Strebel Friedrich
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Biografie:
geboren in Ansbach (Deutschland)
gestorben in Ansbach (Deutschland)
Zrieürich Strebel (+)
Am 22. Juni 1950 ist in Ansbach (Mittelfranken) Oberregierungsrat a. D. Friedrich Strebel gestorben. Strebel gehörte der älteren Bergsteigergeneration an, er zählte zu den ältesten Klubmitgliedern, deren wir erst im Jänner/Februar-Heft 1950 unserer Österreichischeu Alpenzeitung ehrend gedacht haben.
Friedrich Strebel war am 18. Dezember 1862 in Ansbach geboren. Nach seinem Studium auf der Technischen Hochschule in München hatte er sich dem höheren Postdienste in Bayern und im Deutschen Reich gewidmet und war 1924 nach einer langjährigen, von Erfolg gekrönten beruflichen Tätigkeit als Oberregierungsrat in den Ruhestand getreten. Seitdem lebte er in seiner Vaterstadt Ansbach.
Was uns mit Friedrich Strebel seit Jahren verband, war seine Begeisterung für die Bergwelt. Es mochte wohl das erstemal gewesen sein, daß er als Student die bayerischen Berge kennenlernte, ob es nun der Wendelstein, der damalige Modeberg für München, oder der Herzogstand war. Der Eindruck dieser Fahrt war auf ihn so stark, daß er sich den Bergen auf die Zeit seines langen Lebens verschrieb und mit wenigen Ausnahmen seinen jährlichen Urlaub im Gebirge verbrachte. Weil er als Beamter hauptsächlich seinen Dienstsitz in Nürnberg hatte, war es natürlich, daß er zunächst der Sektion Nürnberg des Alpenvereins beitrat und im Verlaufe vieler Jahre unter seinen Kameraden eine rege Tätigkeit als Hüttenwart der Nürnberger Hütte im Stubai und als 2. Vorsitzender der
Vorstandschaft entfaltete. Eine besondere Freude war es für ihn, einen gleichgesinnten engeren Kreis von Bergfreunden zu finden, die sich innerhalb der Sektion zu einer eigenen Bergsteigervereinigung: „Mir san g'stellt" zusammenschlossen, um sich den Idealen eines vertieften bergsteigerischen Erlebens hinzugeben und der vielgeliebten Frau Musika zu huldigen. Die Sektion Nürnberg zeichnete ihn 1924 durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft aus.
Darüber hinaus erwarb sich sein weltoffener Sinn auf den vielen Bergfahrten Freunde von fern und nah, die ihn dazu bewogen, 1893 unserem Klub und 1899 dem Schweizer Alpenklub, Sektion Bern, als Mitglied beizutreten, denn den gesamten Alpen galt seine Liebe. Dabei lag es in äußeren Umständen der vergangenen Zeit begründet, daß ihn sein Weg weniger in die Westalpen führte: Bernina, Bergell und Wallis, waren dort sein Tourengebiet. Dafür besuchte er um so mehr die Ostalpen, und es waren wohl nur wenige Gebirgsgruppen, die er nicht näher kennenlernte. Wenn ihm die Berge seiner engeren bayerischen Heimat, die Allgäuer Alpen, die Zugspitze, der Watzmann, an sich näher lagen, so zogen ihn um so mächtiger die Silvretta mit dem Piz Buin, das Ferwall mit dem Patteriol, die Parseierspitze, der Kranz der Gipfel um die von ihm verwaltete Nürnberger
Hütte im Stubai mit dem Zuckerhütl und dem westlicher gelegenen Schrankogl, die Adamellogruppe mit der Cima Presanella, die Ellmauer Halt, das Große Wiesbachhorn und der Großglockner an, um schließlich in dem Großglockner den Berg zu finden, dem seine Bewunderung galt, oder die Dachsteinsüdwand in einem furchtbaren Schneesturm zu durchklettern. Auch den Sonnblick, die Hochalmspitze, den Großen Priel und den Hochschwab vergaß er nicht, und — wie einmal seine Freunde scherzend von ihm rühmten —: „Als ein Mann erlesenen Geschmacks zeigte er sich auch noch auf der Rax. " In den Julischen Alpen folgte er den Spuren des von ihm hochverehrten Julius Kugy, und auch dem Triglav stattete er seinen Besuch ab. Sein Lieblingsgebiet waren ihm aber die Dolomiten. Wie gerne war er in Bozen bei seinen Freunden Forchermayr und dem Schlernvater Mahlknecht und wie unvergeßlich blieb in ihm die Erinnerung an den Rosengarten, die Tofana,
die Palagruppe und die Marmolata, die er vom Contrinhaus, das einstmals der Sektion Nürnberg gehörte, bestieg!
Seine Verbundenheit mit Land und Leuten im Gebirge mögen zwei kleine Begebnisse zeigen. Vor dem ersten Weltkrieg kam Strebel einmal bei einem fürchterlichen Unwetter in den Dolomiten in ein Bergdorf, um dort zu erfahren, daß das „Postfräulein" vom Blitze erschlagen worden sei. Sofort übernahm er, seinem Berufe als Postbeamter folgend, die Postgeschäfte und führte sie drei Tage lang, 'bis die offizielle Ablösung kam und er seine Bergtouren fortsetzen konnte. Die Oberpostdirektion Innsbruck dankte ihm damals für seinen opferbereiten internationalen Einsatz. Ein anderes Mal — es ist schon lange her - kam er mit seinem Freunde Seifert nach Cortina. Im Gasthause fanden sie eine Musikkapelle vor, die mit allen Zeichen einer erzwungenen Untätigkeit trübselig dreinblickte. Wie sich herausstellte, fehlte ein Mann für die 1. Violine und für die Viola. Bereitwillig
sprangen die beiden Bergfreunde ein. Nun hätte man die Freude der Ampezzaner sehen sollen. Tagelang wurde musiziert, ganz Cortina strömte zusammen, und vom Berge kam sogar ein Wirt, der um seiner Gäste willen das Schauspiel nicht mehr länger ansehen konnte und die Musikkapelle zu sich auf den Berg holte.
So erlebte Friedrich Strebel aufgeschlossenen Herzens die Alpen und dazu ein großes Stück der Geschichte des Alpenvereins. Es waren sonnigere Zeiten als diejenigen, welche wir heute durchmessen. Aber gleich geblieben ist die Liebe zu der Erhabenheit und Herrlichlichkeit der Bergwelt. Diese Liebe wird uns nach dem Glauben unseres Klubkameraden Friedrich Strebel auch in Zukunft aus den Niederungen menschlicher Kleinmütigkeit und politischer Unterdrückung emporführen zu den Höhen einer lichteren Sonnenwelt und einer alles überströmenden göttlichen Gnade.
Dr. Karl Mainer.
Quelle: Österr. Alpenzeitung 1950, Folge 1253, Seite 159f
Geboren am:
18.12.1862
Gestorben am:
22.06.1950