Kostner Franz

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Biografie:
geboren in Corvara (Italien)
gestorben in Corvara (Italien)

Quelle: Berge und Heimat 1947, Seite 18
Quelle: Der Bergkamerad 1963/64, Seite 13 f
Quelle: Der Bergkamerad 1967/68, Seite 710

n Memoriatn - Franz Kostner, Corvara
Kurz nach Vollendung seines 91. Lebensjahres verschied der um sein Heimattal so verdiente, durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als berühmter Bergführer mit dem Alpinismus auf das ensgte verbundene Mann in Corvara. Die ladinischen Mitbürger, zahllose Freunde aus nah und fern, Vertreter vieler Behörden, eine geschlossene Gruppe von Bergführern aus den Dolomitentalern gaben ihm das letzte Geleit hinauf zum alten idyllischen Friedhof, von wo der Blick frei hinausgeht zu den stolzen Felsenbergen die das ladinische Tal ringsum säumen. Trübe Novemberstimmvmg begleitete diesen letzten Gang Franz Kostners, von den Pässen herab strich ein kalter Wind, Gruß an einen Bergsteiger, der auf den Gipfeln der asiatischen Gebirge, der West- und Ostalpen, in seinen geliebten Dolomiten hart geworden war. Das Dasein dieses stets fortschrittlich gesinnten Mannes war von Erfolg gekrönt, sein 1908 erworbenes kleines Gasthaus Zirm ist längst das den Dolomitenbesuchern zum Begriff gewordene Hotel Post - Zirm, überall regte sich mit der Entwicklung des Fremdenverkehrs etwas im Kostnerschen Bereich. Die drei Söhne führen das Werk des Vaters auf zielstrebige Weise fort, Franz, seit Jahren auch Bürgermeister, Hotel und Landwirtschaft, Walter das Geschäft, während Erich das Skiliftnetz betreut und immer wieder ausweitet. Sitzt man im alten Zinnstüberl der Post, so fühlt man hier eine Atmosphäre, die irgendwie zum bergverbundenen Denken des Hausherrn hinweist.
Weltvergessen war Corvara zur Bubenzeit Franz Kostners, der Vater war ein kleiner Bauer und Weber, die Jugendzeit war hart, aber die Erinnerung an das alte verwitterte Vaterhaus an den Hängen des Col Alt dem Verstorbenen stets teuer. Er konnte köstlich erzählen von der Zeit, da er mit seinen Holzschuhen die Kühe hütete und es für ihn eine Erlösung bedeutete, dies dann später in den Rohrstiefeln des verstorbenen Vaters zu tun, auf den herrlichen Dolomitenwiesen, wo es auch seltene Versteinerungen gab, die man als aufgeweckter Bub an den Mann zu bringen wußte. Nicht selten waren nämlich die Geologen Richthofen, Zittel und Frau Gordon schon damals im ladinischen Tal anzutreffen.
Im Jahre 1897 erfüllte sich ein längst gehegter Wunsch für Franz Kostner: die Autorisation als Bergführer des Deutschen und österreichischen Alpenvereins. Er war brennend daran interessiert, die Berge seiner Heimat zu ersteigen. Seine erste Führertour — und dies in Begleitung des Nordpolforschers Payer mit seiner Tochter — war die 3152m hohe Boé mit Aufstieg durch das Val di Mesdi, Abstieg nach Canazei. Zur damaligen Zeit breitete sich der Ruf der Dolomiten als Reise und Bergsteigerziel rasch aus und Führer und Träger hatten eine gute Zeit. Der DuOeAV baute Hütten, im Corvarabereich das Bambegerhaus, die Puezhütte und das romantische Bergsteigerheim am Pisciadusee. Im Mai 1902 zog Franz Kostner mit Prof. Merzbacher, Prof. Hans Pfann und dem Geologen Dr. Keidl erstmals nach Zentralasien. Eine hochinteressante Reise über Krakau, Odessa, entlang des Kaukasus, Batum, Tiflis, Baku und über das Kaspische Meer, mit zauberhaften Eindrücken, führte die Expedition dorthin. Das Ziel war die Erforschung der Hochregion des zentralen Tienschangebirges, wobei das berühmte Tienschanpanorama erstellt und die Lage des geheimnisvollen Khan Tengri näher bestimmt werden konnte. Zahlreiche Täler wurden entdeckt, riesige Gletscher gequert und unter Begleitung von Kara-Kirgisen der 4180m hohe Tjus-Aschu-Paß überschritten. Am 19.Oktober erreichte die Expedition Kaschgar, wo Kostner mit einigen ihrer Mitglieder den Winter verbrachte. Durch einige Russen und den Bergführer Stockmaier aus dem Pinzgau ergänzt, machte sich die Gruppe im April 1903 neuerdings auf den Weg in die ausgedehnten Gebirgszüge des Tienschan. Im Laufe de8 mannigfachen Expeditionsgeschehens wurden über 20 Gipfel zwischen 5000 und 6000 Metern erstiegen, teils anläßlich der topographischen und photographischen Arbeiten. Im Oktober 1903 kam man in Narynkol an und zog nach Kultscha weiter, das als Winterquartier 1903/04 vorgesehen war. Der ausgebrochene Russisch-Japanische Krieg änderte jedoch die Lage und nach langem Warten auf die Erlaubnis, das Land wieder verlassen zu dürfen, machte man sich auf die umständliche und lange Heimreise, mit wertvollem wissenschaftlichem Material im Gepäck. Weihnachten feierte Kostner mit seiner Familie im trauten Heim zu Corvara. 1907 ging er wieder in den Tienschan, diesmal mit der Jagdexpedition des Prinzen Axnulf von Bayern. Man kam an alte bekannte Stätten, reiche Jagdbeute war beschieden und neue Forschungen ergaben eine noch tiefere Kenntnis dieser asiatischen Berge, weit drinnen in Asien auf dem „Dach der Welt". Kostners Touren in den Westalpen mit Henry Hoeck, Heinz v. Ficker, Oskar Schuster wurden klassische alpine Ereignisse. Während des ersten Weltkrieges war Kostner als Standschützenmajor Kommandant des Batl. Enneberg, das zwischen Sella und Travenanzes, am Sief und Col di Lana stand. Er war auch Lawinenreferent und leitete die Skiausbildung der Truppen an der Südfront. In diesen Jahren ergaben sich auch enge Kontakte mit dem Deutschen Alpenkorps. Zahlreiche Auszeichnungen galten dem Soldaten Kostner, dem Manne des Tourismus und dem ausgezeichneten Schützen, der noch mit 90 Jahren mit sicherer Hand am Schießstand zu Sankt Vigil den Eröffnungsschuß abgab.
Langenmaier
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1969, Heft 1/2, Seite 17

