg.zum.Großer Scheiblingstein, (Ennstaler Alpen)
1983 1.Beg.Großer Pyhrgas-Ostgrat ,2244m, (Ennstaler Alpen)
1883 1.Beg.Gefrorene-Wand-Spitzen-Vorgipfel,3286 m, (Zillertaler Alpen)
1883 1.Führerlose Best.Große Bischofsmütze,2455 m, (Dachsteingebirge)
1883 1.Beg.Scheffauer-Westgrat-Übergang vom Zettenkaiser,II,
270 HM,2111m, (Wilder Kaiser)
1890 1.Touri.Best.Laserzer Seekofel,2744m, (Lienzer Dolomiten)
1891 1.Beg.Olperer-Gesamter Nordostgrat,3476m,
(Tuxer Hauptkamm,Zillertaler Alpen)
1930 Best.Hochschwab,2277m, (Hochschwabgruppe)
Gerd Schauer, Isny im Allgäu



Geboren am:
27.04.1858
Gestorben am:
19.10.1930

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