Breunig Johann

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Biografie:
Kommerzialrat Johann Breunig (+)
Das älteste, treue Mitglied und der Mitbegründer unseres Klubs Johann Breunig ist am 8. März d. J. im 83. Lebensjahre gestorben. Er hatte sich an dem Gesamtaustritt jener großen Zahl von Mitgliedern des Osterr. Turistenklubs beteiligt, die, mit der eigenwilligen Führung des Klubs durch den Präsidenten Dr. Ludwig Schiestl unzufrieden, im Jahre 1878 den Alpenklub „Österreich" gründeten. An den sehr lebhaften wöchentlichen Klubversammlungen der ersten zehn Jahre hatte sich Johann Breunig rege beteiligt, bis ihn Familien- und Berufspflichten stark in Anspruch nahmen. Aus warmer Naturliebe war er in die Berge gekommen, die ihn nicht mehr losgelassen haben.
Nach zahlreichen Bergturen in den niederösterreichisch-steirischen Voralpen folgten Dachstein, Gesäuseberge, Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen, Glöckner- und Ortlergruppe. Bemerkenswert ist, daß Breunig unseren Gustl Jahn in die Bergwelt einführte und so mit zum Lehrmeister eines der kühnsten Bergsteiger seiner Zeit wurde.
Der Kriegsbeginn traf Johann Breunig im 62. Lebensjahr und beendete jäh seine geliebte alpinistische Betätigung, denn er mußte sich nun ausschließlich der ungemein schwierigen und verantwortungsvollen Pflicht widmen, die ihm in seiner Eigenschaft als langjährigem ersten Vorsteher der Bäckerzunft und Vizepräsidenten der Frucht- und Mehlbörse oblag, für die Wiener Bevölkerung die unentbehrlichsten Nahrungsmittel dem für die im Felde stehende Armee beschlagnahmten Riesenquantum abzuringen. Durch seine Tatkraft, seine unermüdlichen Bemühungen und das Vertrauen, welches er bei den Behörden genoß, konnte er diese schwere Aufgabe bewältigen und Wien blieb von gefährlichen Folgen des Brotmangels verschont.
Seine Berufsgenosten dankten Johann Breunig hiefür durch Wahl zum Ehrenvorsteher, seine Vaterstadt Wien durch Verleihung der goldenen Salvator-Medaille und die k. k. Regierung zeichnete ihn durch das goldene Verdienstkreuz mit der Krone aus.
Aber als mir dieser sonst so ernste und schweigsame liebe Freund in seinem 72. Jahre mit freudigem Aufblitzen seiner Augen erzählte, daß er nach jahrelanger Pause nochmals die Rax ohne besondere Anstrengung bestiegen habe, da schien mir, daß ihm diese seine letzte Bergfahrt mehr Freude bereitet hat als alle seine Auszeichnungen, die er durch jahrelange Mühen und Sorgen sich verdient hatte.
Mit Wehmut nahm ich Abschied von dem lieben alten Freund und Gefährten vieler unvergeßlicher Bergfahrten.
Der Ö.A.K. wird seinem ältesten treuen Mitgliede Johann Breunig, dem wackeren deutschen Mann und angesehenen Wiener Bürger, ein ehrendes Andenken bewahren.
Carl Brischar.
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1936, Folge 1170, Seite 124-125

Gestorben am:
08.03.1936