Kostner Franz,Bergführer, * Corvara,Tal von Pradet,Südtirol, + Corvara (Südtirol)
Bild: http://www.ladinia.it/listinfo.php?id=287&lan=it
Bildquelle: der bergkamerad 11/1968
Bildquelle: der bergkamerad 4/1970
Touren in den Westalpen mit Henry Hoeck, Heinz v. Ficker, Oskar Schuster
1900 1.Beg.Sass Songher-Südwand,IV+,600 HM,2665m, (Gardenzzastock,Puezgruppe,Dolomiten)
1902/03 Teilnehmer Tienschan-Expedition, (Tienschangebirge,Zentralasien)
1902 1.Überschr.Tjus-Aschu-Paß,4180m, (Tienschangebirge,Zentralasien)
1903 Best.über 20 Gipfel zwischen 5000 und 6000 m, (Tienschangebirge,Zentralasien)
1905 1.Beg.Erster Sellaturm-Südostwand „Kostner-Kaminführe“,III-IV,160 HM,2538m, (Sellamassiv)
1905 1.Beg.Zweiter Sellaturm-Südwestwand „Kostner-Gablonzer-Verschneidung“,III+,100HM,2597m,
(Sella,Dolomiten)
1906 1.Beg.Hintere Stangenspitze-Ostgrat und Südostgrat,3227m, (Zillertaler Alpen)
1907/08 Teilnehmer Kahn-Tengri-Expedition, (Turkestan)
1907 Überschreit.Matterhorn Hörnligrat-Italienergrat,4478m, (Walliser Alpen)
1908 Skibest.Boe Spitze (Piz Boe),3152m, (Sella,Dolomiten)
1910 1.Best.Heiligkreuzkofel über Westwand,2911m, (Fanesgruppe,Dolomiten)
1930 1.Beg.Exnerturm-Nordostwand „Kostner-Röchling“,IV,2496m, (Sella,Dolomiten)
1932 1.Beg.Runggaldierturm-Nordwand,2362m, (Sella,Dolomiten)
1932 1.Beg.Sass Masores Orientale/Mur Pissadu Orientale „Kostner-Katscher",2530m, (Sella,Dolomiten)
1942 Best.Totenkirchl,2193m, (Wilder Kaiser)
1954 Beg.Totenkirchl „Pfannkamin“,2193m, (Wilder Kaiser)
1.Beg.Sass de Rifugio-Ostkante „Kostner-Biondi",2722m, (Sella,Dolomiten)

Gerd Schauer, Isny

Geboren am:
02.10.1877
Gestorben am:
11.1968

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