Schüsselkarspitze

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Höhe:
2.537 m
Infos:
Schüsselkarspitze (2538m). (I. Erst.)
Am nächsten Tage (6. Juni) brachen wir wegen unsicheren Wetters erst 4h 15 m von der Angerhütte auf. Durch das Reinthai ging es ein Stück abwärts, dann überschritten wir bei der Bockhütte den Bach und stiegen auf dem ebenso steilen wie schlechten Wege hinauf in das Oberreinthai und von dort pfadlos in dessen östlichstes Kar, das Schüsselkar. Hier Rast von 7 h 50m bis 8h 37 m. Dann ging es mit Steigeisen, die sich trefflich bewährten, in die Felsen. Die Einstiegsstelle, welche nur etwa 5 Min. vom Frühstücksplatze entfernt liegt, befindet sich auf der Ostseite des Schüsselkares, etwa dort, wo die Höhenlinie 2000 der Bairischen Positionskarte (1:25.000) in den Felsen der Leutascher Dreithorspitze endigt. Zuerst (in östlicher Richtung) gerade aufwärts, dann wendet man sich etwas nach rechts und gelangt so auf einen kleinen Grat, der einen plattigen Graben nördlich begrenzt. Auf diesem einige Minuten empor, dann über eine 3o Meter lange Traversirstelle, von der jedoch nur wenige Meter schwierig sind, in den Graben hinein. In diesem klettert man ein Stück in die Höhe, dann geht es nach rechts hin ganz leicht, oberhalb eines schroffen Felszackens durch, auf eine neue Traverse, die zu einem Schneefeld hinüberleitet, das jedenfalls im Sommer gänzlich verschwindet.
Nach dessen Ueberschreitung klettert man über plattige Felsen schräg empor auf das grosse Schnee-, bezüglich Geröllfeld, welches in den Wänden nordwestlich von der Spitze eingebettet liegt, und das vom Schüsselkar aus gut sichtbar ist. Da wir dem Schnee nicht trauten, so hielten wir uns immer am oberen Rande desselben unter den senkrechten und überhängenden Wänden. In denselben zeigen sich zwei Einschnitte, deren rechten (westlichen) wir benützten. Er vertieft sich bald zum überhängenden Kamin, dessen Durchkletterung, zumal da er noch vom Schmelzwasser stark überronnen war, sich ausserordentlich schwierig gestaltete. Nun geht es sehr exponirt über eine steile Felskante zu einem zweiten Kamin, Dieser, ein würdiges Gegenstück zu dem überwundenen, hängt gleichfalls etwas über und trieft vor Nässe. Aber auch er wird glücklich erklettert, und nun steigen wir über sehr exponirte Stellen ziemlich direct empor zum Grat, den wir südwestlich vom Gipfel erreichen. Ein steiler Doppelzackeri auf der Grathöhe wird überstiegen, dann klettern wir über eine grosse Platte in eine Einschartung hinab und von dort — immer auf der Grathöhe — zum Gipfel hinan. An 12h 10m. Die Aussicht wird natürlich durch die Wände des Dreithorspitzstockes sehr beschränkt, die sich aber von hier aus ungemein grossartig darstellen. Da der Grat noch verschiedene Erhebungen aufweist, welche mit unserem Standpunkt an Höhe rivalisiren, so verfolgten wir den Grat noch ein Stück in nordöstlicher Richtung, kehrten aber dann wieder auf den zuerst betretenen Zacken zurück, wo auch ein kleiner Steinmann gebaut wurde. Ab 12h 50m. Wir hielten uns genau an die Anstiegsroute; nur das untere Schneefeld wurde nicht wie im Anstieg an seiner breitesten, sondern an seiner schmälsten Stelle durchquert und ebenso nicht über, sondern unter dem charakteristischen Felszacken durchtraversirt. Der plattige Graben und die anschliessende Traverse waren im Abstieg etwas leichter als aufwärts, und die folgenden Stellen sind überhaupt nicht mehr schwer. 4h 15m standen wir wieder unter den Felsen auf dem Rastplatz. 4h 28m brachen wir wieder auf, passirten 5h 28m die Bockhütte und standen 5h 47m an der Quelle „Bei den sieben Sprüngen“. Hier Rast bis 6h 20m. 7 h 28 m trafen wir in der Angerhütte ein. Die Ersteigung der Schüsselkarspitze ist eine der schwierigsten, wenn nicht die schwerste Kletterei im Wetterstein-Gebirge. Auch das Todtenkirchl im Wilden Kaiser erscheint mir leichter als die geschilderte Tour, die ausserdem noch sehr lang ist, wenn man nicht die dürftige Bockhütte als Nachtquartier wählen will.
Oskar Schuster:
Quelle: Österreichische Alpenzeitung 1894, Folge 413, Seite 280

Bild:
©
Gebirgsgruppe:
Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Erste(r) Besteiger(in):
Moser Heinrich
Schuster Oscar
Datum erste Besteigung:
06.06.1894

Routen:
Nordwand
Ostsüdostwand - "Stunden der Gemütlichkeit"
Ostsüdostwand - "Schubert/Werner-Führer"
Ostwand
Südostwand
Südsüdostwand - "Bayerischer Traum"
Südsüdostwand - "Bayerischer Traum" (Direktvariante)
Südverschneidung
Südwand - "Aquaplaning"
Südwand - "Auckenthalerriß" (Einstiegsvariante zur Spindlerführe)
Südwand - "Dementia Praecox" (Einstiegsvariante zur Fiechtl/Herzog-Führe)
Südwand - "Doc Holiday"
Südwand - "Folies Bergères" / Arktischer Sommer"
Südwand - "Friedenspfeife"
Südwand - "Herzogpfeiler - Menhir"
Südwand - "Jung und Alt"
Südwand - "Kriminaltango"
Südwand - "Leben im Sonnenschein"
Südwand - "Locker vom Hocker"
Südwand - "Meßner/Sint-Führe" (Einstiegsvariante zur Spindlerführe)
Südwand - "Mon Cheri"
Südwand - "Morgenlandfahrt"
Südwand - "Pfeilerrisse" (Direkteinstieg zur Direkten Südwand"
Südwand - "Piranhas"
Südwand - "Raupe - Stück für Stück"
Südwand - "Spindlerführe- Ausstiegsvariante"
Südwand - "Spindlerführe"
Südwand - "Steiler Zahn"
Südwand - "Steinernes Meer - Brandung"
Südwand - "Steinernes Meer"
Südwand - "Strandläufer"
Südwand - "Super Django"
Südwand - "Time out"
Südwand - "Verbindungsvariante "Wersin"
Südwand - "Vogelfrei"
Südwand - "Wolfsfährte"
Südwand - "Wolkenreise"
Südwand - "Direkte - Aschenbrenner"
Südwand - "Fiechtl/Herzog-Führe"
Südwand - "Hexentanz der Nerven"
Übergang zur Leutascher Dreitorspitze über den "Plattenschuß"
Westgrat

(Route Neu)