Moriggl Josef

(Bearbeiten)
Foto gesucht!
Biografie:
Josef Moriggl studierte Geographie an der Universität Innsbruck, promovierte 1905 zum Dr. phil. und war dann als Gymnasialprofessor tätig. Ab 1907 arbeitete er hauptamtlich für den DÖAV in München, Wien, Innsbruck und Stuttgart.

Dr. Josef Moriggl (+)
Am 2. September 1939 ist in seiner alten Heimat Sand i. Taufers der frühere langjährige Generalsekretär des Alpenvereins Dr. Josef Moriggl gestorben; am 11. September, dem Vorabend seines 60. Geburtstages, haben wir ihn auf dem Wiltener Friedhof in Innsbruck zur letzten Ruhe begleitet. Ein schleichendes Leiden hatte schon seit längerem sein Befinden gestört, akuter Erkrankung im Sommer folgte eine scheinbare Besserung, ein neuer Anfall aber führte jäh zum Ende.
Der Alpenverein hatte das Glück einer ebenso guten wie beständigen Kanzleiführung. In dem ersten halben Jahrhundert, in dem es dieses Amt überhaupt gab, wechselte es nur einmal seinen Inhaber; der erste war Johannes Emmer (1884 bis 1911, -(+) 1928), der zweite, von 1911 bis Ende 1935, Moriggl. Den einen wie den anderen könnten wir uns aus der Geschichte des Vereins gar nicht wegdenken.
Moriggls Scheiden aus dem Amte hat uns schon Anlaß geboten, seiner großen, unvergänglichen Dienste um den Verein zu gedenken (vgl. „Mitteilungen" 1936/2, S. 32). In der Trauer von heute zeichnet sich vor allem der Unter- und Hintergrund ab, dem Moriggls so vielseitiges verdienstvolles Wirken entsprang: von Jugend auf war er eingestellt auf Alpen und Alpenverein, von früh an erwarb er sich gründlichste Kenntnis des Gebietes und Stoffes, und er identifizierte sich mit seiner Aufgabe und mit dem Alpenverein in einer Weise, daß dem Wollen und Können nach kaum jemand wärmer, wirksamer den Alpenvereinsstandpunkt wahren hätte können. Dabei kam Moriggl sehr zustatten, daß er sozusagen von der Pike auf im Alpenverein gedient hatte — seine ersten Sporen erwarb er sich im Ausschuß der S. Innsbruck —, nie ließ er daher die Theorie des grünen Tisches über das Praktische wuchern, immer wußte er die Gesichtspunkte der Vereinsleitung mit jenen der Sektionen in Einklang zu bringen. Die reiche Kenntnis des Stoffes und Gebietes, von der ein umfangreiches Schrifttum zeugt („Mitteilungen" 1936, S. 32/33), verband sich in Moriggl mit jener so wünschenswerten urteilsfreudigen, aufrechten, grundehrlichen Menschenart, die einerseits immer und jedem gegenüber rückhaltlos die eigene Ansicht vertritt, andererseits sich mit entsprechenden Argumenten auch von der Richtigkeit eines anderen Standpunktes überzeugen läßt.
In seiner Rolle als Geschäftsführer des D. u. Ö. Alpenvereins hat Moriggl immer auch in vorderer Linie derer gestanden, die die großdeutsche Gemeinschaft gepflegt und gefördert haben, bis sie in aller Form Wirklichkeit wurde. Und unentwegt, mit aller Liebe, reichem Wissen und Schaffen, ist er im Rahmen des Alpenvereins für sein Heimatland Tirol eingetreten — auch dieses darf ihn zu seinen verdientesten Männern zählen.
„Von dem, was an Moriggl sterblich war, müssen wir trauernd Abschied nehmen. Seinen Verdiensten und seinem Wirken werden wir gerecht durch treues Gedenken und bleibende Dankbarkeit."
R. v. Klebelsberg.
Quelle: Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins, Deutscher Bergsteigerverband im NS. Reichsbund für Leibesübungen 1939-40, Heft 1, Seite 16-17

Dr. Josef Moriggl (+)
Am 2. September ist zu Sand in Taufers in Südtirol, in der Heimat seiner lang verstorbenen Mutter der langjährige Generalsekretär und Kanzleileiter des Deutschen Alpenvereins Dr. phil. Josef Moriggl verstorben.
Mit ihm ist ein ansehnliches Stück der Geschichte des Alpenvereins verbunden. Als junger Auskultant (Studienassessor) an der Handelsschule in Innsbruck, wo er vornehmlich Heimatkunde und Geschichte zu lehren hatte, trat er auf Anregung von Dr. Josef von Zimmeter, Vorsitzender des Alpenvereinszweiges Innsbruck, und von Dr. Johannes Emmer, Generalsekretär des Alpenvereins, am 1. September 1907 in den engeren Dienst dieses Vereins als zweiter Sekretär. Den Doktorhut hatte er an der Universität Innsbruck erlangt durch eine gediegene wissenschaftliche Arbeit über das Sellrain-Tal.
Im Bereich des Alpenvereins arbeitete Moriggl neben Emmer an allen wichtigen Aufgaben, die diesem allumfassenden Verein gestellt waren. Er fand ein wohlgeordnetes Arbeitsfeld vor, das aber dauernd an Umfang zunahm. Als Johannes Emmer im Jahr 1911 in den verdienten Ruhestand trat, rückte Moriggl an dessen Stelle und bewältigte viele Jahre die gesamte Arbeit ohne ständige wissenschaftliche Hilfskraft. Die Tätigkeitsberichte des Vereins aus diesen Jahren sind zugleich Berichte über die Tätigkeit Moriggls.
Daneben aber hat er unter Zuhilfenahme von vieler Nachtarbeit Bücher geschrieben, die weite Verbreitung gefunden haben. So den gediegenen „Ratgeber für Alpenwanderer", dann das mehrbändige Werk „Von Hütte zu Hütte", das ungezählten Bergwanderern als Wegweiser gedient hat und nur in einzelnen Teilen durch die Wettvorgänge der neueren Zeit überholt ist. Besondere Kenntnisse standen ihm im Kartenwesen zur Seite; wir verdanken ihm ein gutes Buch über das Kartenlesen.
Moriggl war von seinen Schülerjahren her bis in die Zeit seines Ruhestandes ein ausdauernder Bergsteiger, kein Draufgänger, aber ein naturfreudiger Wanderer, den insbesondere seine Tiroler Heimatberge immer wieder anzogen. Seine Jugendjahre hatte er vornehmlich in Innsbruck und in Hall in Tirol verlebt, später wanderte er bis zu seiner Ruhesetzung mit dem Alpenvereins-Verwaltungsausschuß von Stadt zu Stadt: München, Wien, Stuttgart und Innsbruck.
Die starke Überarbeitung mag die kräftige Gesundheit Moriggls seit langem beeinträchtigt haben. In den letzten Jahren seiner Amtsführung war er mehrfach ans Krankenlager gefesselt. Als er im Jahre 1935 nach einer Tätigkeit von 28 Jahren in den Ruhestand trat, da war er leidlich erholt und man durfte erwarten, daß er die verdiente Ruhe in seinem bescheidenen Innsbrucker Eigenheim noch geraume Zeit genießen werde. Vor kurzem erst trat ein Leberleiden auf, das dem Arbeitsamen unerwartet ein Ziel setzte.
Georg Blab.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1939, Folge 1210, Seite 250-251


Geboren am:
12.09.1879
Gestorben am:
02.09.1939